Reimarus: Mit Vernunft die Bibel lesen. Erinnerung zum 250. Todestag des Philosophen und Sprachwissenschaftlers

19. Jan 2018 | von | Themenbereich: Eckige Gedenktage, Philosophische Bücher, Termine

Ein wichtiger Anlass zum Weiter – Denken: Am 1. März vor 250 Jahren ist der Philosoph und Sprachwissenschaftler Hermann Samuel REIMARUS in Hamburg gestorben (geboren wurde er am 22.12. 1694 in Hamburg). Nach seinem Tod fand man die religionskritische Schrift „APOLOGIE oder Schutzbrief für die vernünftigen Verehrer Gottes“. Diesen umfangreichen Text veröffentlichte Reimaus zu Lebzeiten nicht bzw. er wagte es nicht, diesen, das gesamte System der Kirche erschütternden Text zu publizieren. Es sind Studien zur vernunftgeleiteten Kritik an der Bibel. Lessing veröffentlichte dann „Gott sei Dank“ Teile dieses Buch, auch noch unter Pseudonym. Für Reimarus (und für Lessing) steht im Mittelpunkt das religiöse Bekenntnis der freien Entscheidung des einzelnen  unabhängig von amtskirchlicher Autorität und offizieller Bibeldeutung. Der Einfluss von Reimarus reicht weit (wohl bis zu Bultmann) und zu allen Kirchen, die sich liberal-theologisch orientieren bzw. „freisinnig“ nennen.

Reimarus bleibt ein Lehrmeister für alle sich auch jetzt immer stärker ausbreitenden fundamentalistischen, evangelikalen und pfingstlerischen Kirchen und monotheistischen Religionen, die noch immer, aller Vernunft widersprechend, an einer „wortwörtlichen“ Deutung der Bibel („der heiligen Texte“) festhalten.

Ob Reimarus überhaupt dem Namen nach in muslimischen Kreisen der Koran – Deutungen bekannt ist, wäre zu untersuchen.

Hermann Samuel Reimarus war keineswegs „nur“ Wissenschaftler und Philosoph. Er war sozial engagiert, 1765 gründete er die „Patritoische Gesellschaft“ , sie bemühte sich um Reformen in der Gesellschaft, 1788 wurde die „Allgemeine Armenanstalt“ erreichtet, eine Art „bürgerliche Selbsthilfe“, die als Vorbild für weitere Projekte gilt.

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