Gott finden im Kloster der Rechtsradikalen von Le Barroux. Die Zeitung „Christ und Welt“ (Die ZEIT) riskiert eine Blamage

28. Mrz 2018 | von | Themenbereich: Denken und Glauben, Perspektiven und Probleme, Religionskritik

Ein Hinweis auf einen verstörenden Artikel in der Wochenzeitung „Christ und Welt“

Von Christian Modehn. Einen zweiten, weiterführenden Beitrag (6.4.2018) finden Sie hier.

Dieser Artikel von Tobias Haberl ist eine theologische Verführung: Er will zeigen, welch ein ästhetischer religiöser Genuss entstehen kann in einer Benediktiner Abtei, die man als Zentrum rechtsextremen Denkens bezeichnet. Nur wird diese rechtsextreme Position des Klosters in „Christ und Welt“  absolut verschwiegen. 

Prinzipiell gilt: Jeder und jede kann seinen/ihren Gott oder das Göttliche oder das „Nichts“ suchen und vielleicht „finden“, wo immer man will. Das gilt selbst für den Gott, den man in einem Benediktiner Kloster rechtsextremer Franzosen findet. Nur soll man den Ort der Gottesbegegnung bitte als Journalist dann auch als solchen benennen und sagen, was in diesem Kloster sonst alles so „los ist“. Dies verlangt die journalistische Sorgfalt und verhindert den Anschein, fake news oder Verschwiegenes und Halbwahrheiten zu verbreiten.

So viel Unkenntnis oder Dummheit eines Journalisten, möchte man fast sagen, wurde selten in einem angesehenen Blatt publiziert: Unter dem Titel „Auf Reisen ins Innere“ schreibt der Autor Tobias Haberl einen Bericht über seinen Klosteraufenthalt, publiziert in der – nur für einen kleinen Kreis von Abonnenten erreichbaren – Beilage „Christ und Welt“ innerhalb der Wochenzeitung DIE ZEIT, veröffentlicht am 28. März 2018. Es handelt sich um einen auf zwei großen Zeitungs – Seiten gedruckten Artikel. Also etwas von vermutlich großem Gewicht.

Tobias Haberl folgte, wie er schreibt, der Empfehlung eines katholischen Freundes: Er solle doch einmal als Gast eine Woche in dem wunderschön, in Einsamkeit gelegenen Benediktinerkloster „Sainte Madelaine du Barroux“ bei Avignon verbringen. Im Laufe des Textes wird der nicht genannte, „mein einziger katholischer Freund“, wie Haberl sagt, dann doch deutlich: Es ist kein Geringerer als der katholische Ästhet und Liebhaber der uralten lateinischen Messe Martin Mosebach. Dessen Buch „Häresie der Formlosigkeit“ hat Haberl tatsächlich in seinem Gepäck und er liest im Kloster der „authentischen Mönche“ dieses Mosebach Buch.Wenn das so ist, und alles spricht für Mosebach als den katholischen Freund: Bloß warum wird dieser Mosebach dann schamhaft namentlich verschwiegen, hat Herr Haberl Angst, Mosebach öffentlich zu nennen ? Eher ist es wohl umgekehrt: Mosebach weiß längst, welche theologische und rechtsextrem –  politische Haltung (man denke an die Verbindung des Abtes Dom Calvet mit J.M. Le Pen und an des Abtes Abneigung gegen „den“ Islam) die Mönche von Le Barroux haben. Deswegen will er klugerweise doch lieber im Hintergrund bleiben. Jedenfalls ist die Liebe zum Lateinischen in alter prächtiger Form, wie sie in le Barroux zelebriert wird, „haargenau“ Mosebachs Liebhaberei genannte Spiritualität. Hier jedenfalls wird deutlich, in welchen Klöstern mit einer expliziten politischen Färbung sich Mosebach wohlfühlt. Liturgisch reaktionär und politisch reaktionär verbinden sich gern.

Der Autor Tobias Haberl notiert also, fast in Mosebachschen Schwärmereien, was er in diesen Tagen dort in Le Barroux an spirituellen und alltäglichen Erfahrungen machen konnte: Er schreibt über den Rückzug in eine geschlossene Welt ohne Fernsehen, über die Stille dort, das eher bescheidene Essen, die kleine Klosterzelle für Gäste, das Verweilen in der Kirche, die Begegnungen mit Gott im ästhetischen Erleben der Kunstwerke dort und so weiter. Alles Dinge, die man als Gast in jedem anderen Benediktinerkloster oder Trappistenkloster oder Zisterzienserkloster erleben kann.

Nur: Das Erstaunliche und in dem Falle das Skandalöse ist: es wird vom Autor völlig ausgeblendet in den spirituellen Tagesnotizen jegliche Information über dieses Kloster Le Barroux. Das besondere politische und theologische Profil wird verweigert bzw. verschwiegen, ob bewusst oder unbewusst aus Uninformiertheit, ist eine Frage.

Denn, dass weiß, mit Verlaub gesagt, jeder, der sich mit Benediktiner Klöstern in Frankreich befasst und sich dann auch in einem solchen aufhält: Le Barroux ist ein Nest theologisch reaktionärer Mönche und zudem ein Zentrum rechtsradikaler Mönche, die der Partei Front National nicht nur nahe stehen, sondern auch diese Partei mit größter Wahrscheinlichkeit wählen. Das haben seit Jahren demokratisch besorgte Bürgerinitiativen in der Umgebung dokumentiert, die genau die Wahlen in Le Barroux beobachteten und immer feststellten: Diese Mönche, es sind dort etwa 50, wählen laut Wahlergebnissen in diesem kleinen Ort Front National.

Die unbezweifelbaren Tatsachen sind bekannt und können sogar auf der website der Mönche von Le Barroux nachgelesen werden. Warum verschweigt Tobias Haberl, der sonst so viel emails und websites liest, dass er auch die website vom Kloster gelesen hat, diese gibt es ja auch auf Englisch, falls man kein Französisch versteht. Auf der offiziellen Website des Klosters kann man etwa die jungen Mönche bewundern mit welcher prächtigen Tonsur sie ihr asketisches Gesicht zeigen. Sieht man ja eher selten…

Erstaunlich ist die Aussage des Autors: „In dieser Abtei hat das Satanische keine Macht. Alles ist streng und sanft zugleich. Endlich, endlich Authentizität, die wir alle suchen…“

Natürlich hatte der Gründer der Abtei, Abt Gerard Calvet, nichts Satanisches, jedenfalls würde es niemand wagen, solches zu sagen. Um es kurz zu machen: Calvet (1927 bis 2008) hatte sich und sein Kloster den Traditionalisten rund um Erzbischof Lefèbvre angeschlossen. Leute aus dem politischen Umfeld von Lefèbvre gehör(t)en zu den Freunden und Dauergästen im Kloster: Etwa Jean Madiran oder Bernard Antony, beide führende Mitglieder des rechtsradikalen Front National. Wenn der „Christ und Welt“ Autor einmal in die Buchhandlung des Klosters gegangen wäre, die jeden Tage einige Stunden geöffnet ist, hätte er die Bücher der genannten Rechtsextremen (etwa die Polemiken von Jean Madiran über das Abendland und gegen „den“ Islam“) dort gefunden oder die Biographie von Dom Calvet. Auf der website des Klosters, Stichwort boutiques, werden zahlreiche Bücher aus dem rechtsextremen Milieu zum Kauf angeboten. Theologisch werden uralte, aber neu (!) aufgelegte Sachen angepriesen, etwa der Katechismus von Papst Pius X. (gestorben 1914) oder vom Trientiner Konzil im 16. Jahrhundert.

Das Kloster findet bei jungen Mönchen offenbar aus einschlägigen rechtslastigen Kreisen so viel Zuspruch, (denn kein anders Denkender hält es in einem solchen Milieu aus…) dass tatsächlich ein weites Netz von Klosterneugründungen erwähnt wird. Viele dieser Neugründungen gehören explizit zu den Lefèbvre Traditionalisten, wie etwa das Kloster Reichenstein bei Monschau, Eifel.

Tatsache ist: Dom Calvet stand als Lefèbvre Freund in enger Verbindung mit dem damaligen Chef der obersten vatikanischen Glaubensbehörde, mit Kardinal Ratzinger. Dieser sah es als sein dringendstes Anliegen, darin treu folgend dem polnischen Papst, dass die schismatischen Traditionalisten wieder in den Schoß der römischen Papst Kirche zurückkehren, also den schismatischen Club der Traditionalisten und Lefèbvre Leute verlassen. Und diese „Versöhnung“ mit Rom ist dem Kardinal Ratzinger auch gelungen: Nur mit dem Ergebnis: die reaktionären Mönche und FN Freunde von le Barroux erkennen den Papst zwar an. Aber das ist alles. Sonst folgen sie ihrer alten Liturgie, der alten Theologie, kurz, allem was den Traditionalisten wichtig ist. Le Barroux ist also eine Art „trojanisches Pferd“: nach außen hin römisch, päpstlich; de facto reaktionär. Darum sind auch alle reaktionären Medien in Frankreich förmliche Liebhaber des Klosters. Man lese etwa „Le salon beige“ oder „Riposte catholique“, das sind heftigste Websites aus der rechtsextremen katholischen Ecke, die, wie alle wissen, in Frankreich sehr zahlreich und sehr einflussreich sind, jedenfalls mehr als in Deutschland bisher. Diese Kreise haben etwa die Massen – Demonstrationen gegen die Ehe für alle in Frankreich mit organisiert.

Dass der neue Abt, er stammt aus altem Adel, Père Louis Marie de Geyer d Orth, ebenfalls rechtslastige Vorlieben hat, zeigt etwa seine Ansprache anlässlich der Bestattung des Klosterfreundes und Rechtsextremen Jean Madiran (man lese: http://www.nd-chretiente.com/dotclear/public/documents/2013_Documents/2013.08.08_Jean_Madiran_obseques_Dom_Louis-Marie.pdf). Dort ist der jetzige Abt de Geyer d Orth so offen, die tiefe Verbundenheit des Klosterfreundes Madiran mit dem rechtsextremen Vordenker und Schriftstellers Charles Maurras (1868 – 1952) zu betonen.

Ich breche hier die Hinweise zum Kloster der Rechtsextremen Mönche Le Barroux ab, ich habe darüber vielfach publiziert, etwa auch in dem empfehlenswerten Buch „Rolle rückwärts mit Benedikt“ (hg Norbert Sommer und Thomas Seiterich, 2009, dort S 143 ff, besonders S.156 f)

Nur zum Schuss: Der ungenannte bayerische Freund, der den „Christ und Welt“ Autor, also indirekt dann auch „ZEIT“ Autor, ins schöne le Barroux lockte, hatte ihm auch noch einen Buchtipp gegeben: Er solle das Buch des im Vatikan tätigen Kardinals Robert Sarah „Kraft der Stille“ lesen. Jeder kann lesen, was er will: man sollte nur wissen, dass dieser Autor und Kardinal ebenfalls theologisch rechtsaußen steht und einer der definitiven Feinde von Papst Franziskus ist. Ich habe über die Äußerungen Sarahs kürzlich einen Kommentar publiziert: Nur ein Zitat dieses Vatikan Kardinals: „Die Gender-Ideologie und der islamische Staat teilen beide denselben dämonischen Ursprung. Was der Nazismus und der Kommunismus im 20. Jahrhundert waren, das ist heute die westliche Homosexualität, die Abtreibungs-Ideologie und der islamische (!) Fanatismus“.

http://religionsphilosophischer-salon.de/?s=Kardinal+Sarah

Ob unser Autor auch diese Zeilen gelesen hat und dann Gott fand??

Und noch etwas sehr Wichtiges zum Schluss: Was ist in der Redaktion von „Christ und Welt“ los? Recherchiert man die Texte der Autoren nicht? Oder will man Rechtslastiges sanft unters Volk bringen? Schaut man da gar nicht mehr hin, wo die Autoren ihren Gott suchen und finden? Natürlich, kann man möglicherweise überall finden. Aber wenn man schon Gott in aller Schönheit und Stille ausgerechnet in Le Barroux findet, sollte man auch sagen: Ich habe den lieben Gott in einem Kloster gefunden, in dem sich theologisch wie politisch Mönche von der rechtsextremsten Seite treffen. Wahrscheinlich könnte dies dann zu einem Pilgerort für fromme AFD Anhänger und Pegida Seelen werden. Da könnte die deutsch – französische Freundschaft im Schatten von Petain, Maurras und Madiran ganz neue Aspekte bekommen. Es sind gefährliche Aspekte.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

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