Krise des Kapitalismus – buddhistische Vorschläge

17. Jul 2009 | von | Themenbereich: Interkultureller Dialog

LEBENSZEICHEN
Erleuchtet Wirtschaften
Buddhistische Antworten auf den Kapitalismus
Von Christian Modehn

Musik – Take, buddh. Musik, ca. 0 05″ freistehend. Dann herunterziehen:

1. SPR.:
Immer sanft und manchmal betulich, meist friedlich und selten politisch: So stellen sich viele Europäer den Buddhismus vor. Aber der Schein trügt. Die ethischen Weisungen Buddhas sind radikal:

1. O TON:  0 08″
Fördere das Wohl anderer. Und schau dir ganz genau an, was du tust. Im Sinne von: Welchen Samen säst du? Und dann überleg dir, welche Früchte wirst du ernten.

1. Musik – Take aus China, 0 03″  freistehend, herunterziehen:

1. SPR.:
Die „Ernte“ fällt kläglich aus:  Kriege, Hungersnöte, Umweltkatastrophen allerorten. Immer mehr Arme kämpfen in einer „florierenden“ Wirtschaft ums Überleben. Manche Buddhisten haben den Mut, dafür die entscheidende Ursache zu nennen:

2. O TON, 0 21″
Die moderne Ökonomie ist die Ökonomie des Liberalismus, wo man sagt: Das Individuum sorgt nur für sich selbst. Und die Bewegung der menschlichen Motivation ist die egoistische Motivation. Und das nun wiederum ist sozusagen die exakte Antithese dessen, was im Buddhismus gesagt wird.

1. SPR.:
Ihre wichtigste religiöse Erfahrung machen Buddhisten mitten in der Welt:
3. O TON, 0 05″
Das, was der Buddha sozusagen Erleuchtung genannt hat, das ist: Mein Wohl hängt am Wohl der anderen.

wieder hochziehen:
1. Musik – Take aus China, 0 03″  freistehend. herunterziehen:
ÜBERBLENDET IN:
2. musikal. Zuspielung, Buddhistische Litanei aus Thailand. freistehend ca. 0 07″

1. SPR.:
Ein Gesang, der viele hundert Jahre alt ist: Buddhistische Mönche vom Kloster Chiang Mai in Thailand wünschen allen Wesen Glück und Zufriedenheit. Wieder und wieder bitten sie um die rechte Erkenntnis, um Weisheit und Einsicht.

2. musikal. Zuspielung, Buddhistische Litanei aus Thailand. freistehend ca. 0 05″

1. SPR.:

Die wichtigste buddhistische Einsicht ist mehr als zwei ein halb tausend Jahre alt: Siddharta Gautama Buddha erkannte, dass unser Leben in der Welt vor allem Leiden ist, Schmerz, Krankheit, Elend, Angst. Er sah aber auch, dass es einen Ausweg, eine Erlösung, gibt: In der Meditation, im stillen Sitzen und beim Achten auf den Atem kann der Mensch die innere Harmonie, die Heilung des „Herzens“ erfahren. In einem geläuterten Bewusstsein hat alles Gute seinen Ursprung, auch gerechtes Wirtschaften. Die „innere Welt“ prägt letztlich die Gesellschaft. Darum wollen Buddhisten jetzt gezielt die Politik, vor allem auch die Wirtschaft, mit gestalten. Weltweit sammeln sich die Freunde des Erleuchteten in einer Bewegung, die „Engagierter Buddhismus“ heißt. Man könnte sogar von einer buddhistischen Reformation sprechen. Denn es werden ja nicht neue Lehren erfunden, sondern uralte Weisheiten aktualisiert. Der Buddha lehrte:

2. SPR. (Zitator):
Die unglücklich sind in der Welt, sie alle sind es durch das Verlangen nach eigenem Glück. Die glücklich sind in der Welt, sie alle sind es durch das Verlangen nach dem Glück der anderen.

1. SPR.:
Modern übersetzt: Der Mensch geht in die Irre, wenn er sich als den Mittelpunkt der Welt sieht, wenn er am krampfhaften Kult um das eigene Ich festhält. Davor warnen engagierte Buddhisten:

4. O TON, 0 41″
Es gibt drei Gifte, die unseren alltäglichen psychischen Prozess vergiften. Das erste ist die Gier, wir wollen etwas ergreifen, was man letztlich doch nicht festhalten kann. Wir grenzen uns ab gegenüber den Zugriffen anderer, und schlimmstenfalls wird es zum Hass. Wir negieren die gegenseitige Abhängigkeit aller Menschen. Und die dritte Sache: All dies beruht auf einer grundlegenden Unkenntnis über unsere psychische Struktur, über unser Ego. Und diese grundlegende Unwissenheit ist das Nichtwissen darüber, dass wir von der Natur abhängen, dass wir Menschen untereinander abhängen. Und wir tun so, als wären wir alle ein Ego, und haben so kleines Ego-Territorium und bauen ein Zäunchen drum herum.

1. SPR.:
Karl- Heinz Brodbeck ist seit vielen Jahren praktizierender Buddhist. Und er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften in Würzburg und Autor. In seien Büchern wendet er uralte Einsichten Buddhas auch auf die Wirtschaft an: Wer sein eigenes Ego, seine Gier, seine Machtgelüste,  nicht durchschaut, kann keine gerechte Wirtschaftsordnung schaffen:

5. O TON, 0 32″
Wir erkennen die unheilsame Wirkung:  Wer nur etwas mehr Geld verdienen will, der will immer noch mehr und immer noch mehr. Und aus dieser Haltung entstehen dann eben diese negativen Verhaltensweisen. Also muss man schon sagen, dass es gilt, hier mit einer kritischen Haltung gegenüber diesen Denkformen anzusetzen. Nichts gegenüber der Person, die sich so verhält. Denn diese Person lebt ja in einer Art Schleier, in einer Art Vernebelung des Bewusstseins. Sie wissen gar nicht um die unheilsame Konsequenz.

1. SPR.:
Karl – Heinz Brodbeck hat eine „Buddhistische Wirtschaftsethik“ veröffentlicht. Darin dokumentiert er auch Beispiele für diese „Vernebelung des Bewusstseins“ unter Wirtschaftsführern. Deren Sprache ist verräterisch: Etwa wenn Ausgegrenzte und Verlierer zum „Wohlstandsmüll“ deklariert werden. Oder wenn Manager „ihren Kampfeswillen und einen Killerinstinkt“ bewahren sollen. Die Tugend des Teilens nennt ein Spezialist für Wirtschaftsfragen die „Sünde gegen die Marktwirtschaft“.
Buddhisten sind geduldige Reformer. Das entspricht ihrer Tradition: Der „Weg der Mitte“ zwischen radikalen Lösungen, das Streben nach Harmonie ist ihr Programm. Wenn Buddhisten also Manager verändern wollen, dann nur durch das Argument, durch die Selbsterkenntnis, die Einsicht. Revolutionären Ideologien setzen sie eine Evolution des Bewusstseins entgegen. Der Buddha sagte:

2. SPR.(Zitator):
Was unheilvoll und verwerflich ist im Gedanken, führt zu Unheil und Leiden, wenn sich die Gedanken praktisch ausgestalten. Darum bleibt die Erkenntnis: Gebt diese unheilvollen Gedanken auf.

1. SPR.:
Aber unheilvolle Gedanken lassen sich nicht im Schnellverfahren bearbeiten oder gar vertreiben. Seelische Erneuerung braucht Zeit. In Berlin haben Arne Schaefer und Irmi Jeuther vor 3 Jahren ihre eigene buddhistische  Organisationsberatung geschaffen. Sie trägt den Titel „Lotus-Consult“. Der Name ist Programm, meint die Psychologin Irmi Jeuther:

6. O TON, Neue Länge: jetzt  1 05“.
Die Lotusblüte, und so ist es auch in den Überlieferungen, ist eine Blume, die sehr schön ist und auch für Reinheit steht. Und die aus dem Sumpf wächst, aus dem Schlamm, aus dem Schmutz. Und das steht dafür, dass in jedem von uns was ganz Reines steckt, das, was Gutes möchte für alle Wesen. Und nebenbei gibt es eine ganze Menge Konflikte, schlechte Eigenschaften. Trotzdem gibt es da einen Kern, der einfach rein ist und der was Gutes möchte. Und mit der Grundhaltung gehen wir mit den Menschen um und mit der Grundhaltung arbeiten wir.
Beim Wirtschaften normalerweise sagt man ja: Ich will für mich Gewinn haben. Und da muss ich in Konkurrenz treten mit anderen Unternehmen und ich muss dafür sorgen, dass ich besser bin und damit gleichzeitig mir auch wünschen, dass die anderen schlechter sind. Und wir gehen mit einer ganz anderen Einstellung da dran, wir sagen: Es gibt genug Ressourcen, dass es für alle reicht. Und wir können es uns durchaus leisten, Gewinn und Erfolg für alle zu wünschen.

1. SPR.:
Irmi Jeuther ist seit 20 Jahren praktizierende Buddhistin. Sie arbeitet als Beraterin und Coach im Lotus-Consult. Arne Schaefer, Buddhist und Diplompsychologe, leitet das Beratungszentrum.

7. O TON, 0 32″.
Wenn ich den Status Quo unserer jetzigen Gesellschaft nehme als Konsumgesellschaft, habe ich das Gefühl, wir sind einerseits, was materiellen Reichtum anbelangt, wirklich ein unglaublich reiches Land. Aber was andere Werte anbelangt, ein verarmtes Land. Wenn ich sage, an der Stelle möchte ich wirksam werden und ich möchte die Menschen ermutigen, nicht zu glauben, wenn sie anfangen zu teilen und großzügig zu sein und ihren Reichtum teilen, dass sie deswegen ärmer werden. Im Gegenteil, sie werden noch reicher werden, das ist eine andere Art von Reichtum, von dem wir heute keinen Begriff mehr haben.

1. SPR.:
Einen anderen Reichtum produzieren: Daran arbeiten buddhistische Ökonomen heute weltweit. Vor allem der US – Amerikaner Geshe Michael Roach hat dieses Thema mit Nachdruck in die Öffentlichkeit gebracht. Er gründete das „Enlightened Business Institute“, „Das Erleuchtete Wirtschafts – Institut“. Inzwischen kann man seine Vorschläge für „erleuchtetes Wirtschaften“  über Amerika hinaus auch in China, Südafrika, Kroatien und eben auch im Berliner Lotus Institut studieren. Das Konzept basiert auf einem Ausspruch des Buddha.

2. SPR. (Zitator):
Alles, was du tust, hat Auswirkungen auf dein künftiges Leben. Nichts bleibt folgenlos. Gutes Leben gibt es nur für den, der auch ethisch gut handelt.

1. SPR.:
„Nichts bleibt folgenlos“ – Ein Prinzip, das als kritische Frage formuliert werden muss: Wo handeln wir diesem Prinzip zuwider? Darüber diskutieren die Mitarbeiter von Lotus-Consult, wenn sie mit den Schwierigkeiten von Firmen und Betrieben konfrontiert sind.

8. O TON, 1 32″
Im Coaching geht es ganz oft darum: Ich habe gerade keine Kunden oder mir laufen die Kunden weg. Ich hab gerade große Schwierigkeiten, Geschäftsbeziehungen aufzubauen. An was kann das denn genau liegen? Dann geht es ganz oft darum, dass man möglicherweise oft durch sein Sprechen dafür gesorgt hat, dass Menschen auseinander kommen oder dass Menschen Streit haben. Und dann ist eine Aktivität, Menschen zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen und dafür zu sorgen, dass andere zusammenkommen mit dem Zusammenkommen auch Erfolg haben.
Wir arbeiten auch mit Leuten, die keine Arbeit haben.
In unserer Gesellschaft ist es so, wenn jemand gescheitert ist, wenn jemand keine Arbeit hat, dann ist es ein großes Problem im Selbstwertgefühl. Weil dieser Mensch ist praktisch nicht viel wert. Und das stimmt mit unserer Sichtweise überhaupt nicht überein, weil jeder Mensch ein ganz kostbares Wesen ist und viele kostbare Eigenschaften und Fähigkeiten hat, und geht es drum, zu schauen, sie bei sich zu entdecken und drauf zu schauen und zu überlegen, was kann ich damit machen, wie kann ich meinen Mitmenschen nutzen, auch wenn ich jetzt gerade mal keinen Job habe. Und da gibt es oft eine ganze Menge Möglichkeiten, die man da rausfinden kann. Und wenn jemand mal anfängt, so zu denken: Was kann ich jetzt aus meiner Situation tun, um anderen zu nutzen, dann kommt auch wieder Energie zustande und Kraft und Mut und dann gibt es auch gute Möglichkeiten, wieder Arbeit zu finden und Geld zu verdienen.

1. SPR.:
Buddhistische Wirtschaftsberater geben keine esoterischen Geheimtipps. Ihre Ethik ist rational geprägt, dem vernünftigen Argument verpflichtet. Selbst dem philosophisch Ungeübten verdeutlichen sie ihre Einsicht mit Beispielen aus dem alltäglichen Leben:

9. TON, O 46:
Alles, was ich tue, wirkt sich aus. Und wenn ich zu dieser Frau auf der Straße freundlich bin, wirkt sich das ganz sicher auf die Frau aus, und da glaube ich, brauchen wir das Potential an Freundlichkeit, das wir haben, auf keinen Fall unterschätzen. Und gleichzeitig wirkt es sich auch auf mich aus. Das ist der Kern der Sache. Jede Handlung, jedes Denken, jedes Sprechen von meiner Seite wirkt sich auf mich aus und wird konserviert als geistiger Eindruck und prägt dadurch mein Erleben, mein künftiges Erleben. Also: Jedes positive und heilsame Handeln verändert unsere ganze Welt. Wir schaffen uns unsere Welt und unser Leben dadurch, wie wir handeln und welches Denken und welches Sprechen wir pflegen.

1. SPR.:
Lotus-Consult berät auch Firmen, die nicht mit harten Ellenbogen oder im permanenten Gewinn-Streben wirtschaften wollen.  Ein Hamburger Kunde ist etwa die „Kommunikationsberatung Ludwig und Partner“. Die buddhistischen Unternehmensberater bestärken diese PR-Firma auf ihrem Weg einer sozial differenzierten Preispolitik. Auch in Zeiten wachsender Konkurrenz bietet die Firma kleinen, eher schwächeren  Interessenten ihre PR Dienste zu günstigen Konditionen an. Das Unternehmen leitet Beate Ludwig:

10. O TON, 026″
Wir wollen unsere Dienstleistungen oder unsere Fähigkeiten, die wir haben, auch wirklich denen zur Verfügung stellen, die sie gebrauchen können. So, und manch einer hat eben mehr Geld, der andere hat weniger. Es muss in Relation stehen, und es mehr klar definiert sein, was man davon erwarten darf. Aber das haben wir immer gemacht und  werden wir auch weiter machen. Wenn ich mich redlich benehme, wenn ich großherzig bin, wenn ich aufrichtig bin,  so kommt es dann auch zurück.

1. SPR.:
Gutes Tun zahlt sich garantiert aus, macht reich, auch wenn der materielle Gewinn nicht sofort zu spüren ist. In jedem Fall stellt sich seelische Harmonie ein, das Gefühl von Sinn, von Zufriedenheit.  Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft werden von buddhistischen Unternehmern nicht mit trauriger Opfermine geleistet, man jammert nicht über einen  „Verzicht“. Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft sind vielmehr das Klügste, was sie für ihr eigenes Fortkommen tun können. Denn Mitgefühl zahlt sich aus! Das ist der Grundsatz des „erleuchteten Wirtschaftens“. Dabei bedeutet Erleuchtung  nicht etwa mystische Verzückung oder überirdisches Erleben. Erleuchtung ist eher ein ungeschminkter Realismus, meint Arne Schaefer vom Berliner Lotus Consult:

11. O TON, 0 34″.
Was ich mit dem Geld mache, das ist das Entscheidende, oder welche Bedeutung ich ihm gebe, das ist das Entscheidende. Insofern ist Geld ein Zahlungsmittel, was allgemein anerkannt ist, natürlich. Aber die Frage ist: Was mache ich dann mit diesem Geld, das ist das Entscheidende. Wo kommt Geld her, wo geht Geld hin. Was kann ich dafür, dass Geld weiterhin zu mir kommt. Und wenn ich diese Frage gründlich untersuche, dass ich möchte, dass mein Erfolg anhält, dass es weiterhin fließt, dann werde ich zwangsläufig zu dem Aspekt kommen, dass ich teilen muss, dass ich mein Geld auch wieder weggeben muss, dass ich mein Geld auch an der richtigen Stelle wieder weggeben muss. Und dann wird es weiter fließen.

1. SPR.:
Eine Erfahrung buddhistischer Unternehmer klingt ungewöhnlich: Es lohnt sich, lukrative Angebote schon einmal auszuschlagen. Denn wer einen fetten Fisch auch mal von der Angel lässt, wird nachdenklicher, er konfrontiert sich und alle Mitarbeiter mit der Frage: Was wollen wir eigentlich mit unserer Firma bewirken? Die Unternehmerin Beate Ludwig:

12. O TON: 0 31″.
Wir hatten neulich auch eine Diskussion, da ging es um eine Ausschreibung von einer Centralen Marketing Organisation, und da war ein Projekt ausgeschrieben, und da ging es um Eier und Hühner, und zwar Käfighaltung. Und da haben wir dann gesagt, ja,  das wollen wir nicht, also werden wir uns da nicht bewerben, sondern wir würden lieber für glückliche Hühner arbeiten. Es muss eine gemeinsame Ausrichtung geben, es muss auch so eine Art Aura geben, dessen was wir alle gemeinsam wollen.

1. SPR.:
Oberstes Ziel buddhistischen Wirtschaftens bleibt es, die vom Egoismus beherrschte Wirtschaftsform in ein mitfühlendes Handeln zu verwandeln. Der Wirtschaftswissenschaftler und engagierte Buddhist Karl Heinz Brodbeck hat konkrete Vorschläge:

13. O TON, 0 27″.  Jetzt 0 47“.
Wenn ich mit Menschen aus dem Management zu tun habe: Dann  sage ich: Ich verlange nicht, dass er den Job aufgibt, es sei denn er ist Berufsmörder, dann würde ich sagen: Es gibt nur eine Lösung, gib deinen Beruf auf, die Waffen weglegen. Und auch einem Waffenhersteller würde ich sagen, es gibt nur eine Chance, mach die Fabrik dicht, denn das ist äußerst unheilsam, was du machst. Ja.
Es gibt viele Möglichkeiten bei alternativen Entscheidungen eine zu wählen: Ich tu ein bisschen mehr für meine Mitarbeiter. Ich bringe etwas mehr Fairness rein. Ich beachte, dass immer noch Frauen diskriminiert werden. Ich achte darauf, dass  bei einer Verwendung von Produkten aus anderen Ländern, dass da nicht Kinderarbeit dahinter steckt. Man kann durch etwas Achtsamkeit viele kleine Veränderungen vornehmen, wenn jemand jetzt nicht bereit ist, sich großartig zu engagieren.

1. SPR.:
Achtsamkeit ist die Voraussetzung  für erleuchtetes Wirtschaften. Hell -waches, selbstkritisches Bewusstsein: Das ist Achtsamkeit. Sie ist die Aufmerksamkeit auf das, was um mich herum geschieht, was die anderen Menschen denken und tun. Es gilt auch das  „Achten – Auf“ mein eigenes Denken und Handeln zu schulen: Behüte ich und pflege ich die Dinge, die wertvoll sind und geschützt werden müssen?

14. TON, 0 50″.
Ich arbeite sehr viel zusammen mit einer Software Firma, die in Kärnten ansässig ist und dort propagieren sie alternative Investments. Jemand will Geld anlegen, jemand will nicht auf Rendite verzichten, dann kann man sagen: Dann investiere wenigstens in solchen Bereichen, wo ich sicher sein kann, dass man keinen allzu großen Schaden anrichtet. Man investiert nicht in die in die Waffenindustrie, man investiert nicht in Firmen, die exzessive Tierversuche machen, wo Frauen diskriminiert werden, wo Kinderarbeit ist. Allein diese Negativ-Abgrenzung bringt schon. Und der Anleger, der so was tut, verzichtet evtl. auf 1 –  2 Prozentpunkte. Andererseits aber hat er das Gefühl, ich mein Geld so angelegt, wo die Sache auf eine Art arbeitet, wo der Schaden, der angerichtet wird, nicht allzu groß ist.

3. musikal. Zusp., Klangschalen, ca. 0 07″ freistehen lassen

1. SPR.:
Wer einen anderen Geist in seinem Betrieb durchsetzen will, braucht seelische Reserven. Das wissen die Mitarbeiter vom Berliner Lotus-Consult. Sie wollen zwar mit ihrer Firma keine buddhistische Mission betreiben, geben aber auf Anfrage gern Hinweise für eine spirituelle Neuorientierung.

15. O TON, 0 26″.
Was wir unseren Klienten empfehlen, ist es tatsächlich, eine Struktur sich am Tage zu geben, wo sie die Möglichkeit haben, Achtsamkeit zu üben, darüber zu reflektieren, bin ich mir eigentlich im Klaren darüber, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen. Und bin ich mir eigentlich im Klaren darüber, wie ich meine Werte lebe. Das kann die Stille Meditation sein, täglich 10- 15 Minuten. Was wir dazu empfehlen, ist auch eine Körperübung, sei es Yoga, sei es Taichi.

1. SPR.:
Buddhistischen Ratschläge klingen manchmal ähnlich wie die alten Empfehlungen der christlichen Gewissenserforschung: Wer ein neues, ein ethisch – wertvolles Wirtschaften einübt, sollte sich regelmäßig Rechenschaft geben über seine guten und seine schlechten Taten:

16. O TON, 0 27″.
Es ist ein Hilfsmittel, was wir das Malbuch nennen, es ist ein Notizblock, wo wir sechs mal am Tag schauen, was habe ich denn z.B. um das Wohl anderer zu fördern an diesem Tag Positives getan. Und an welcher Stelle habe ich vielleicht dieses Prinzip nicht so sehr beachtet. Und was möchte ich heute noch tun, damit ich an der Stelle nachsteuern kann. Wir werden tatsächlich eine andere Welt erleben, wenn wir dies konsequent üben.

NEU Musik zur Meditation, INSGES. 1 34“!!!
schon in den O TON vorher etwas reinziehen. Dann 0 06“ freistehend,
dann wieder reinziehen in folgenden O TON

17. O TON, NEU 0 48“.
Diese geistige Übung ist wirklich etwas, was Buddhismus auszeichnet. Und die Leiderfahrungen sind auch notwendig.
Unser Zen – Meister hat immer gesagt: Eine schlechte Situation, ist eine gute Situation, weil wir anfangen uns zu hinterfragen, was unserer Gewohnheiten sind, wie wir unser Leben leben.
Und wenn ich an dem Punkt bin, dann halte ich inne, und das ist entscheidend. Es geht darum, die Dinge anzunehmen, sie zu akzeptieren, was nicht heißt: Dinge nicht zu verändern, die ich verändern kann. Das ist ganz wichtig. Es geht um ethische Verantwortung, es geht darum, einerseits darum eine Erkenntnis, Erfahrung zu machen, aber eben auch daraus verantwortlich zu handeln. Ich werde es lernen, dass mein persönliches Glück nur möglich ist, indem andere Menschen in meinem Umfeld glücklich sind. Anders geht es nicht.

NEUE MUSIK wieder einblenden, ca. 005“ freistehend.

1. SPR.:
Auch wenn die jüdisch-christliche Tradition, eine der Grundlagen unserer Zivilisation, die Verehrung des Goldenen Kalbes, des Mammons und des Wuchers als Sünde vehement abgelehnt hat: Unsere kapitalistische Form
des Wirtschaftens ist nun einmal vom Geld und Geldgewinn geprägt. Kann aus buddhistischer Sicht der Profit ethisch akzeptabel sein? Darüber wird unter den Freunden des Erleuchteten diskutiert. Wer Unternehmen berät, um sie erfolgreicher zu machen, wird wohl kaum prinzipiell immer größere Gewinne verteufeln können. Und so vertritt Arne Schaefer vom Lotus-Consult  auch eine eher großzügige Position:

18. O TON, 0 22″
In unserem Sinne erfolgreich, heißt auch am Geschäft erfolgreich zu sein, weil nur ein gesundes Unternehmen, was auch erfolgreich ist, kann wiederum auch andere Menschen erfolgreich machen. Je stärker ein Unternehmen wächst, sei es in Umsatzahlen, sei es in Mitarbeiterzahlen, da ist nichts verkehrt dran. Wir arbeiten daran, die Menschen zu unterstützen, dass sie so erfolgreich sind. Die Frage ist immer, was ist der Weg, der sie dazu führt. Und der sollte niemals auf Kosten anderer Menschen oder unserer Umwelt gehen.

1. SPR.:
Mit anderen Worten: Du darfst Gewinne erzielen. Nur eine Bedingung muss erfüllt sein: Die Methoden deines Geld-Verdienens müssen ethisch einwandfrei sein. Diese Position finden einige andere engagierte Buddhisten zu liberal. Der Ökonom Professor Karl Heinz Brodbeck schreibt:

2. SPR. (Zitator)
Das Geld ist wesentlich nur die Art und Weise, wie wir unsere gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit gestalten und abwickeln und wie wir unsere Tauschprozesse organisieren. Aber in einer Gesellschaft verblendeter Menschen, die nur der eigenen Gier gehorchen, wird Geld zum Wert, sogar zum höchsten Wert, der unter allen Umständen Respekt verlangt. Geld wird zum Gott, zum obersten Wert, dem alle Opfer gebracht werden. Die  permanente Vermehrung des Geldes wird zum obersten Ziel allen Lebens.

1. SPR.:
Die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen gehorchen offenkundig der Grundstruktur menschlicher Gier. Das Magazin „Der Spiegel“  beschrieb unlängst, wie Internationale Finanzinvestoren riesige Firmen, ja ganze Wirtschaftszweige aufkaufen, auch in Deutschland. Vor allem Milliardäre, so der „Spiegel“,  investieren dafür in sogenannte Hedge-Fonds:

2. SPR. (Zitator):
Diese Fonds sollen aus dem vielen Geld der Milliardäre noch mehr machen, noch viel mehr. Mindestens 20-prozentige Renditen gehören bei diesen Fonds zum guten Ton. Im Jahr 2006 dürften die Internationalen Finanzinvestoren  Firmen im Wert von 600 Milliarden Dollar aufgekauft haben, darunter auch ganze Straßenzüge mit Wohnungen.

1. SPR.:
In den meisten Fällen sind die Zukäufe der Finanzinvestoren für die betroffenen Bewohner oder die Angestellten der aufgekauften Firmen von Nachteil.  Mieter müssen sich auf kräftige Preiserhöhungen gefasst machen, Arbeitern und Angestellten droht die Entlassung. Nur die Finanzinvestoren werden scheinbar glücklich dabei: Aber auch hier gelten Buddhas Sätze:

2. SPR.:
Nichts bleibt folgenlos. Gutes Leben gibt es nur für den, der auch ethisch gut handelt.

1. SPR.:
Die Führer der großen Religionen haben zu neuesten Phänomenen maßloser Gier noch nicht laut und deutlich Stellung bezogen, meint der Wirtschaftswissenschaftler Karl – Heinz Brodbeck,:

19. O TON
Spekulanten, die wirklich in dieser ganz knallharten Motivation sagen:
Wir schlachten ein Unternehmen aus, wir übernehmen die, dann werden Leute entlassen. Ohne Skrupel, das ist eine Haltung, die tatsächlich nur mit einer Terminologie des Kriminalrechts zu umschreiben ist. Es ist eine besondere Art von Verbrechen, die aber bei uns mit dem Nadelstreifen und mit der Hochglanzbroschüre dargestellt wird als eine kluge Form des Investments. Davon müssen wir wegkommen.

1. SPR.:
Die große Gier wird angefeuert von der Ideologie des permanenten Wirtschaftswachstums. Sie wird längst als „absolute Tatsache“ propagiert, die wir hinzunehmen hätten! Auch dagegen wehren sich erleuchtete Ökonomen wie Brodbeck.  Sie betonen: So wie die erwachsenen Menschen und die lebendige Natur nicht immer weiter wachsen können, so kann auch ein ökonomisches System nicht endlos weiter expandieren. Denn die Konsequenzen des permanenten Wirtschaftswachstums sind nicht mehr zu übersehen: Natur-Katastrophen, Mangel an Trink – Wasser, Niederbrennen tropischer Wälder usw. Aber was können Europäer tun, wenn sie sich auch für ärmere Länder  einen besseren Lebensstandard wünschen?

20. O TON  0 48″
Wenn jetzt diese Länder in Form in Form einer nachholenden Industrialisierung wachsen müssen, wachsen heißt dann dort ganz einfach, lebensnotwendige Dinge aufzubauen, Schulen, Straßen, elementare Nahrungsmittelversorgung und solche Dinge: Dann bedeutet das: Der dort notwendige Mehreinsatz von Ressourcen muss in europäischen Ländern generiert werden durch Ersparnis von Ressourcen, die Ressourcen, die wir haben viel effizienter nutzen, dass was frei wird, dass wir dann diesen Ländern auf dem Wege eines Transfairs oder einer gemeinsamen Planung zukommen lassen. Das wird natürlich nicht möglich sein in einer Ökonomie, deren Leitstern die Rendite ist, deren Prinzip der Individualismus ist, darüber habe ich keinerlei  Zweifel.

4. Musikal. Zuspielung, ca. 0 07″ freistehen lassen.

1. SPR.:
Buddhisten halten eine andere Welt für möglich, weil sie der Menschheit immer noch den Gebrauch der Vernunft zutrauen! Deswegen fordern sie unermüdlich eine ethische Neu-Orientierung. Ein globaler Ansatz in einer globalisierten Welt – ein buddhistischer Lebensentwurf mit universalem Anspruch.  Der Unternehmensberater Arne Schäfer:

21. O TON, 0 25″.   JETZT 0 42“
Uns geht es um Erfüllung, und Erfüllung ist für mich, einmal natürlich: Das zum Leben zu haben, was ich brauche, um wirklich leben zu können. Aber auch in einer Umwelt zu leben, die Frieden und Mitgefühl lebt. In der ich mich wirklich geborgen fühle, wo ich nicht Angst habe, dass der Nachbar mir einen Prügel über den Kopf zieht, weil er neidisch ist oder weil es ihm nicht zu gut wie mir. Sondern wo ich mit dem Nachbarn Arm in Arm an einem Tisch sitze und wir gemeinsam die Ernte genießen, die wir eingefahren haben.
Der Buddhismus an der Stelle ist für mich eine Weisheits –  Lehre, die sicherlich heilsam ist. Aber ich würde es nicht auf den Buddhismus allein begrenzen wollen. Was wir da lehren, ist letztendlich nichts, was der Buddhismus für sich gepachtet hat, sondern wir wollen Kongruenz, also Menschen, die mit ihren Werten hundertprozentig übereinstimmen und sich dessen bewusst sind, was sie tun in ihrem Leben.

1. SPR.:
Wer als Buddhist an dieser gerechteren Welt arbeitet und dabei die Hoffnung nicht aufgibt, der ist bereits selbst schon „erleuchtet“. Er erkennt: Im Alleingang kann niemand dieses Projekt weiterbringen. Der buddhistische Wirtschaftswissenschaftler Karl Heinz Brodbeck:

22. O TON, 1 13″.  Jetzt 1 55“.
Ich kann unmöglich aus meiner Perspektive, die ja auch nur ein Teil, ein winziger Teil,  einer großen Kommunikationsgemeinschaft ist, sagen: Aus meinem Erkenntniszentrum heraus kann ich die  Welt retten. Das ist unmöglich, das würde auch nie ein Buddhist behaupten. Man kann nur in dem lokalen Bereich, in dem man tätig ist, Empfehlungen geben. Das heisst, für mich auch in der Sparte, in der ich tätig bin, in der Ökonomie, kann ich kritisch unterwegs sein und meine Ökonomen Kollegen immer wieder und wieder darauf hinweisen, dass viele ihrer Voraussetzungen nicht funktionieren. Um eine Parole der Globalisierungskritiker aufzugreifen: Streue Sand ins Getriebe der Wissenschaftsmaschinerie. Ich weiß durchaus um meine Grenzen, die mir gegeben sind. Aber man darf nicht erwarten, dass ein Mensch die Lösung vorschlagen kann. Das ist mir wichtig. D.h. Ich sehe mich genau um, wo um mich herum passieren Alternativen. Man könnte auf viele globalisierungskritische Bewegungen hinweisen, auf Initiativen von Kirchen, von anderen religiösen Gruppen. Ich glaube, daraus könnte insgesamt, wenn sie sich verständigen, wenn wir den interreligiösen Dialog hinkriegen, dann könnte daraus insgesamt eine Gesamtbewegung entstehen. Wenn man die Religion an ihre Wurzeln erinnert. Wenn man den Islam daran erinnert, dass im Koran ein Zinsverbot steht, wenn man die katholische Kirche wieder daran erinnert, dass sie mal so etwas wie eine Wucherkritik ausformuliert hat als wissenschaftliche Theorie. Und wenn man andere religiöse Traditionen auf ähnliche Vermächtnisse ihrer eigenen reichen Kultur hinweist. Dann glaube ich können aus vielen solchen Quellen vielleicht Dinge erwachsen, die die gesamte, die globale Entwicklung langfristig verändern.

EVTL. hier noch mal die neue Musik, vor 17. OTOn,. Ins Ende des O Tons reinziehen! Un noch mal freistehen lassen für die ABSAGE:

STOP:

www.lotus-consult.de mit dem Hinweis:
rof. Karl-Heinz Brodbeck:
www.khbrodbeck.homepage.t-online.de

Ohne Kommentar.