Artikel mit Stichwort ‘ Bat Ye Or ’



Die AFD und der Front National, Frankreich

6. Mai 2018 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Gott in Frankreich, Termine, Theologische Bücher

Hinweise von Christian Modehn nicht nur anläßlich des Katholikentages in Münster

Dieser Beitrag zeigt:

Die Verbindungen zwischen Katholiken und rechtsextremen Gruppierungen und deren Ideologien sind in Frankreich sehr viel ausgeprägter als in Deutschland. Das ist hier kein Grund zum Jubeln, sondern nur eine Art Mahnung: Was in Frankreich heute in weit verzweigten rechtsextrem – katholischen Netzwerken geschieht, kann bald auch in Deutschland (oder Österreich, der Schweiz usw.) bestimmend werden. Dabei ist historisch vorausgesetzt: Rechtslastiges und rechtsextremes Denken spielt im französischen Katholizismus seit der Französischen Revolution eine ungebrochen große Rolle. Der Kollaborateur Marschall Pétain etwa verstand sich als praktizierender Katholik. Und viele Bischöfe standen an der Seite Pétains. Die Résistance war bekanntlich nur die Sache einer Minderheit, von linken Katholiken, Sozialisten und Kommunisten.

Die freundschaftlichen Verbindungen zwischen der AFD und der rechtspopulistischen, rechtsradikalen Partei Front National sind spätestens seit dem Treffen dieser Parteien in Koblenz im Januar 2017 evident. Deutschland ist anders als Frankreich. Aber leidenschaftliche Verteidiger der Demokratie mit aller Hingabe zugunsten der Menschenrechte sind bekanntlich hier eher die Ausnahme.

Im Umfeld des Katholikentages von Münster im Mai 2018 wird viel über die „Christlichkeit“ der AFD und ihrer Grundsätze diskutiert. Immerhin haben bei der Bundestagswahl 2017 zehn Prozent der Christen in Deutschland die AFD gewählt; sie glaubten also, in der AFD auch ihrer Kirchlichkeit Ausdruck geben zu können. Viele kritische Beobachter sprechen hingegen treffend vom Verachten explizit christlicher Grundsätze im Parteiprogramm der AFD. Vor allem im verbalen Umgang dieser Politiker (und deren oft rabiater Anhänger) mit politischen Gegnern bzw. Feinden ist wenig von Toleranz und selten etwas von vernunftgesteuerter Debatte zu spüren. Toleranz und Vernunft sind bekanntlich die ins Weltliche, in Humanistische, übersetzten Prinzipien einiger Weisheits – Lehren Jesu von Nazareth. Menschenrechte als unantastbare Basis des Zusammenlebens haben humanistische Wurzeln, sind aber auch christlich inspiriert, aber das nur nebenbei.

Diese Debatten über die (Un)Christlichkeit der AFD wirken relativ“ milde“, wenn man an die Bindung von Katholiken an rechtsradikales Denken und rechtsradikale Parteien in Frankreich denkt.

Ich nenne einige Aspekte im weiten Netzwerk rechtsextremer Katholiken und deren Ideologien.

1.Rechtsextreme Katholiken in Frankreich sind – seit langem – sehr zahlreich. Soziologen unterscheiden in Umfragen zwischen den so genannten praktizierenden und den nicht mehr an Gottesdiensten teilnehmenden Katholiken: Beim 2. Wahlgang zur Präsidentenwahl 2017 haben 38 Prozent der praktizierenden (!) Katholiken für die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen gestimmt! (Quelle:http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2017/article/2017/05/09/les-catholiques-pratiquants-ont-vote-le-pen-a-38_5124530_4854003.html).

Diese Kreise benutzen jetzt die Ermordung des greisen Priester Jacques Hamel während der Messe in St. Etiénne du Rouvray bei Rouen am 26. Juli 2016 durch zwei islamistische Mörder des IS als Beweis für die Schwäche des französischen Christentums: Das Bild wird verbreitet: Der uralte Priester inmitten einer winzigen Gemeinde alter Menschen, die dem bedrohten Pfarrer nicht beistehen konnten. Es gibt eine katholische Gruppe mit dem Titel „Optimum“, die der katholischen charismatischen Bewegung Emmanuel nahe steht (sie ist auch in Deutschland sehr aktiv). Der „Optimum“ Gründer Gabriel Morin sagte im Zusammenhang der Ermordung des greisen Priesters: „Der Islam entwickelt sich bei uns, weil uns die Männlichkeit (virilité) fehlt. Die Muslime fragen uns: Warum sei ihr Christen nicht stärker? Sie können unsere Resignation/Schwäche nicht verstehen“. Dahinter verbirgt Gabriel Morin die Behauptung: Die Katholiken „müssen die Weichheit und Weiblichkeit aufgeben und männlicher und stärker werden, um dem Werben des Islams in Frankreich zu widerstehen“, so deutet der Politologe Jérome Fourquet in seiner neuesten Studie „à la droite de Dieu“, Paris 2018, S. 46, diese Aussage des „Optimum“ – Gründers. Er organisiert für Männer eine Art Sommerlager, damit diese wieder die Stärke ihrer (selbstverständlich) heterosexuellen Männlichkeit entdecken und pflegen. Diese Sommerlager mit der Männlichkeitsschulung stammen ursprünglich aus evangelikalen Kreisen der USA, aber sie finden in Frankreichs rechtslastiger katholischer Kirche Zuspruch (siehe: https://psyzoom.blogspot.de/2016/12/des-catholiques-veulent-rendre-leglise.html)

2. Die „starken katholischen Männer“ sollen sich gegen die sehr männlichen, aber als aggressiv wahrgenommenen islamischen Männer und ihr missionarisches Werben behaupten: Dies ist auch das Ziel des Vereins „Pater“, gegründet von Pfarrer Simon Chouanard: „Gott (der katholische Gott, CM) will nicht freundliche Knaben; er will (echte) Männer“. Dies ist das Motto seines Vereins. Selbstverständlich tritt der Verein „Pater“ (Vater) für die Trennung der Geschlechter in der Erziehung ein. In entsprechenden „Lagern“ (camps-retraites) werden junge Männer den Initiationsriten unterzogen. Von dieser Idee ließ sich der allgemein als reaktionär eingeschätzte Bischof von Toulon, Dominique Rey, Mitglied der in Frankreich mächtigen charismatischen Bewegung Emmanuel, begeistern: Er veranstaltet „Sommerlager der Virilität“ seit 2014 in seinem Bildungshaus in Sainte Baume, Département Var. Nebenbei: Über Bischof Rey wurde schon vieles publiziert: Ich habe kürzlich geschrieben: Dem Front National eher zugeneigt ist neben anderen Bischöfen vor allem Dominique Rey vom Bistum Fréjus-Toulon: Im August 2015 hatte er die FN Politikerin Marion Maréchal-Le Pen zu einer Akademieveranstaltung nach Sainte-Baume eingeladen. Dort konnte sie ungehindert ihre Ideologie kurz vor den Regionalwahlen verbreiten: Für den FN stimmten dann in der Provence und Umgebung 45 % aller Wähler. „Bischof Rey hat auch zur Banalisierung des FN beigetragen“, schreibt treffend der Theologe Christian Terras Quelle: http://religionsphilosophischer-salon.de/9039_die-rechtsradikale-partei-front-national-und-marine-le-pen-sprechen-von-christlichen-wurzeln-europas-hinweise-auf-gefaehrliche-propaganda_religionskritik

3.Diese katholischen Initiativen zur Stärkung einer militanten katholischen Männlichkeit sind eng verbunden mit der seit Jahren bestehenden katholisch geprägten Massenbewegung „La Manif pour tous“, also der landesweiten Massen – Demonstrationen gegen die so genannte Homo-Ehe. Das Gesetz für die Homo-Ehe wurde vom Parlament im Mai 2013 beschlossen; aber die Proteste gehen weiter und haben das ganze Land aufgewühlt und gezeigt: Wie viele Massen von rechtslastigen katholischen Organisationen auf die Straße zur Demo gebracht werden können. Auf diese Weise wurde die Hetero- Ehe sozusagen neben Gott und der Kirche zum obersten Wertund Halbgott für Katholiken. Mit all der üblichen Abwehr von Gender – Akzeptanz! Die „heilige Hetero – Familie“ mit der Frau in der Küche erlebt nicht nur unter Frankreichs Katholiken einen Boom.

4.Selbstverständlich gibt es auch eigene katholische Vereine und Ordensgemeinschaften, die sich ausdrücklich um die Bekehrung der Muslims zum katholischen Glauben bemühen. Am 4. Februar 2017 fand etwa in der Gemeinde Notre Dame de Bellecombe von Lyon ein noch eher geheimes Treffen statt unter dem Thema: „Jesus der Messias. Wie kann man sich bilden, um die Frohe Botschaft Christi den Muslims zu verkünden“. Dabei waren Konvertiten aus dem Islam, wie etwa der bekannte Mohammed Christophe Bilek, 66 Jahre alt, er stammt aus Algerien und ist der Gründer des Vereins „Unsere liebe Frau von Kabylien und die Mutter Quabel“. Ausdrücklich wird angesichts der angeblichen totalen Bedrohung durch den Islam in Frankreich das Recht verteidigt, dass Muslime Christen werden sollten. Gegen Religionsfreiheit und freie Wahl der Konfession ist überhaupt nichts zu sagen! Auffällig ist nur der Rahmen, in dem für Konversionen aus dem Islam geworben wird! (vgl. die entsprechende Werbung: http://www.eleutheros.eu/prier/priere-du-dimanche-de-la-communion).

Und es bilden sich immer mehr Gruppen, die speziell die Muslims bekehren wollen, wie die „Kleinen Brüder und kleinen Schwestern vom Lamm“ (sic!) oder die Gemeinschaft Rocher, die betont: „Die Banlieue (mit ihren zahlreichen islamischen Bewohnern) ist eine unglaubliche Chance für die Evangelisierung“, so Cyrill Tisserand, Gründer von „Le Rocher“. Mit anderen Worten: Es setzt sich unter Katholiken die Meinung durch: Nur ein bekehrter Muslim ist ein akzeptabler Muslim, weil er dann „ungefährlich“ ist.

5.Auf der Linie der Werbung für Konversionen liegt auch der Orden „Missionare des göttlichen Erbarmens“, von Pfarrer Loiseau vor 12 Jahre gegründet, bezeichnenderweise hat dieser Orden mit vielen jungen Mitgliedern sein Zentrum im Bistum von Bischof Rey von Toulon. Pfarrer Loiseau betont: „Der Islam hat immer von Situationen profitiert, in denen das Christentum sehr schwach und gespalten war. Deswegen ist es eine Pflicht für Katholiken, den Islam als eine missionarische Priorität anzusehen“ (zit. aus dem Buch von Fourquet, Seite 50). Dieser Ideologie folgend will „der“ Islam will also wieder Europa erobern, eine Ideologie, die vor allem von der viel schreibenden jüdischen Autorin Bat Ye Or (Pseudonym für Gisèle Littmann) in zahlreichen Publikationen verbreitet wird, diese finden in reaktionären Kreisen heftige Begeisterung. Der norwegische Massenmörder Anders Breivik war, nebenbei gesagt, ein eifriger Leser von Bat Ye Or. Einige ihrer Bücher sind auch auf Deutsch erschienen. Ich habe über die Ideologie von Bat Ye Or schon mehrfach publiziert (http://religionsphilosophischer-salon.de/?s=bat+ye+or).

6.Von daher gibt es ein leidenschaftliches Interesse rechtslastiger und rechtsextremer Christen für die heute verfolgten Christen in den islamischen Ländern. Dabei wird unterstellt: Wenn die Katholiken nicht aufpassen, wird auch bald in Frankreich und in Europa das Christentum von Muslims verfolgt. Die Ermordung des greisen Priesters Hamel dient dabei als Beleg. Komisch nur, dass Katholiken und Kirchenführer darauf reinfallen und Pater Hamel am liebsten im Schnellverfahren selig und heilig sprechen wollen. Selbst Papst Franziskus nennt den greisen Priester Hamel sehr vorschnell, bloß weil er von Islamisten ermordet wurde, einen Seligen (Quelle: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/franziskus-nennt-jacques-hamel-einen-seligen). Es wird nun eine neue rechtsextreme Ideologie verbreitet: In der Gesellschaft würde, durch Muslims vor allem eine „Christianophobie“ erzeugt, gegen die es sich katholischerseits zu wehren gilt. Es erstaunt darum nicht, dass Bernard Antony, ein rechtsextremer Politiker, lange Jahre führendes Mitglied in der Partei Front National, nun eine „Allgemeine Allianz gegen den Rassismus (gemeint ist der Rassismus gegen die Christen!) und für den Respekt der französischen und christlichen Identität“ (AGRIF abgekürzt) gegründet hat. Dieser rechtsextreme katholische Verein steht wiederum in enger Verbundenheit mit dem katholischen Club „Civitas“ von Alain Escada, er ist mit den erz-katholischen Traditionalisten nahe. Escada hat die Demos gegen die Homo- Ehe heftig mit organisiert. Seit 2007 gibt es sogar ein „Observatorium der Christianophobie“, finanziert von Guillaume de Thieulloy, einem Philosophen, der in seinem eigenen rechtsextremen Verlag die „Erinnerungen“ des Gründers des rechtsextremen Front National, Jean Marie Le Pen, als Buch herausgegeben hat. Ein toller Verkaufserfolg übrigens! De Thieulloy ist zudem mit dem ebenfalls rechtsextremen und sehr mobilen Club dem „Salon beige“ (also hell braun) verbunden.

7.Es ist evident: Es bildet sich in Frankreich ein breiter Strom rechtsradikalen Denkens und Agierens unter den Katholiken. Man spricht etwas zu milde von einem „christlichen Populismus“ (siehe das Buch von Fourquet, Seite 54).

8.Die Rechtsextremen und mit ihnen die rechtsextremen Katholiken instrumentalisieren das tatsächliche Leiden vieler Christen in der islamischen Welt für ihre eigenen innenpolitischen Zwecke. An vorderster Stelle ist da die Organisation „SOS Chrétiens d Orient“ zu nennen, gegründet von Leuten, die aus dem Umfeld der Partei Front National stammen, wie die objektive katholische Wochenzeitung La Vie, Paris, am 4. Januar 2017 nachgewiesen hat (zum Ganzen: https://fr.wikipedia.org/wiki/SOS_Chr%C3%A9tiens_d%27Orient). Mit dieser rechtslastigen SOS Organisation arbeitet auch das sehr katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (vom „Speckpater“ gegründet) in Frankreich zusammen. Man veranstaltete gemeinsam eine Nacht des Gebets (ausgerechnet) im „Invalidendom“ zu Paris, berichtete die Tageszeitung La Croix am 23.6.2016. Dieses SOS – Hilfswerk arbeitet in mehreren Ländern, etwa in Syrien, im Irak…und entsendet auch Freiwillige. Selbst der offizielle Vertreter des offiziellen bischöflichen Hilfswerkes für die Kirche im Orient, Prälat Pascal Gollnisch, beschwerte sich über diese rechtsextremen SOS – Leute, er warnte ausdrücklich vor den Verbindungen zur Partei Front National und zu ihrer Verteidigung mit Bachar el Assad.

9.Es wäre weiter zu berichten über die Publikationen, die die hier genannten Ideen/Ideologien verbreiten, etwa die Wochenzeitungen „Valeurs actuelles“ (Auflage 163.000) oder sogar „Famille Chrétienne“ (Auflage 55.000). Es ist bezeichnend, dass der Chefredakteur von „Famille Chrétienne“, Samuel Pruvot, am 5. 6. 2017 in „Figarovox“ schrieb: „Das Gefühl herrscht vor, dass das Christentum dabei ist zu verschwinden. Dann kommt zweitens hinzu: Die wachsende Religion ist von nun an der politische Islam unter seiner radikalsten Gestalt“. Angst machen vor „dem“ Islam: Darin kommen rechte Katholiken und rechtsextreme Parteigenossen und Wähler überein.

10.Es wäre weiter zu sprechen über Bischöfe, die explizit politische wie theologisch reaktionäre Positionen beziehen, von Bischof Rey von Toulon war die Rede, über ihn habe ich vielfach publiziert. Interessant ist auch die Position des einstigen Militärbischofs und jetzigen Erzbischofs von Straßburg, Luc Ravel, der Positionen vertritt, die denen von Bat Ye Or nahe stehen (Quelle: http://religionsphilosophischer-salon.de/?s=Bischof+in+Stra%C3%9Fburg+)

11.Es wäre weiter zu berichten von den Klöstern, die ursprünglich traditionalistisch orientiert waren und damit der Le Pen Partei nahe standen. Die nun aber mit Rom offiziell versöhnt sind, aber die uralte Theologie und die Vorliebe fürs politisch Rechtsextreme bewahrt haben, man denke nur an Le Barroux, dessen heutige Abt Dom Louis Marie de Geyer d Orth explizit den bekannten rechtsextremen Journalisten Jean Madiran lobte. Und er erklärte: „Der Islam kann an sich nicht eine Chance für Frankreich sein. Der Islam ist in Frankreich zu integrieren“. (Quelle: https://www.lesalonbeige.fr/pere-abbe-du-barroux-la-montee-de-lislam-ne-peut-pas-etre-une-chance-en-soi-pour-la-france/). Sein Vorgänger, Dom Calvet, war tief verwurzelt in rechtsextremen Kreisen, auch noch nachdem ihn Kardinal Ratzinger wieder von den Lefèbvre Bindungen befreite und offiziell mit Rom versöhnte…

12.Zusammenfassend: Es gibt bis heute auch unter Frankreichs praktizierenden Katholiken eine breite, offenbar stabile sehr rechtslastige und meist rechtsextreme Bewegung: Sie tritt ein für die Nation, den Stolz auf Frankreich als Nation, die Abwehr der Fremden, vor allem der Muslims und der Flüchtlinge. Sie tritt ein für das alte klassische römisch katholische Kirchenmodell mit der Führung durch die Bischöfe, sie tritt ein für das alte Familienmodell. Und es sind sogar junge Leute, vor allem aus wohlhabenden Kreisen in Paris und Versailles, die diesen Ideologien folgen. Ob diese Kreise (immerhin haben ja, wie oben erwähnt, 38 Prozent der praktizierenden Katholiken 2017 Marine Le Pen als Präsidentin gewünscht) nun durch Präsident Emmanuel Macron eines besseren belehrt werden ist, fraglich.

13.Die Bindung an (anti-muslimische und fremdenfeindliche) Ideologien unter rechten und rechtsextremen Katholiken ist auch eine Flucht vor der Realität der eigenen Kirche, d.h. die zunehmende Schwäche des Katholizismus selbst: Es ist bezeichnend, dass 2018 (wie schon so oft vorher, man denke an die viel beachteten Studien der Religionssoziologin Prof. Danièle Hervieu- Léger) wieder eine große Studie erschien über den zahlenmäßigen Niedergang des französischen Katholizismus: „Comment notre Monde a cessé d etre chrétien“, erschienen im Verlag du Seuil, Paris. Verfasst von dem Historiker Prof. Guillaume Cuchet. Nur ein Beispiel: Im Jahr 1961 nahmen 25 Prozent der Katholiken jeden Sonntag an der Messe teil; 2012 waren es noch 5 Prozent. Heute sind es noch viel weniger angesichts der Altersstruktur der „praktizierenden Katholiken“. Etwa 55 Prozent der Franzosen nennen sich noch katholisch. Vor 50 Jahren waren es 90 Prozent. Die Zahl der sich „atheistisch, agnostisch“ nennenden Franzosen steigt stetig.

14.Wenn die Kirche in Frankreich also in wenigen Jahren so klein geworden ist wie eine „Sekte“, liegt das vor allem an der bis dahin geltenden All-Macht des Klerus, am Fehlen ernstzunehmender demokratischer Strukturen und an der mangelnden Bereitschaft, auf überholte Dogmen und moralische Prinzipien zu verzichten. Solange die katholische Kirche an allen, auch sprachlich kaum noch nachvollziehbaren Dogmen festhält, die irgendwann einmal definiert wurden, ist und bleibt sie eine starre, leblose, nicht der Kritik und Korrektur fähige Organisation. „Lebendigsein heißt Sich Korrigieren können“, sagt der Psychologe Erich Fromm. Auf die Reduzierung der dogmatischen„Inhalte“ also kommt es an, auf mehr Jesuanisches und weniger Dogmatisches: Diese Rückkehr zur einfachen, nur wesentlichen Lehre ist nicht nur in Frankreich am wichtigsten. Sonst werden die Kirche zu Gräbern Gottes, wie Friedrich Nietzsche voraussah…

15.Ich verdanke viele Informationen dem wichtigen Buch des Politologen Jérome Fourquet, à la droite de Dieu. Erschienen in den Editions du Cerf, Paris, 2ß18. 174 Seiten, 18 Euro. Dieser Verlag wird vom Dominikaner Orden geleitet.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

 



Bat Ye Or, Islamkritikerin und „Quelle“ Breiviks, sprach auf katholischem Kongreß

4. August 2011 | Von | Kategorie: Religionskritik

Bat Ye´0r, heftige Islamkritikerin und eine Quelle für das Pamphlet des Massenmörders Breivik, verteidigte ihre Thesen auf katholischem Kongress von „Kirche in Not“ 2010

Bat Ye Or, alias Gisèle Littman, ist heftige Kritikerin des Islam, 1955 in Ägypten geborene Jüdin, Autorin zahlreicher eher polemischer Bücher und Aufsätze über den Dschihad, zudem voller wohlwollenden Verständnisses für den holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders. Ihr Denken ist eine der inspirierenden Quellen, auf die sich der norwegische Massenmörder Anders Breivik in seinem mehr als 1.500 Seiten umfassenden Pamphlet beruft.

Interessanterweise hielt Bat Ye Or im Jahr 2010 auf dem Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ (Augsburg), veranstaltet von dem römisch – katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (gegründet als „Ostpriesterhilfe“ von Pater Werenfried van Straaten, einem engen Freund Papst Johannes Paul II. ) einen Vortrag. Dort wurde sie von Volker Niggewöhner, Mitarbeiter von „Kirche in Not“, als bedeutende Analytikerin der Gesellschaft und Kultur vorgestellt, als eine Wissenschaftlerin, die sich um die Wurzeln Europas Sorge mache und die davor warne, dass Europa angesichts der „Islamisierung“, so wörtlich,“ geistigen Selbstmord begehe…“. Niggewöhners einführenden Worte waren eine Art Lobeshymne auf Bat Ye Or und auf die von ihr beschworene drohende Gefahr durch islamische Überfremdung in Europa. Diese ungeheuerlichen Aussagen kann man noch heute erleben (gehört am Donnerstag 4.8. 2011 um 11.15. http://www.youtube.com/watch?v=SBnvsLd9ngA).
Wir bieten nur einige zentrale Aussagen aus dem eher wirren Vortrag Bat Ye Ors in Augsburg vor dem Kongress „Kirche in Not“ ,2010; dieser Vortrag ist eine Art Melange aus historischen Erinnerungen, religiösen Analysen, leidenschaftlicher Verteidigung Israels und apokalyptischen Visionen:

– „Wir leben heute in einer Zeit des weltweiten Dschihad, das ist das religiöse Streben, die Dominanz des Islam auf die ganze Welt auszubreiten“.

– „Die gesamte Eurasia Politik konzentriert sich darauf, Europa mit der muslimisch – arabischen Welt zu vereinen.“

„Wir leben in einer Zeit des globalen Dschihad, woraus sich morgen ein nuklearer Dschihad entwickeln kann. Und wir wissen es nicht“.

Auch der Topos wird von Bat Ye Or formuliert:
– „Die europäischen Politiker haben Angst vor den Muslims, sie leugnen den Dschihad“….

– „Die Zukunft Europas liegt in ihren Händen.
Sie müssen agieren, um das zu retten, was das Christentum aufgebaut hat.
Wenn sie aber tatenlos bleiben, dann werden sie erfolglos sein.
Die Zeit ist schon mehr als reif“.

Bezeichnenderweise nennt Bat Ye or auch die von Breivik und anderen gern benutzte Idee, heute herrsche in Europa gegenüber „den“ Muslims die „appeasement“ Politik. C.M.

In einem Interview mit dem ZDF, gesendet am 3. 8. um 22.45 Uhr („Der eiskalte Mörder…“) , sagte Bat Ye Or exklusiv für das ZDF, sie möchte mit der Tat in Norwegen nicht in Verbindung gebracht werden. Ihrer Meinung nach sei Breivik ein Psychopath.
Wir wollen hier nicht die Debatte eröffnen, ob Autoren ihrerseits mit ihren Äußerungen auf Verbrecher und deren Pamphlete Einfluss haben können.
Wir finden es nur erstaunlich, um nicht zu sagen, eine Schande, dass ein großes internationales katholisches Hilfswerk, das seit 60 Jahren viele Millionen Spenden sammelt zugunsten der katholischen Kirche weltweit, dass solch ein Hilfswerk Autoren wie Frau Bat Ye Or einlädt und eine Dreiviertelstunde sprechen lässt. Wir haben auf der website von „Kirche in Not“ keine Form der kritischen Stellungnahme zu diesen Äußerungen gefunden, und auch keine Entschuldigung, eine Art „geistige Brandtsifterin“ eingeladen zu haben. Im September 2011 soll ein Buch mit den Vorträgen des Kongresses von 2010 erscheinen, man darf abwarten, in welcher Weise der Vortrag von Bat Ye Or abgedruckt wird und mit welchem Kommentar dazu. Wir vermuten, der Vortrag wird darin nicht mehr erscheinen, das schreiben wir am 4. August 2011.
Noch interessanter ist: Der so häufig geäußerte Wille der katholischen Kirche zum interreligiösen Dialog wird durch solche Einladungen eines hoch offiziellen katholischen Hilfswerks eher unglaubwürdig. Pauschalisierende polemische Äußerungen über „den militanten Islam“ sind unhaltbar und liefern verrückten Massenmördern wie Breivik ideologische Verstärkung für ihr „Kreuzrittertum“ .
copyright: religionsphilosophischer-salon berlin am 4. August 2011 um 13. 30

Literaturhinweise zu Büchern von Bat Ye Or:
Europe, Globalization, and the Coming of the Universal Caliphate, to be published September 16, 2011, Fairleigh Dickinson University Press, ISBN 1611474450
Eurabia: The Euro-Arab Axis, 2005, Fairleigh Dickinson University Press, ISBN 0-8386-4077-X
# Islam and Dhimmitude: Where Civilizations Collide, 2001, Fairleigh Dickinson University Press, ISBN 0-8386-3942-9; ISBN 0-8386-3943-7 (with David Littman, translated by Miriam Kochan)
The Decline of Eastern Christianity: From Jihad to Dhimmitude;seventh-twentieth century, 1996, Fairleigh Dickinson University Press, ISBN 0-8386-3678-0; ISBN 0-8386-3688-8 (paperback).

Kritische Stimmen:
– Craig R. Smith in a New York Times article referred to her as one of the „most extreme voices on the new Jewish right.“[36] -Johann Hari, a British journalist, argues that „There are intellectuals on the British right who are propagating a conspiracy theory about Muslims that teeters very close to being a 21st century Protocols of the Elders of Mecca“ and that Bat Ye’or is a „scholar“ who argues that Europe is on the brink of being transformed into a conquered continent called „Eurabia“.[37]

– Israeli peace activist Adam Keller—a founder of Gush Shalom— in a letter of protest sent on June 2, 2008 to the Israeli publisher of Eurabia: The Euro-Arab Axis, wrote:

In 1886 the French antisemite Edouard Drumont published ‚La France Juive‘ (Jewish France), creating the false nightmarish image of a France dominated by Jews, and sowing the poisonous seeds which came to fruit when Vichy French officials collaborated in the mass murder of French Jewry. […] ‚Bat Ye’or‘ follows in notorious footsteps indeed by creating the false nightmarish image of a Europe dominated by Arabs and Muslims.[38]

– According to David Aaronovitch:

[Eurabia] is a concept created by a writer called Bat Ye’or who, according to the publicity for her most recent book, „chronicles Arab determination to subdue Europe as a cultural appendage to the Muslim world — and Europe’s willingness to be so subjugated“. This, as students of conspiracy theories will recognise, is the addition of the Sad Dupes thesis to the Enemy Within idea.[39] Diese Zitate stammen aus der englischen Wikipedia Information zu Bat Ye Or. C.M.