„Der Papst sollte nach Darfur reisen“

20. Apr 2009 | von | Themenbereich: Befreiung

„Der Papst sollte nach Darfur reisen“
Benedikt XVI. besucht Afrika
Von Christian Modehn

Am Dienstag, am 17. März 2009, verlässt Papst Benedikt den Vatikan! Er wird für 5 Tage nach Afrika reisen. In Angola will er die 500 Jahre dauernde Missionstätigkeit feiern. Und Yaoundé, die Hauptstadt Kameruns, besucht er aus Respekt vor Papst Johannes Paul II.: Er hatte dort vor 14 Jahren die Ergebnisse der ersten Römischen Afrika  – Synode vorgestellt. Sie sollte der Missionstätigkeit neuen Elan geben. Mit seiner Reise will Benedikt XVI. demonstrieren, wie wichtig auch ihm Afrika ist. In Kamerun wird er die Themen der nächsten Afrika Synode präsentieren, sie wird im Oktober wieder in Rom stattfinden. Die Frage nach der politischen und sozialen Gerechtigkeit soll im Mittelpunkt stehen. Christian Modehn berichtet.

„Die Globalisierung öffnet uns systematisch für die Welt, aber sie ist auch ein Herrschaftssystem, das den Schwächeren ausschließt. Wenn man die Grenzen in der globalisierten Welt öffnet, dann geht es nur um den Austausch von Waren. Für die Mehrheit der Menschen sind die Grenzen hingegen geschlossen. Die Globalisierung diskriminiert einen großen Teil der Menschheit. Die Menschen werden nicht als gleichwertig behandelt. In der Wirtschaft herrscht das Gesetz des Stärksten“.

Albertine Tshibilondi Ngoyi aus Kamerun ist über die gegenwärtige Unordnung der Welt empört. In ihrer Heimat kommt es immer wieder zu Aufständen hungernder Massen; die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 53 Jahren. Frau Tshibilondi  arbeitet als Philosophieprofessorin an der Katholischen Universität in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Seit 27 Jahren führt  Staatschef Paul Biya selbstherrlich das Land. Angebliche Hexen werden hier noch ganz öffentlich verfolgt und erniedrigt. Homosexuelle werden in großen Tageszeitungen an den Pranger gestellt. Victor Tonye Bakot, der Kardinal von Yaoundé, lobte diese öffentliche Hetzjagd ausdrücklich, den Betroffenen drohen Haftstrafen von 5 Jahren. Die klassische  Familie mit der Mutter am Herd und dem arbeitsamen Vater beschwört der Kardinal aus Kamerun als Norm: Darin entspricht er ganz dem Denken Benedikt XVI..  Afrikanische Priester, Theologen und Nonnen wünschen angesichts der verheerenden Auswirkungen von AIDS endlich ein kirchliches Ja zum Gebrauch von Kondomen. Aber sie haben ihre Zweifel, ob unter diesem Papst die Kirche Neues wagt und zu einer prophetischen – kritischen Stimme werden kann. Pater Aloysius Beebwa aus Uganda über den Benedikt XVI.:

„Ich sehe wirklich nicht, dass er ein besonderer Prophet ist. Er ist sehr scheu, sehr nach innen gekehrt. Ich denke, er sollte  am besten eine Reise nach Darfur im Sudan machen. Dann könnte er eine wirklich prophetische Botschaft verbreiten:  Er könnte sagen: Schaut nur, ich bin bei euch, und ich bringe die euch die frohe Botschaft Jesu Christi. Ich stehe zu euch! Und dann sollte er einigen Druck auf die politischen und ökonomischen Führer Europas und Amerikas ausüben, damit sie die Handelsbeziehungen gerecht gestalten. Auch auf die politischen Führer Afrikas sollte er Druck ausüben“.

Der Papst zu Besuch in Darfur, inmitten des lang andauernden Bürgerkrieges, bei dem schon 400.000 Menschen  umgekommen sind: Das könnte ein prophetisches Zeichen sein in einer Welt, die sich ans millionenfache Hungersterben gewöhnt hat. Zumindest sollte der Papst in Angola verlangen, dass der plötzliche Reichtum im Land, bedingt durch das „schwarze Gold“ Erdöl, gerecht verteilt wird. Afrikanische Priester haben radikale Vorschläge, auch zur Kirchenreform. Viele wünschen sich eine Aufhebung des Zölibatsgesetzes oder eigene Formen afrikanisch – katholischer Messen:

Afrikanische Katholiken wollen ihre eigene Kultur in der Kirche respektiert wissen, nicht nur die musikalischen Traditionen, sondern auch die Schätze ihrer philosophischen Weisheit und Poesie.  Aber der Vatikan möchte auch in Afrika die europäischen, abendländischen  Werte und Normen durchsetzen. Der Papst denkt ganz im römischen Rechtssystem. Und so haben auch in Afrikas Kirche die Frauen kein Stimmrecht, Laien gelten als Gehilfen des Klerus. Aloysius Beebwa:

„Wenn wir angemessen über Gerechtigkeit sprechen wollen mit den Menschen in diesem Kontinent Afrika, müssen wir begreifen: Ungerechtigkeit gibt es auch innerhalb der Kirche. In der Kirche gibt es eine Menge Ungerechtigkeit! Wir müssen z.B. unsere Vorstellungen von Macht aufgeben. Stattdessen müssen wir mehr auf den Dienstbereitschaft acht geben, auf die Begegnung und das Hinhören auf die Menschen“.

Ob Benedikt XVI. bei seiner Kurzreise wirklich Afrika kennen lernt, ist mehr als fraglich: Denn um den Menschen dort wirklich nahe zukommen, braucht man als Europäer viel Zeit, viel geduldiges Zuhören, viel Respekt vor der Lebensenergie der Menschen. Ohne wechselseitiges Vertrauens „geht in Afrika gar nichts“, heißt es in Kamerun.

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