Benedikt XVI. – Kritische Hinweise

Hier werden Hinweise zu Radiosendungen und Artikeln geboten sowie Hinweise zu philosophischen Diskussionen.



Vor 30 Jahren (am 30.6.1988) spaltete Erzbischof Marcel Lefèbvre die katholische Kirche

21. Juni 2018 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben, Termine

Warum sollen eigentlich Mitglieder einer in jeder Hinsicht reaktionären traditionalistischen Kirche wieder  „katholisch“ werden?

Ein Hinweis von Christian Modehn

Religionsphilosophie ist kirchlich nicht gebunden, im Unterschied zur Theologie. Darum können religionsphilosophisch Fragen erörtert und Erkenntnisse angstfrei präsentiert und verbreitet werden, die nicht in den von Bischöfen und Päpsten kontrollierten katholisch theologischen Betrieb passen. Am Ende dieses Beitrags wird darauf verwiesen, dass in Buenos Aires, wo Papst Franziskus als Erzbischof einst wirkte, die Traditionalisten inzwischen offiziell als Teil des Bistums anerkannt sind. Mit Zustimmung von Papst Franziskus! ….

Seit 30 Jahren will der Vatikan die in jeder Hinsicht reaktionären Pius-Brüder (Traditionalisten) in die Papstkirche zurückholen. Warum bloß? Warum lässt man diese Leute nicht ihren eigenen Weg weiter gehen und kümmert sich nicht weiter von Rom aus um sie? Warum braucht der Papst diese reaktionären Leute? Warum interpretiert Rom den wunderbaren Satz Jesu von Nazareth „Ich will, dass alle eins seien“ (Joh., 17,21) in dem römischen Sinne, als dachte Jesus von Nazareth auch nur im entferntesten daran: „Alle sollten wieder unter die Kontrolle Roms kommen und so „eins“ sein? Dabei wollte doch Jesus nur die Verbundenheit aller Menschen mit dem Göttlichen bezeugen…

Also: Anlässlich der Erinnerung an die 30 jährige Kirchenspaltung müssen endlich einmal ganz andere Fragen diskutiert werden: Fragen nach der religiösen, klerikalen Macht, Fragen zur „Einheit“ und: Ob etwa die noch in dieser Kirche verbliebenen Katholiken wirklich die Einheit mit den allseits reaktionären Lefèbvre Leuten wollen und diese Einheiten wünschen oder sogar „brauchen“.

Vor 30 Jahren spaltete der katholische Erzbischof Marcel Lefèbvre die katholische Kirche: Er weihte vier seiner traditionalistischen, aber römisch–katholischen Priester zu Bischöfen seiner „Bewegung“, und dies ohne Erlaubnis des Papstes! So sind nun einmal die Regeln des katholischen Kirchenrechts in Fragen der Bischofsweihe: Der Papst muss alles im Griff haben, weltweit und immer…. Erzbischof Lefèbvre, der sich stets für einen Erzkatholiken, für einen Ultra–Treuen, hielt, ignorierte also mit vollem Bewusstsein das Recht der Kirche. Er wollte unbedingt über seinen Tod hinaus durch vier Bischöfe seine eigene Kirche, die Traditionalisten, fortleben lassen. Ohne Bischöfe gibt es nun mal keine katholische Kirche. Diese wollte Lefèbvre auf seine Art fördern, aber eben bewusst außerhalb des päpstlichen Einflussbereiches. Also wollte Lefèbvre eine eigene Kirche, eine neue, eine explizit traditionalistische Kirche. Diese Bischofsweihe war ein schismatischer Akt, also eine Abspaltung von „der“ Kirche, später wurden die vier traditonalistischen Bischöfe auch exkommunziert!

Im theologischen Zentrum dieser traditonalistischen Kirche steht: Keine Anerkennung der Beschlüsse des 2. Vatikanischen Reformkonzils. Lefèbvre und die Seinen träumen von einer angeblich „ewigen Kirche“, die wegen historischer Unkenntnis Lefèbvres für ihn tatsächlich mit den Strukturen, Lehren und Liturgien des 16. Jahrhunderts bis hin zu Papst Pius X. identisch ist. Kirchliche Entwicklung endet also für Lefèbvre genau im Jahr 1922: Da erstirbt alles Lebendige für ihn. (Ich empfehle für ein psychologisches Verstehen der Lefèbvre Kirche das Buch von Rainer FUNK, „Frömmigkeit zwischen Haben und Sein“, Benziger verlag, 1977, antiquarisch hoffentlich noch zu haben).

Als eigene Traditionalistenkirche (so bezeichnen sie sich selbst nicht, sie sind es aber de facto) verfügen die Piusbrüder mit Bischöfen, Priestern, Klöstern, Priesterseminaren, Schulen, Altenheimen über ein weltweites Netz von über 160 Prioraten und 750 Kirchen, wo die Messe im Stil des 16. Jahrhundert gelesen wird: Der Priester flüstert ein paar Worte am Altar, die Gemeinde betet dabei den Rosenkranz. Etwa 640 Priester gehören zur Bruderschaft, die Zahl der Anhänger wird nie exakt mitgeteilt, sie liegt zwischen 600.000 und 150.000 weltweit.

Philosophisch und in meiner liberal-theologischen Sicht ist es zunächst ja überhaupt nicht schlimm, eine eigene, auch eine traditionalistische katholische Kirche zu begründen. Warum sollte man das verbieten, wenn der Glaube einiger Leute in diese Richtung geht? Problematisch ist es ja nur, wenn, wie nachweislich, Lefèbvre und seine Leute äußerst rechtslastige politische Vorlieben dokumentiert haben, etwa für den chilenischen Diktator Augusto Pinochet oder den spanischen Diktator Franco oder für Jean Marie le Pen und sein Front National..

Problematisch ist zweierlei:
Bis heute behaupten die Traditionalisten, also die bekannten Pius–Brüder, die einzig wahre katholische Kirche zu sein. Auch das können sie ja behaupten. Nur: Sie wollen eben: Der Rest, also die jetzige römische Kirche mit ca 1,2 Milliarden Mitgliedern, sollte eigentlich genauso traditionalistisch werden wie sie selbst.

Noch erstaunlicher ist: Seit der Gründung einer eigenen traditionalistisch-katholischen Kirche ist der Vatikan, der gesamte Hofstaat, die Kurie, sind also die Päpste und alle Kardinäle, in höchster Alarmstufe: Sie sagen: Es darf doch nicht sein, dass da jemand ein katholisches Konkurrenz-Unternehmen gründet. Kirchengründungen innerhalb des eigenen Feldes duldet der römische Katholizismus überhaupt nicht. Man begründet dies –exegetisch sind diese Herren dabei höchst ungebildet – mit dem Spruch Jesu „Ich will, dass alle eins seien“. Das heißt in Rom: Alle sollen eins sein in der Folgsamkeit gegenüber dem Papst.

Katholische Kirchengründer katholischer Alternativkirchen sind in Rom „das letzte“, höchst unwillkommen: Jedenfalls hatte der Papst ja auch mit dem sehr exzentrischen Erzbischof Emmanuel Milingo (heutiges Zimbabwe) zu kämpfen, der 2006 exkommuniziert wurde. Zu reden wäre von anderen Spaltungen, wie der Gründung der unabhängigen katholischen „Aglipaykirche“ auf den Philippinen mit 3 Millionen Mitgliedern heute; selbst in Lateinamerika gibt es katholische eigenständige katholische Kirchen, wie etwa die Iglesia Catolica Apostolica Columbiana! Oder man denke an die Spaltung in der Römisch – Katholischen Kirche in der Tschechoslowakei, die 1920 zur Gründung der bis heute bestehenden „Tschechoslowakischen hussitischen Kirche“ führte, diese Kirche kennt keinen Zölibatszwang, dafür aber das Priestertum der Frauen…Auch in Polen gibt es unabhängige katholische Kirchen. Das ist philosophischen oder gar protestantisch theologischem Standpunkt überhaupt nicht schlimm.

Die Liste der Spaltungen von der römisch-katholischen Kirche nach der Reformation Luthers ist lang: Darüber wird aber kaum theologisch und historisch gearbeitet: Aber es gab immer einige, die sich dem Machtanspruch Roms widersetzten! Erwähnt werden müssen auch die verschiedenen Formen der „Altkatholischen Kirche“ (in Holland seit dem 18. Jahrhundert, in Deutschland nach dem 1. Vatikanischen Konzil) usw…Sie kennen nicht das Zölibatsgesetz und rekrutieren ihre Pfarrer oft aus römisch – katholischen Priestern, die mit dem Zölibatsgesetz nicht einverstanden sind.

Das Problem ist, dass jetzt im Umfeld der Kirchengründung durch Lefèbvre wieder eine Abspaltung von Rom sichtbar wird und damit eine Schwäche in der römischen Kirche deutlich wird, kurz, dass die Macht Roms irgendwie weiter bröckelt. Und das darf nun gar nicht sein. Wobei die römischen Behörden ja auch gar nicht fragen, ob denn alle, die sich römisch katholisch heute noch in Alaska Ghana oder Indien, nennen, wirklich alle die Dogmen der Kirche so exakt glauben, wie Rom es will. Die innere Verschiedenheit des Glaubens innerhalb der 1,3 Milliarden Katholiken wird gern ignoriert. Nur die „harten Fälle“, also die schismatischen Kirchengründer, werden verfolgt.

Rom will jedenfalls ganz entschieden die Rückkehr der Traditionalisten in die offizielle Papstkirche. Dabei werden durch die Piusbrüder selbst und auch durch die vatikanischen Kirchen die Tatsachen verschleiert: Man spricht nicht offiziell von einer „traditionalistischen Kirche“. Man tut auf beiden Seiten so, als wäre man doch prinzipiell einer Meinung, speziell hinsichtlich des Papsttums im allgemeinen…

Und so sind auch seit 1988 ständig und mit viel Aufwand Versuche vom Vatikan unternommen worden, diese Traditionalistenkirche wieder mit dem jetzigen Papst zu versöhnen. Da wurden einerseits Spaltungsversuche innerhalb der Traditionalistenszene durch Rom gemacht, indem der Papst eine päpstliche Traditionalistenbruderschaft gründete mit dem Titel St. Petrus Bruderschaft; einzelne Traditionalistenklöster, wie das reaktionäre Benediktinerkloster Le Barroux in Frankreich, wurden mit dem Papst versöhnt. Die rechtsextreme Haltung der Mönche blieb davon unberührt.

Auch (manche würden noch sagen sogar) Papst Franziskus tut vieles, um diese Brüder wieder in den Schoß von Mutterkirche zurückzuholen.

Warum gibt sich der Vatikan so unglaublich viel Mühe, diese Traditionalisten wieder mit dem Papst und der gesamten Kurie zu versöhnen?

Dafür gibt es mehrere Gründe, scheinbare und reale.

Scheinbar ist: Man will in Rom unbedingt die Einheit. Und man weint in Vatikanischen Palästen förmlich, dass der so fromme Marcel Lefèbvre den Mutterschoß Rom faktisch verlassen har.

Wichtiger ist: Die katholische Kirche ist nun einmal entschieden klerikal. Jeder Orden, jede Organisation, die heute noch viele junge (zölibatäre) Priester hat, ist zunächst einmal hoch geschätzt im Vatikan. Das gilt für den obskuren Orden der Legionäre Christi, für die Neokatechumenalen, das gilt ebenso für die Piusbrüder. Wer auch immer mit welchen klerikalen Gestalten (schon im Abstand von 100 Metern in der Kleidung als Priester erkennbar) das katholische Priestertum fördert, ist absolut willkommen im Vatikan.

Um die Piusbrüder für den Papst zu gewinnen, wird alles unternommen, da gibt es eigene Kommissionen, Reisen, Beratungen, diplomatische und theologische Gesten: So erlaubte Papst Franziskus seinen römischen Katholiken, auch bei Piusbrüdern zur Beichte zu gehen oder das Sakrament der Ehe zu feiern. Man sollte einmal probeweise bei einem Piusbruder beichten, dass man als Homosexueller mit einem homosexuellen Priester sexuellen Kontakt hatte, wahrscheinlich würde der Beichtstuhl dann explodieren.

In Argentinien sind diese Piusbrüder schon so weit in das offizielle römische System einbezogen, dass sie in Buenos Aires als offizielle katholische „Vereinigung diözesanen Rechts“ gelten dürfen. Papst Franziskus hat dem zugestimmt. Was soll das? Sind das die Vorläufer der künftigen Totalen Integration dieser Leute? Warum lässt man sie nicht in Ruhe und kümmert sich selbst um Wichtigeres?

Diese ganze Versöhnungsgeschichte der Lefèbvre Kirche mit Rom hat einen neurotischen Charakter! (Quelle zu Argentinien Kathweb. Katholische Presseagentur Österreichs Kathpress, 14. April 2015, abgerufen am 19. April 2015)

Und Papst Benedikt XVI. hat sogar am 21. Januar 2009 das Exkommunikationsdekret der vier von Lefèbvre geweihten Bischöfe aufgehoben, dabei wusste Papst Ratzinger längst, dass einer der vier, Bischof Richard Williamson, seit Jahren schon die Gaskammern und den Holocaust leugnete. Diese Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalistenbischöfe ist wohl nur aus der tiefen Liebe Papst Benedikts zu diesen theologisch reaktionär denkenden Kreisen zu erklären. So, wie es viele im Vatikan gibt, die die Tradition auch im Sinne Lefèbvres über alles hoch schätzen. Denn da gelten die Priester noch als die Herren der Kirche…

Die Frage ist nur: Wer will wirklich (unter den römisch – katholischen Laien und den wenigen progressiven Priestern) die Rückkehr dieser Piusbrüder in die römische Kirche?

Warum kann Rom diese in jeder Hinsicht reaktionäre Kirche Lefèbvres nicht auf sich beruhen lassen und zu anderen, dringenderen Themen kommen? Und diese vernünftig entscheiden, etwa das Priestertum der Frauen. Aber das wurde unter dem angeblich progressiven Papst Franziskus jetzt auf ewig zurückgewiesen. Diese Leute (Kardinäle etc) in Rom sind bereits von der Traditionalisten Kirche vergiftet! Sie wollen vielleicht so werden wie sie: Eine engstirnige klerikale Sekte, selbst wenn diese noch Millionen Mitglieder zählt.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.



Konservative Mönche in einer konfessionslosen Gesellschaft: Das neue Zisterzienser Kloster in Neuzelle, Brandenburg

12. Mai 2018 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik, Termine

Die Mönche von Neuzelle wurden ausgebildet in einer extrem konservativen Theologie. Am 2. September 2018 eröffnen  sie offiziell ihr „Priorat“

Hinweise von Christian Modehn

Theologisch Gebildete kennen genau den Unterschied: Die katholische Kirche kann sich in einer für sie fremden und befremdlichen Kultur und Gesellschaft unterschiedlich verhalten: Sie kann sich „inkulturieren“, also Rücksicht nehmen auf die umgebende Kultur, indem sie selbst beispielsweise die eigentümliche Lebenswelt der Menschen dort versteht und achtet, also die Überzeugungen der Menschen auch als Angebot, theologisch von ihnen zu lernen, wahrnimmt; auch die Gottesdienste und Messen so gestaltet, dass die Konfessionslosen etwas verstehen und sich nicht in  eine ferne mittelalterliche Welt versetzt fühlen.

Diese Lernbereitschaft von der umgebenden Kultur pflegten etwa die Jesuiten in China, im 16. Jahrhundert; diese Lernbereitschaft lebt etwa der große tschechische Theologe Prof. Tomas Halik in Prag heute.

Ich bin der begründeten Überzeugung: Die sich jetzt in Neuzelle etablierenden Zisterzienser Mönche aus dem sehr reichen Stammkloster Heiligenkreuz bei Wien verpflanzen nur ihr nach angeblich ewigen Regeln bestimmtes Klosterleben ins säkulare Umfeld Brandenburgs.. Solche Theologen haben die Meinung: Sollen doch die Leute in unsere ferne Glaubenswelt förmlich springen, sollen sie alle ihre säkulare und demokratische Kultur vergessen und ablegen, wenn sie Katholisch werden wollen. Denn sonst würden wohl die 6 Mönche nicht 8 mal am Tag, von morgens bis abends, ihr Chorgebet, oft in lateinischer Sprache halten.  Sollen die Leute doch morgens um 6 in die kalte Kirche kommen und uns lateinische Psalmen singen hören… Dies ist ein konfrontatives Verhalten! Diese Haltung nennen heutige Theologen arrogant. Denkbar wäre doch: Die Mönche lehren die Menschen zur Stille zu finden, zu meditieren, ein paar Verse aus der Bibel oder anderen großen Weisheitsbüchern zu verstehen. Nein, solche Brücken des Dialogs werden offenbar nicht geschlagen. Die Mönche bleiben streng mittelalterlich, nach dem lebensfeindichen Motto: „Immer dasselbe,  keine Wandlung, sondern Stillstand“.

Veränderungen gibt es für diese geistlichen Herren nur im materiellen Sinne: Jetzt wollen sie sogar ein neues Klostergebäude am Rande des alten Klosterkomplexes bauen. Das Geld sei da, meint der Bischof von Görlitz.  Es sollte aber doch besser ausgegeben werden für Jugendzentren in dieser einsamen Gegend, für Gesprächsräume in vielen Städtchen und Dörfern, um dem rechtsradikalen Unfug Einhalt zu gebieten. Das wäre ein Dienst der Kirche an der Gesellschaft. Aber nein,  die Kirche investiert nicht in das lebendige Leben der Menschen dort. Sie baut den Mönchen , 6 oder vielleicht auch mal 8, ein neues schönes modernes Zuhause. Haben diese Mönche als Mönche nicht auch das übliche Armutsgelübde ausgeprochen oder haben sie es „abgelegt“, im doppelten Wortsinn. Wahrscheinlich.

Sind es Geschichten aus dem Wienerwald, die bald im brandenburgischen Ort Neuzelle erzählt werden? Wenn schon, dann bitte umfassend! Denn bisher haben sich die Medien, die offiziell kirchlichen sowieso, nicht die Mühe gemacht, das „Heimatkloster“ der neuen Mönche von Neuzelle kritisch zu untersuchen. Denn das Heimatkloster Heiligenkreuz bei Wien (in der unmittelbaren Nachbarschaft: das bekannte Mayerling mit Erinnerungen an Kronprinz Rudolf und seine Geliebte Mary) mit seiner philosophisch – theologischen Hochschule kann, theologisch betrachtet und das ist immer wissenschaftlich – kritische Betrachtung -, kaum als Beispiel für eine die heutige Gesellschaft und Kirche inspirierende Institution gelten.

Zusammenfassend gesagt: Es ist der Geist von vorgestern, der in dieser Bildungsstätte für Priester und Mönche herrscht, selbst wenn oder gerade weil sich diese Hochschule mit dem Titel „Benedikt XVI.“ schmückt. Aber die Theologie des EX- Papstes Josef Ratzinger ist ja bekanntlich auch nicht ein Inbegriff der Moderne. Ob dieser Geist von vorgestern den Brandenburgern rund um Neuzelle schließlich hilfreich ist für ihre Lebensgestaltung mit allen Problemen der Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, AFD – Bindungen usw…. wird sich zeigen.

Fest steht jedenfalls: Am 20. August 2018 werden 6 Mönche des Zisterzienser Klosters Heiligenkreuz nach Neuzelle entsandt. Sie sollen ein leer stehendes barockes Kloster in atheistischer Umgebung neu beleben. Missionieren? Dies sicher auch. Wer wird sich darüber freuen, vielleicht über die eher folkloristisch und touristisch bedeutende Anwesenheit von 6 Mönchen auf mittelalterlichen Grund und Boden in einer barocken Kirche? Man wird sehen.

Sehr volkstümlich geben sich die Mönche aus dem Wiener Wald, wenn sie z.B. Motorräder segnen. Die teuren Zweiräder brauchen doch den Segen Gottes, damit sie dröhnend durch die Städte donnern. Technische Geräte also werden, wie so oft, offiziell kirchlich mit Weihwasser und Weihrauch, mit großem Tam Tam, gesegnet. Aber nicht aber alle Menschen, etwa homosexuelle Paare. Ausgrenzungen sind katholischerseits üblich. Dabei nennt sie sich katholisch, d.h. allumfassend. Ist sie aber de facto nicht…

Und damit sind wir bei einem der Dozenten, die an dieser Hochschule Jahre lang ihr moraltheologisches Wissen verbreiteten, nämlich Weihbischof Andreas Laun aus Salzburg. Er wandte sich kürzlich wieder gegen die Ehe von Homosexuellen: Der Segen für katholische Homosexuelle –Paare, so sagte der Heilgenkreuzer Theologe, „ist ein Segen für die Sünde. So, wie man auch kein KZ segnen darf“.

Inzwischen ist Bischof Laun altersbedingt (75 Jahre) als Dozent aus Heiligenkreuz ehrenvoll verabschiedet worden. Aber immerhin: Sein Denken hat die jungen und älteren Mönche dort geprägt. Überhaupt: Was hat eigentlich ein Amtsträger, ein Bischof, als Dozent an einer theologischen Hochschule zu suchen?

Damit sind wir bei der besonderen Konzeption von Theologie, wie sie in Heiligenkreuz betrieben wird. Es ist die Theologie, die dem großen Förderer dieser Hochschule, Papst Benedikt XVI., so wunderbar gefällt: Es ist, so wörtlich, „die kniende Theologie“, die im Gebet auf kritische Erkenntnis hofft. Ist der Titel der Hochschule „Benedikt XVI“ eine Art vorweggenommene Heiligsprechung? Oder ein implizites Nein Zu Papst Franziskus? Vielleicht! Natürlich war Ratzinger dort schon öfter zu Gast und als Papst hat er auch nicht nur kurz vorbeigeschaut.

Überhaupt scheint die Akzeptanz für Papst Franziskus in Heiligenkreuz alles andere als ausgeprägt zu sein: Gastprofessor Thomas Stark (aus St. Pölten), ein Philosoph, hatte kürzlich ein Papier unterzeichnet, das Papst Franziskus tatsächlich der Irrlehre, der Häresie, überführen wollte… Die Leitung der Kloster Hochschule Heiligenkreuz hat sich von ihrem Dozenten Stark dann distanziert, Beobachter nannten die Distanz eher halbherzig. https://diepresse.com/home/panorama/religion/5306834/Heiligenkreuz-distanziert-sich-von-Papstkritik

Schon früher fühlten sich an der Hochschule extrem – konservative Dozenten wohl, wie Robert Prantner (der FPÖ nahe stehend) und Ferdinand Holböck, die beide mit dem obskuren katholischen Engelwerk verbunden waren, das Engelwerk, gegründet von der Seherin Gabriele Bitterlich und ihrem „Kreuzorden“. Diese esoterische „Sekte“, sagen kritische theologische Beobachter, wurde dann selbst Papst Johannes Paul II. zu spinös: Das Engelwerk musste sich nach außen hin theologisch erneuern. Aber in Heiligenkreuz haben eben Engel – Werk – Leute künftige Priester ausgebildet…

Ein prominenter Erz-Konservativer unter den Dozenten von Heiligenkreuz ist Robert Prantner, er lehrte seit 1982 in der dortigen Hochschule Ethik, und dies bis 1998! In dem Jahr löste er heftige Debatten aus wegen seiner Behauptung von antisemitischen Ritualmordlegenden. Er war Anhänger des kirchlich verboteten, antisemitischen Anderl-von Rinn Kultes.

Der theologisch gebildete Insider konservativer katholischer Bewegungen, David Berger, hat in seinem Buch „Der heilige Schein“ (2010) darauf hingewiesen, dass selbst der Klu-Klux-Klan und der mit ihm verbundene „Stormfront“ sich auf Prantners antisemitischen Schwachsinn berufen. Immerhin hat der Ethik-Professor Prantner viele Zisterzienser Mönche ausbilden dürfen….(S. 97)  2002 erhielt Prantner das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse, 1999 wurde er mit dem Stern des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Gr. ausgezeichnet. Welch ein „ausgezeichneter“ antisemitischer Denker im Zisterzienserstift Heiligenkreuz…

Wir können hier nur an die Fülle der objektiven Einschätzungen durch Journalisten und Theologen in Österreich erinnern. Das Magazin PROFIL schrieb zum Beispiel: „Die Heiligenkreuzer müssen sich die Einschätzungen ,konservativ, traditionalistisch und ,theologisch konventionell schon gefallen lassen. Ich weiß auch gar nicht, was sie dagegen haben“, so Pfarrer Helmut Schüller, der Sprecher der „Pfarrerinitiative“: Die Forderungen der Kirchenreformer – Abschaffung des Zölibats, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Zulassung von Frauen zum Priesteramt und Stärkung der Laien – gelten in Heiligenkreuz als frevelhaftes Minderheitenprogramm“. Hingegen sagt Pater Karl Wallner vom Kloster Heiligenkreuz: „Wir wollen eine lebendige Kirche mit Freude am Glauben. Es ist nur eine kleine Gruppe, die derzeit ihren Kirchenfrust auslebt. Quelle: https://www.profil.at/oesterreich/wie-stift-heiligenkreuz-think-tank-369997

Aber bei der allgemeinen Rolle rückwärts in der römischen Kirche erstaunt es nicht, dass die Hochschule (sie besteht in irgendeiner Form seit mehr als 200 Jahren) sehr viele Studenten, meist Kandidaten fürs Priestertum, aus allen Teilen der deutschsprachigen Welt anzieht. Und dort werden Theologen und Philosophen dann zu Dozenten ernannt, die – mit Verlaub gesagt – an staatlichen Fakultäten nicht eine allzu steile Karriere machen könnten.

Jetzt sollte in Heiligenkreuz ein neuer wissenschaftlicher Start gewagt: Durch die Herausgabe eines Jahrbuches mit dem Titel: „Europa eine Seele geben“. Die Spezialistin für den katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, bezeichnenderweise auch sie eine Dozentin in Heiligenkreuz, hat das Jahrbuch mit-herausgegeben. Zu den Autoren dieses Buches gehören u.a. Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nicht gerade ein Freund von Papst Franziskus und der von Papst Benedikt hoch geschätzte Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein….Sie alle vertreten die „kniende Theologie“… Zu den Dozenten dort gehört auch der Multimillionär Dr.Dr. Peter Werner Maria Löw, er gilt in der Klosterhochschule als Honorarprofessor für Wirtschaftsphilosophie: Wikipedia berichtet über ihn: „Nach Recherchen des Manager Magazins gehörte Peter Löw im Jahr 2016 zu den 500 reichsten Deutschen (Rang 331)“.[2] (gelesen am 10.5.2018)“. Und die TAZ hat über Löw recherchiert: „Zu Multimillionären sind Löw und Vorderwülbecke mit anderen Geschäften geworden: Sie sanieren marode Unternehmen, kaufen Firmen unter Wert und veräußern sie mit sattem Gewinn – oft, nachdem sie sie verschlankt haben. Teutonia etwa. 2004 erwarb die Beteiligungsgesellschaft Arques, gegründet von Löw und Vorderwülbecke, den Kinderwagenhersteller für 100.000 Euro. Nach drei Jahren stießen sie ihn für mehr als zehn Millionen Euro ab. Eine sehr hohe Rendite, für Löw ein „normales Geschäft“. Der Oberleutnant der Reserve, Doktor in Jura und Neuerer Geschichte, besitzt mehrere Hundert Millionen Euro. Mit dem nur wenige Monate älteren Vorderwülbecke freundet sich Löw in den 80er-Jahren während des Jurastudiums in Freiburg an. Sie besuchen eine Elite-Uni im französischen Fontainebleau. 1992 gründen sie ihre erste Sanierungsholding. In den folgenden 20 Jahren erwerben und verkaufen sie mehr als 200 Unternehmen. (Quelle: http://www.taz.de/!476282/, gelesen am 10.5.2018).

Von diesem Dozenten Dr. Dr. Löw können die Mönche also lernen, was soziale Marktwirtschaft bedeutet und christliche Solidarität mit den Armen… Eine Übersicht zu den Dozenten in Heiligenkreuzz siehe: http://www.hochschule-heiligenkreuz.at/institute/lehrende/

Neu hinzugekommen zum Lehrbetrieb in Heiligenkreuz ist ein Institut für die „Theologie des Leibes“, es geht also auch um die Verteidigung der alten katholischen Sexualmoral und der einzig möglichen üblichen Hetero – Ehe, wie es der liebe Gott der Ultrafrommen vorschreibt. Dozent in diesem Leibes – Institut ist etwa der Priester Josef Spindelböck, der einst ein Vertrauter von Bischof Kurt Krenn war (auch er war ein Freund von Jörg Haider, FPÖ), Spindelböck wurde dann als Verehrer des heiligen Josefs, des ja gar nicht leiblichen Vaters Jesu, so die offizielle Theologie, Mitglied der Priestergemeinschaft „Vom heiligen Josef“… Das Institut zur Erforschung des Leibes in Heiligenkreuz ist wiederum verbunden mit dem theologischen Institut in Trumau, Gaming, auch diese Hochschule ist dem sehr konservativen Geist verpflichtet. Man sieht: Die konservative katholische Theologie zieht sich immer mehr in kircheneigene Institute zurück und meidet die staatlichen Universitäten. In privaten Hochschulen kann man halt in Ruhe das Alte unbehelligt pflegen…

“Vertreter der Uni Wien zweifelten ihrerseits wiederholt die wissenschaftlichen Standards der Heiligenkreuzer Hochschule massiv an“. (PROFIL 28.11.2013)

Man denke auch an die Worte des vorherigen Abtes Graf Henckel-Donnersmarck (er leitete das Kloster Heiligenkreuz von 1999 bis 2011): „In seinem Abschiedsinterview in der „Presse“ zeigte der Abt 2011 zumindest Neigung zu rückwärts gewandten Formulierungen: „Der Europäer hat sich durch Verhütung, Abtreibung, Ehescheidung, Gleichberechtigung anderer sexueller Lebensformen tatsächlich in einen Suizid gestürzt“ (PROFIL 28.11.2013).

Es sind also wohl alles andere als mit dem modernen Geist vertraute Mönche, die bald in Neuzelle leben werde. Haben Sie Interesse am partnerschaftlichen, lernbereiten (!) Dialog mit den vielen Atheisten und Skeptikern dort? Haben sie ökumenische Interessen, die über freundliche Worte hinausgehen?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 



Glauben als Lebenskraft: Ein Vortrag von Wilhelm Gräb über Paul Tillich

4. April 2018 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben, Theologische Bücher

Vom 23.bis 25.März 2018 fand in der evangelischen Akademie von Hofgeismar eine Tagung statt über einen der wichtigsten Texte des Theologen und Religionsphilosophen PAUL TILLICH (1886 – 1965). „Der Mut zum Sein“ erschien 1952, das Buch fand und findet vielfache Beachtung. Denn, so Tillich, Glaube ist keine Bindung an Dogmen, sondern eher der existentiell erlebte und vollzogene MUT, das eigene Leben anzunehmen, trotz aller Widrigkeiten dieses Lebens.

Der protestantische Theologe Prof.Wilhelm Gräb hielt in Hofgeismar den Abschlussvortrag mit dem Titel „Glaube als Lebenskraft“. Sie können den Vortrag nachlesen:  Glauben-als-Lebenskraft-Tillich-Hofgeismar-Gräb.pdf

Das Buch „Der Mut zum Sein“ ist bei de Gruyter erschienen mit einem Vorwort des Theologieprofessors Christian Danz (Wien)



Karl Schlögel zum 70. Geburtstag

6. März 2018 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Termine

Ein kleines Dankeschön und ein Hinweis von Christian Modehn

Darf ich das Wort originell noch verwenden, bei der Inflation dieses Begriffes, verwendet von den vielen, die heute alle so originell oder sogar kreativ sein wollen? Ich möchte die Qualität des Originellen, im Sinne des Neues Entdecken, des Freilegens dessen, was viele sehen, aber nicht wahr-nehmen, auf Karl Schlögel doch gern beziehen. Es ist für mich und sicher viele andere Leser zweifelsfrei: Karl Schlögel hat ein umfassendes erhellendes und helles Werk hervorgebracht, stets erklärend,  gut recherchiert, gut lesbar. Er hat publiziert, vor allem durch langjähriges eigenes Erleben vertieft, zur Sowjetunion, zu Russland und zu Osteuropa. Am 7. März 2018 wird Karl Schlögel 70 Jahre alt. Ich gratuliere.

Unmöglich ist es, die ganze Vielfalt der Themen seiner Forschung zu erwähnen. Ich erinnere mich etwa an seine Studien, in „Lettre“ oder der Berliner Zeitung, über die Bahnverbindungen von Berlin – Lichtenberg nach Sibirien; Themen des Alltags, könnte man denken, aber es sind Studien, die das „Andere“ unserer Berliner Nachbarschaft erschlossen haben. Ich schätze besonders die eher dem Umfang nach kleine, aber inhaltlich große, weil anregende Studie „Archäologie des Kommunismus. Oder Russland im 20. Jahrhundert“. Mit Fotos, 111 Seiten, erschienen in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München.

Um nur zwei Beispiele aus dieser Veröffentlichung zu nennen: Wer das Alltagsleben in der Sowjetunion verstehen will, sollte sich mit Schlögel für die „Kommunalkas“ interessieren, also jene sehr geräumigen, ehemals bourgeoisen Altbauwohnungen in Moskau oder Leningrad, wo bis zu 10 Familien dann lebten und leben mussten. Oder man sollte in dem genannten Buch („Archäologie des Kommunismus…) lesen, welche Rolle die Küche als kommunikativer und wohl auch oppositioneller Ort in der Zeit nach Stalin spielte. Ja, auch dies, dass für die Menschen in der Sowjetunion Reste von individueller Freiheit gab, etwa in den Datschen und während der Urlaubszeiten… Man lese die Beobachtungen über die Bedeutung der Palme (S.84) als Zierpflanze in offiziellen Gebäuden, es ist auch dieser Sinn für Details, für „Übersehenes“, mit dem Schlögel die Mentalitäten erschließt.

Schlögels Hinweise zur russischen Annexion der Krim und zu den Aggressionen gegen die Ukraine zeigen auch: Dass es in Russland heute eine „Flucht in den Ideen und Formenbestand des sowjetischen wie des imperialen Russland“ gibt. „Denkmäler, die schon einmal gestürzt und in Museumsparks gelagert wurden, sollen auf ihre Sockel zurückkehren“. Was für eine Regression. Unter Putin nehmen die Ressentiments machtvoll zu… „Für alles, was nicht funktioniert und falsch gelaufen ist“, ist der Westen ist schuld… Nur die Bürger Russlands, meint Schlögel, können aus dieser Sackgasse herausfinden. Werden sie die Kraft der gemeinsamen Opposition finden? Ist die russisch – orthodoxe Kirche heute das sprichwörtliche Opium des Volkes (Karl Marx)? Wird jemals die Zusammenarbeit der Kirche mit Putin nd Co. ein Ende haben? Ist diese Kirche überhaupt fähig zur tiefgreifenden Reform? Darüber würde ich sehr gern weitere Studien von Karl Schlögel lesen.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin



Fünf Jahre Papst Franziskus – progressiv, aber zwiespältig

28. Februar 2018 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denkbar, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn

Franziskus ist ein Papst, der bei aller Zustimmung, auch einen zwiespältigen Eindruck bietet. Und das liegt auch an ihm selbst, an seiner progressiven sozialen Theorie und Praxis einerseits und seiner konservativen Theologie auf der anderen Seite.

1. So genannte progressive theologische katholische Kreise, die vor kurzem noch das Papsttum beinahe bekämpften (etwa in den Gestalten des polnischen Johannes Paul II. und des deutschen Benedikt XVI.) sind nun förmlich enthusiastische Papst – Fans geworden und fast schon wieder ultra-montan, wenn man an die Kritik an Bischöfen „zu Haus“ und das Lob für diesen Papst denkt. Und die Konservativen und Reaktionären, die früher Papsttreue und Papstliebe zur obersten Glaubenssache machten, sind nun entschieden gegen diesen Papst. Durch die Anwesenheit eines pensionierten Papstes im Vatikan (Benedikt) wird die Sache noch komplizierter. Der Pensionierte hat seine eigene Fan-Gemeinde. Und die Konservativen machen Franziskus das Leben schwer, wollen ihn wohl am liebsten kaltstellen. Dies ist eine Tatsache, und muss hier nicht seitenlang belegt werden. Es sind diese ewigen Sticheleien der reaktionären Besserwisser, von denen der Benedikt XVI.- Fan, Kardinal Müller, nur der harmlosere unter denen ist, die Papst Franziskus zusetzen.

2. Ist Franziskus wirklich rundum eine Gestalt des progressiven Durchbruchs? Stimmt das so pauschal? Man kann zur Entschuldigung für seine reformerische Halbherzigkeit daran erinnern: Er habe eben auch Angst vor der Allmacht der vatikanischen und sonstigen Reaktionären. So ist Franziskus gezwungen, zu jonglieren, ein bisschen gibt er mal recht den Konservativen, ein bisschen gibt er mal Grund den Progressiven, etwas zu frohlocken. Kurz, Franziskus will den äußerst pluralistischen „Laden“ irgendwie beisammen halten, will keine zahlenmäßigen Rückgänge im Weltkatholizismus hinnehmen. Tatsache aber ist, die Hierarchie als Hierarchie wird von ihm nicht angekratzt. Der Klerus hat immer noch total das Sagen. Am Klerus allein orientiert sich etwa die „Gemeindereform“, etwa jetzt hier in Deutschland: Da wird wegen der wenigen Priester eine permanente Zusammenlegung von Gemeinden praktiziert. Proteste der Laien, wenn noch vorhanden, sind wirkungslos. Der Klerus herrscht solange, bis er hierzulande ausgestorben ist.

3.  Hätte der Papst als Papst die Möglichkeit, das Zölibatsgesetz für Priester abzuschaffen? Ja, das Zölibatsgesetz ist eine kirchliche Verfügung, kein unfehlbares Dogma. Nur an einem (angeblich unbedingt zu glaubenden) Dogma darf auch kein Papst rühren. Das Zölibatsgesetz könnte Franziskus jedenfalls abschaffen. Er tut es nicht, hat er Angst? Wahrscheinlich. Also wird die Zölibatskirche weiter betrieben und letztlich in manchen Gegenden wid die Kirche gegen die Wand gefahren. In Lateinamerika haben viele Millionen Katholiken die katholische Kirche verlassen, weil schlicht und einfach keine zölibatären Priester für die Gemeinden zur Verfügung stehen. Es gibt keine „Seelsorge“, keine Eucharistiefeiern etc… Die Basisgemeinden einst wollten Frauen und Männer zu Priestern berufen und selbstverständlich ordinieren. Das hat Rom, vor allem der polnische Papst, ein Liebhaber des Klerus, verboten. So muss die Kirche in Lateinamerika sehen, wie die Evangelikalen und die Pfingstgemeinden immer stärker werden, manchmal sind schon mehr als die Hälfte der Bewohner nicht mehr katholisch, wie etwa in Guatemala. Dort sind nur noch 45 % der einst insgesamt katholisch getauften Guatemalteken katholisch. Es sind nicht nur übermütige Kirchenkritiker, die sagen: Dieser Niedergang schadet der katholischen Kirche gar nichts. Sie wird, wenn sie klerikal so weitermacht, sogar noch schwächer. Mit anderen Worten: Die Klerus – Fixierung, die auch Papst Franziskus prägt, kann sich als das Ende des Katholizismus in manchen Regionen zeigen. In Frankreich ist das sehr sichtbar. Dort stirbt die Kirche, weil der Klerus stirbt. Darüber haben angesehene Religionssoziologenin Paris  dicke Bücher geschrieben, die natürlich nicht zu einer Korrektur der kirchlichen Praxis führten.

4. Zwiespältig ist Papst Franziskus auch in der Ernennung von Bischöfen, die ja bekanntlich seine, nämlich seine päpstliche Sache letztendlich ist. Es wäre viel zu berichten, etwa über Frankreich, wo ein erklärter Konservativer (Michel Aupetit) vor kurzem Erzbischof von Paris wurde. Oder, von Strasbourg, wo der neue Erzbischof Luc Ravel, einst sogar in Militärkreisen höchst unbeliebter Militärbischof, bekannt für konservative Aussagen, behauptet: „Die Muslime werden eines Tages die Christen in Frankreich verdrängen“… Warum musste Franziskus ausgerechnet einen Opus-Dei – Mann zu seinem Pressesprecher machen? Sind das Gesten, um diese mächtige Organisation irgendwie bei Laune zu halten? Wahrscheinlich. Fehlt noch, dass er einen „Legionär Christi“ in die Studiengruppe zur Verhinderung des sexuellen Missbrauchs durch Priester und Ordensobere beruft…

5. Wer die private, sozusagen die innere Theologie von Papst Franziskus kennen lernen will, studiere bitte die Ansprachen, die er werktäglich in der Kapelle seiner Wohnung, dem Marta-Haus, hält. Es wäre ein eigenes Forschungsprojekt, in diesen Predigten die ständigen Bezüge auf den furchtbaren Teufel herauszuarbeiten. Dass der Papst auch Maria als „Knotenlöserin“ (so ein Andachts – Bild in Augsburg, das er dann in Argentinien populär machte, als Erzbischof von Buenos Aires) verehrt, ist seine persönliche Sache. Nur ist ein übertriebener Marien – Kult, auch in Richtung Knotenlösung, etwa für die Ökumene mit Protestanten nicht sehr hilfreich, vermute ich. Dass Franziskus immer noch auch im Luther – Gedenken 2017, fest an die Ablässe glaubt, ist niemandem entgangen. Genauso, dass er den ultra populären und viel Geld einspielenden Kult um Pater Pio unterstützt, den viele kritische Theologen und einige Leute im Vatikan für einen Scharlatan hielten mit seinen angeblichen Wundmalen, ist doch sehr erstaunlich. Dass er die argentinische „Theologie des Volkes“ hochschätzt und nicht die eher linke und theologisch schärfere Befreiungstheologie, ist ebenfalls bekannt. Wieweit er die umfassend kritischen Studien zur Zusammenarbeit von argentinischer Militärditatur und Kirche (auch Bischöfen !) unterstützt, müsste noch herausgefunden werden…

6. Papst Franziskus hat vieles Wegweisende getan und auch (vor)gelebt in seinem Lebensstil. Der Umzug aus dem Barockpalast in ein Appartement eines Gästehauses, ist wohl das deutlichste Symbol, dass er anderes und Richtiges will und dies auch tut. Er will den kirchlichen Ortswechsel. Die Bischöfe in den reichen Ländern, auch in Deutschland sind ihm darin nicht gefolgt, anstelle von Mercedes fahren sie jetzt vielleicht Audi oder so. Aber ihre riesigen Papp – Mützen, Mitren genannt, tragen sie permanent weiter als Zeichen ihrer besonderen „Berufung“. Solche Mützen liebt Franziskus nicht sehr. Dabei handelt es sich gewiss um Äußerlichkeiten, aber nicht um Kleinigkeiten. Einige Wirkungen hat Franziskus durch sein praktisches Engagement erzielt, für Flüchtlinge, Obdachlose usw. Etwa auch durch den Besuch im November 2015 in der von der Weltöffentlichkeit völlig vergessenen Zentralafrikanischen Republik. Ausgerechnet in der Elends –Hauptstadt Bangui eröffnete er die erste heilige Pforte im „weltweiten Jahr der Barmherzigkeit“…. und eben nicht im heiligen barocken Rom. Es ist die Liebe zur Peripherie und damit zu den Armen und Vergessenen, die sich in dieser Praxis ausdrückt.

7. Wenn man auf Franziskus leider einmal post mortem zurückblickt, werden viele, auch kritische Beobachter wohl sagen: Was war der doch für ein toller Papst, welche Ausnahme – Erscheinung, welch ein Vorbild in der Nähe zu den Armen. Oder werden einige auch sagen: Mit Papst Franziskus ist die grausige Vorherrschaft des Klerus in der römischen Kirche allmählich in die Endphase geführt worden: Das „allgemeine Priestertum“ aller Gläubigen ist nun in dieser Kirche nicht mehr bloß eine harmlose Behauptung, sondern praktische Realität, auch und vor allem für Frauen. Diese Erwartung habe ich nicht.

Vielleicht war Franziskus ein erfreuliches Intermezzo, so wie Johannes XXXIII. ein kurzes erfreuliches Intermezzo war… in einer aber grundlegend wandlungsunfähigen Kirche.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin



Hans Küng wird 90: Ein theologischer Meister!

22. Februar 2018 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn –

Anlässlich des 90. Geburtstages von Hans Küng am 19. März

Ergänzung am 19.3.2018: Wie habe ich den 90. Geburtstag von Hans Küng gefeiert? Indem ich einige Sachen von ihm erneut gelesen habe. Da fällt mir auf, etwa bei der Lektüre von Küngs Buch „Umstrittene Wahrheit“ (2009): In welcher Weise sich der jetzt so hoch gelobte, beinahe heiligmäßig genannte Kardinal Karl Lehmann dem eigentlich befreundeten Theologen Hans Küng gegenüber in dem einen entscheidenden Moment (und vorher) verhalten hat. Also im Umfeld dessen, als Hans Küng 1979 der Titel „Katholischer Theologe“ vom Vatikan und den deutschen Bischöfen entzogen wurde. Es ist bezeichnend, dass Küng keine Angst hat, Fakten zu nennen. Zur Diffamierung von Küng durch den Vatikan im Jahr 1979 heißt es in „Umstrittene Wahrheit“ auf Seite 598: „Wer ist für die komplexe theologische Logistik der kompetente Komplize (also für die Aberkennung des Titels Katholischer Theologe CM): Zu meiner großen Betrübnis nach seinem eigenen Zeugnis Karl Lehmann. Nach seiner Wende von der (progressiven theologischen Zeitschrift) CONCILIUM zu der (eher konservativen theologischen Zeitschrift) Communio (mit Joseph Ratzinger) war Lehmann immer mehr auf die amtskirchliche Linie eingeschwenkt. Er strebt offensichtlich das Bischofsamt an….“ Das ist Karl Lehmann ja dann auch mal gelungen.  Noch einmal bewegt mich nur als kritisch beobachtender Journalist die Frage: Was hat Kardinal Lehmann denn nun wirklich an Wirkungen seines angeblich so progressiven Handelns und Denkens hinterlassen? Oder erinnert man sich heute an ein moderates progressives Phantom, das nur bedeutsam ist, wenn man an Dyba, Meisner und die anderen Konservativen denkt.

……………Mein Text vom 22.2. 2018………………….:

Unmöglich ist es, in wenigen Worten die Leistungen von Hans Küng für die Theologie, vor allem auch für die Kultur insgesamt zu würdigen. Ja, es ging Hans Küng um die kritische Reflexion der Kulturen, auch der außereuropäischen. Er fordert angesichts der Globalisierung und der ungerechten Verhältnisse ein „Weltethos“, eine konkrete Utopie, der es zu entsprechen gilt, sollte die Menschheit überleben wollen.

Hans Küng ist tatsächlich (jetzt noch) bekannt. Seinen Namen kennt etwa in Deutschland noch beinahe jeder über 50 Jährige. Sehr fern erscheinen jedoch die Zeiten, als sich Küngs theologisch gut lesbaren Bücher in den Buchhandlungen förmlich stapelten, etwa „Christsein“ von 1974. Heute, 44 Jahre später, ist die Zeit einer öffentlich auch sichtbaren Relevanz von (katholischer) Theologie wie weggewischt. Theologie ist jetzt im Getto, die theologischen Neuerscheinungen sind marginal. Theologie hat die Bedeutung einer Alterstumwissenschaft, vergleichbar der Archäologie. In Berlin z.B. gibt es seit Jahren keine Buchhandlung mehr, die überhaupt noch Theologisches in großer Fülle und Bedeutung anbietet, wahrscheinlich gibt es auch nicht so viele nachvollziehbare Bücher mehr, die sich auf dem Niveau von Hans Küng bewegen. Esoterik gilt nun als religiös, oder treffender, spirituell. Daran sind die Kirchen, vor allem die katholische Kirche, selbst schuld, sie haben sich mit ihrem Dogmatismus und ihrer Anti – Moderne ins Abseits begeben. Zugespitzt gesagt: Nur noch die vielen katholischen Kirchenangestellten tun so, als würden sie innerlich von den offiziellen Lehren dieser Kirche bewegt sein. Sie „müssen“die formal und inhaltlich ewig selben Messen besuchen. Sie darf nur der zölibatäre Klerus feiern, das ist seine einzige verbliebene Macht, an der niemand kratzt, Hans Küng hat es erfolglos versucht.

Was ist wichtig im Lebenswerk von Hans Küng? Sehr vieles: Sicher dies: Er war im deutschen Sprachraum derjenige Meister, der Reflexion und Glauben in eine für viele Zeitgenossen nachvollziehbare (immer lesbare) Einheit gebunden hat. Wer sagt ihm jetzt dafür tausend Dank? Welcher römische Bischof, vielleicht wagt es Kardinal Lehmann? Gibt es nun ein paar Zeilen von Papst Franziskus, den Küng schätzt?

Ich jedenfalls sage Hans Küng danke. Danke für seine Bücher (etwa über Hegel!) und für seine Initiativen, zugunsten einer freien und unabhängigen katholischen Presse, etwa für „Publik Forum“. Und für seine offenen Worte zur Sterbehilfe werden ihm viele andere auch danken, oder auch für seine Dialoge über Literatur mit Walter Jens etc.

Man schaue sich die Liste von Küngs Veröffentlichungen (in wie vielen Sprachen eigentlich ?) an! Man beachte sein jetzt neu herausgegebenes Gesamtwerk, das auf 24 Bände angelegt ist. Die Gesamtausgabe erscheint im Herder Verlag, der sonst auch als Verlag der letzten Bücher von Joseph Ratzinger bekannt ist. Die Bücher beider Autoren werden sich als äußerst kontrastreiche Werke wohl in den Regalen hoffentlich etwas vertragen, die Käufer mögen um ihrer eigenen geistigen Weiterentwicklung wegen zu Küng greifen: Küng, der Mutige, der lebendig Fragende und allseits für Neues Aufgeschlossene, der Ökumenische….und Ratzinger, der ewig Zurückblickende, der Nostalgische, der Papst mit den roten Schuhen, der Ängstliche und Zauderer, Liebhaber der Väter (gemeint sind die Kirchenväter aus dem 3. und 4. Jahrhundert), dessen einzige große Tat sein Rücktritt als Papst Ende Februar 2013 war. Wird er Küng gratulieren zu seiner Lebensleistung? Das wäre ein kleines Wunder. Leider aber ist die Gesamtausgabe der Werke Küngs im Herder Verlag für normal Verdienende und damit auch für Studenten unerschwinglich teuer. Man kann durch maßlos teure Bücher auch ein Werk „einsargen“, fürs Einstauben in Bibliotheken bestimmen, ins Vergessen treiben. Wollen wir hoffen, dass alsbald preiswerte Studienausgaben folgen.

Küng ist wohl der bislang letzte umfassend gebildete katholische Theologe, ein systematischer Geist, der Mann des großen (Ent)Wurfes. Das ist überhaupt keine Frage. Andere, selbst sich verbal politisch gebende, aber nie unmittelbar politisch – praktisch engagierte katholische Theologen, sehen da eher blass aus, ihre Aufsätze sind nicht mehr als gute Essays. Fragmentarisches in allen Ehren: Küng hat sozusagen noch einmal eine religiöse „Summe“ des Christlichen (nicht des konfessionell Römisch – Katholischen) vorgelegt, selbst wenn er den politischen Ort seines eigenen Denkens meines Erachtens nicht oder zu selten reflektiert hat. Er hatte für dieses Mammutprojekt auch hervorragende Mitarbeiter, Assistenten, das wird eher selten genannt; auch sie haben mit ihrem Meister Theologiegeschichte geschrieben, man denke nur an Hermann Häring oder Karl – Josef Kuschel.

Ich will nur an einige Tatsachen erinnern, die absolut gravierend noch heute alle katholische Theologie belasten – im Zusammenhang der Theologiegeschichte von Hans Küng:

Am 18. Dezember 1979 hatte der polnische Papst Johannes Paul II. Hans Küng die kirchliche Lehrbefugnis als katholischer Theologe an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen entzogen. Das heißt: Küng durfte nicht mehr an dieser Fakultät lehren und er durfte sich nicht mehr „katholischer Theologe“ (im Sinne des Vatikans und der Bischöfe) nennen. Der Grund für diese Verurteilung: Dem Vatikan und den Bischöfen gefielen die Vorschläge Küngs ganz und gar nicht, für eine insgesamt eher noch vorsichtige Neu-Interpretation des Dogmas von der Unfehlbarkeit der Päpste einzutreten. Unfehlbarkeit bezogen auf die Entscheidungen zu Glauben und Moral. An der, in römischer Sicht unwandelbaren, förmlich leblos versteinerten Formulierung der päpstlichen Unfehlbarkeit durfte nicht gerüttelt werden. Einige prominente Theologen wie Karl Rahner SJ haben damals sich sogar gegen die Neuinterpretation Küngs gewandt, und Rahner hat mit dieser (Auftrags-) Schrift (?) gegen Küng einen gewissen Zwiespalt in seinem Werk hinterlassen.Über Rahners Mut und seine gelegentlich heftig römischen Bindungen wäre eigens zu sprechen…

Wegen einer Neuinterpretation eines ohnehin schon im Moment der Formulierung hoch umstrittenen Dogmas von 1870 wurde also Hans Küng 1979 aus der sich katholisch nennenden Theologie rausgeschmissen. Diese Tatsache ist eines der gravierendsten Ereignisse in der neueren Geschichte des Katholizismus! Dieses Datum ist ein weiteres Ereignis innerhalb der Geschichte der Unfreiheit der katholischen Theologie als Wissenschaft – in einem System von Bischöfen und Päpsten, die sich ohne biblische Begründung anmaßen, Herren der Theologie zu sein. An den Fall Leonardo Boff wäre zu erinnern, an Theologen aus Indien oder Sri Lanka , die ebenfalls noch bis in unsere Tage den Furor römischer Rausschmiss -Lust durch Kardinal Ratzinger erfuhren, von feministischen Theologinnen, die degradiert wurden, wäre zu sprechen: Bis in unsere Tage übt der Vatikan eine brutale Kontrolle des Denkens aus. Der Vatikan beansprucht eine totale Sonderrolle in der Welt: Er verteidigt verbal Menschenrechte, ohne diese selbst für die eigene Kirche geltend zu lassen..Und jetzt machen zur Abwechslung reaktionäre Kardinäle den etwas aufgeschlossenen Papst Franziskus SJ theologisch fertig. Es ist eine ewige Tragödie des Ausgrenzens im Vatikan lebendig. Diese Kirche ist krank. Das hat Hans Küng auch gesagt. Die alten Herren in Rom und die Bischöfe bilden sich ein, zu viel Genaues von Gott usw. zu wissen…

Diese vatikanische Entscheidung gegen Küng 1979 hat die nachdenkliche und frei denkende, aber nicht nur akademische Welt erschüttert. Sie hat die letzten noch gut willigen Katholiken zumindest in Westeuropa und Amerika aus der Kirche getrieben bzw. den Abschied von ihr vorbereitet.

Ich will jetzt die insgesamt ja durchaus noch vorsichtige Unfehlbarkeits – Interpretation von Küng nicht wiederholen. Wichtiger ist: Durch diese akademische und religiöse (Un-)Tat des Papstes und seines klerikalen Kreises ist das Ansehen der katholischen Theologie als einer „freien Wissenschaft“ (manche glaubten ja noch daran) auf einen Nullpunkt gesunken. Mit anderen Worten: Selbst wenn heute noch an staatlichen Universitäten katholische Theologie gelehrt wird, wie etwa in Deutschland, ist doch sehr die Frage: Wie kann diese Wissenschaft, die letztlich durch die Berufungspraxis der Professoren durch die Bischöfe (!) bestimmt ist, noch Wissenschaft genannt werden? Denn bei den Berufungen haben die Bischöfe in Deutschland das letzte entscheidende Wort mitzureden. Die „Exekutive“, wenn man so will, bestimmt die also „Rechtsprechung“, wenn man so will, also die Theologie. Wie wäre es, wenn das Außenministerium die Berufung aller Politologie-Professoren bestimmt? Oder das Landwirtschaftsministerium die Professoren für Ökologie und Agronomie? Das geschieht bloß in Diktaturen. Und Küng hat treffend den Vatikan eine Diktatur genannt.

Die katholische Theologie selbst an den Universitäten wird darum schnell vergleichbar den einstigen Parteihochschulen: In der DDR bestimmte die herrschende SED, wer Professor werden durfte. So ist es heute noch in der Berufung katholischer Theologen an den Universitäten und staatlich anerkannten theologischen Hochschulen. Wer da Professor wird, ist den Bischöfen zeitlebens dankbar, den Job zu haben; ist deswegen automatisch ängstlich usw… Das ist weithin die Situation katholischer Theologie heute, abgesehen von der historisch kritischen Bibelwissenschaft oder der Kirchengeschichte beispielsweise. Dass Dogmen aus alter Zeit, weil vom heutigen Wissen als falsch und als willkürliche Macht-Setzung des Klerus durchschaut, selbstverständlich auch beiseite gelegt werden können und sollten, behauptet meines Wissens kein katholischer Theologe. Er/sie  sagt es nicht, aus Angst. Dabei wäre eine dogmatische Entrümppelung dringende Tat spiritueller Befreiung. Die Ablehnung von dogmatischem Wandel durch den Vatikan hat morbide Züge, man lese bitte Erich Fromm über nekrophile Charakterstrukturen…

Was hat alles das mit Hans Küng zu tun? Sehr viel, er wagte es, an dem unsinnigen Unfehlbarkeitsdogma etwas zu kratzen. Und tut das noch heute! Nach ihm kratzte fast kein katholischer Theologe mehr an dem verheerenden, unsinnigen (auch unbiblischen) Dogma.

Küng hatte das Glück, dass der deutsche Staat ihm einen Ersatzlehrstuhl in Tübingen einrichten musste (auf Kosten auch der nicht-katholischen Steuerzahler). So macht es der deutsche Staat ja immer, wenn ein katholischer Theologieprofessor (als Priester)  der Hierarchie nicht mehr würdig genug erscheint, wenn er etwa heiratet, wie dies im Falle des Theologen und Priesters Michael Bongardt an der FU Berlin geschah. Solche „Leute“ müssen verschwinden aus den theologischen Fakultäten. Und der Staat spielt dieses unglaubliche Skandal-Spielchen noch mit. Wie lange noch? Jetzt soll ja allen Ernstes in Berlin eine katholisch – theologische Fakultät errichtet werden, eine „Parteihochschule“ mehr, fragen kritische Beobachter, die die Abhängigkeit der theologischen Forschung und Lehre von den Bischöfen kennen. Auch über diese Zusammenhänge spricht kaum jemand, auch nicht in journalistischen Kreisen…

Wie passt ein solches System noch in eine offene, demokratische Gesellschaft. Kardinal Ratzinger hatte einst empfohlen, katholische Theologie solle nur noch an Privathochschulen gelehrt werden und die Theologieprofessoren sollten beim Studium bitte schön knien. Ja, wirklich, sie sollten voller Demut knien. Aber der kritische Verstand kniet nicht.

Für Hans Küng war die Degradierung durch den Vatikan letztlich auch bei allem Schmerz für ihn selbst eine große Beförderung: Er wurde deswegen noch berühmter. Er wurde auch zum Impulsgeber einer kritischen, katholischen Bewegung, etwa der Kirche von unten.

Er hat Mut gemacht, in dieser Kirche um Reformen zu kämpfen, weil er ja selbst diese Kirche nicht verlassen wollte. Diese Empfehlungen, in der Kirche zu bleiben, als Opposition, als „Kirche von unten“ etc. hat den Beteiligten viel Energie gekostet, vielleicht sinnlos verbrauchte Lebensenergie: Denn die erwarteten Reformen grundlegender Art sind ja bekanntlich ausgeblieben.  Eher schmückte sich noch die offizielle Kirche mit diesen Grüppchen der Opposition“, um die eigene angeblich Liberalität zu zeigen. Aber „Kirchenreform von unten“ hat im römischen System keine Chancen! Das hat wohl auch Hans Küng jetzt auch eingesehen.

Auch Papst Franziskus bleibt bei allen ungewöhnlichen Äußerungen doch immer noch Papst. Er könnte als Papst etwa das verrückte Zölibatsgesetz aufheben, aber er tut es nicht. Er könnte das Unfehlbarkeitsdogma annullieren als Papst, aber er tut es nicht. Er könnte eine synodale Verfassung für die römische Kirche durchsetzen, aber er tut es nicht. So sind also die vielen Durchhalteparolen an so genannte progressive Katholiken, auch von Hans Küng ausgegeben, eher Aufforderungen zur Frustrationsbereitschaft, manche sprechen von Masochismus.  Aber diese Kreise sterben aus. Der Katholizismus in Europa hat die Jugend verloren, die Frauen sowieso und die Homosexuellen auch, die Arbeiter, die Akademiker, die Armgemachten usw. Das klerikale System ist hier personell fast am Ende und wird nur durch klerikale „Flüchtlinge“ aus Indien, Kongo, Nigeria oder Polen noch etwas aufrechterhalten.

Man bräuchte heute einen weiteren Hans Küng, der eine „Theologie am Ende des vatikanischen Katholizismus“ schreibt. Aber der müsste nicht nur ein freier Geist sein jenseits der Hierarchie, der müsste auch Soziologe und Psychologe sein. Solche Leute sind leider nicht in Sicht. Das Getto lebt noch und manche machen es darin bis zum Ende gemütlich! Denn das katholische Getto in Deutschland hat noch sehr viel Geld und sehr viele Immobilien etc..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.



Bischof Laun: Segen für Homosexuelle ist wie Segen für KZs.

16. Februar 2018 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik

Ein Freund von Papst Benedikt XVI. dreht durch

Ein Hinweis von Christian Modehn

… Und wieder einmal zeigt sich: Religions/Kirchenkritik ist eine Hauptaufgabe der Religionsphilosophie…

Der Segen für katholische Homosexuelle –Paare „ist ein Segen für die Sünde. So, wie man auch kein KZ segnen darf“: Mit diesen Worten hat der seit Oktober 2017 im altersbedingten Ruhestand (also mit 75 Jahren) lebende Weihbischof Andreas Laun von Salzburg sich gegen jegliches Ansinnen gewehrt, Bischöfe, wie Kardinal Marx, könnten in Ausnahmefällen den Segen für homosexuelle Paare zulassen, weitere Details hier lesen.

Dieser Vergleich des Theologen Laun: „Segen für Homosexuelle ist wie Segen für KZs oder Bordelle“ ist ein Riesen – Skandal für die Kirche insgesamt. Laun zeigt, welche Typen in der Hierarchie sitzen! Eine Schande für die römische Kirche, denn Bischof Laun, geboren 1942, hatte zahlreiche hohe Funktionen im Vatikan und in Salzburg (dort für die Arbeitsgruppe Familie !) inne. Er wurde 1995 vom polnischen Papst zum Weihbischof von Salzburg ernannt und war seither über Österreich hinaus tätig in Sachen „Verteidigung der uralten Moral und Dogmatik“. Schon früher hat er mit heftigen Verurteilungen um sich geschlagen, so noch 2017, als er öffentlich betonte, Homosexuelle seien gestörte und kranke Menschen. Gegen die katholische Konfliktberatung für Schwangere hat er polemisiert; er konnte förmlich tun und lassen und sagen, was er in seinem Hass von sich geben wollte: Niemand in der römischen Kirche hat ihn gebremst und abgesetzt und in ein Altersheim versetzt. Auch im deutschen Fernsehen war er Gast bei Talk Shows. Aufgrund dieser infamen Äußerungen werden ihm wieder die Talk-Show-Türen offen stehen?

Zweierlei zeigt sich, typisch, für den geistigen Zustand der römischen Kirche:

1. Solch ein Mann wie Laun kann Jahre lang Bischof sein. Er hatte also Freunde und Unterstützer im klerikalen Milieu bis in den Vatikan.

2. Es ist weiter hoch interessant, dass sich Kardinal Ratzinger als Chef der obersten Glaubenskongregation noch kurz vor seiner Wahl zum Papst 2015 lobend über das reaktionäre Kirchenblatt „Kirche heute“ aus Altötting geäußert hat, dort ist Laun als maßgeblihcer Herausgeber tätig. Darin lobt Kardinal Ratzinger nicht nur einen der Finanziers, Albert Graf von Brandenstein-Zeppelin, der durch ein Buch unter dem aktuellen Titel „Die Stellung der Gottesmutter in der Welt – und Heilsgeschichte“ hervorgetreten ist (ein Buch aus der auch Joseph Ratzinger freundlichen reaktionären Gustav Siewerth – Akademie). Mit dieser Siewerth Akademie war der Theologe Ratzinger auch verbunden, aber das ist ein anderes Thema…

Kardinal Ratzinger lobt also im Januar 2005 dieses Blatt „Kirche heute“ , auch den dort als Herausgeber wirkenden Weihbischof Laun, dessen theologisches Profil Ratzinger zweifellos gut kannte: Der oberste Glaubenswächter sagte also: „KIRCHE heute erhebt zu brennenden und unbequemen Themen die Stimme. Dies gilt etwa für Fragen des Lebensschutzes und der Förderung von Ehe und Familie. Hier hat sich vor allem Weihbischof Dr. Andreas Laun aus Salzburg mit seinen Beiträgen große Verdienste erworben“. Quelle: http://www.kath.net/news/mobile/10634

Bischof Laun war als Lebensschützer auch bei den Pro – Life Demos in Berlin dabei, in freundlicher Gesellschaft mit AFD Leuten! Später hat dann Erzbischof Koch von Berlin den Pro Life Leuten mit einem Grußwort beigestanden. Für weitere Infos zur bischöflichen Leidenschaft fürs UNgeborene Leben, hier klicken.Über die Beziehungen Launs zur FPÖ wäre weiter zu sprechen….

Man sieht also: Das ungeborene Leben ist „absoluter“ Mittelpunkt dieser Theologen, das geborene Leben, etwa der Homosexuellen darf aber nicht eigens gesegnet werden, es ist ja Sünde. Wie kann nur Gott so viel Sünde schaffen auf dieser Welt, dürfte man fragen. Nebenbei: Gesegnet werden von Priestern selbstverständlich Autos,  Handys, Pferde und allerhand Getier. Selbstverständlich macht man das! Tiergottesgottesdienste füllen die Kirchen…Der Hamburger Erzbischof hat vor kurzem das Walross Raissa im Zoo gesegtnet.

Später hat dann Bischof Laun Papst Benedikt – wie einen Freund – verteidigt, als Benedikt XVI. sich in Regensburg (am 12.9.2006) inhaltlich und formal völlig vergriffen hatte in der Einschätzung (Verurteilung) des Islams. Der ORF berichtete von der sturen, man möchte sagen auch dort schon offensichtlichen verkalkten Denkhaltung Launs:

„Bischof Laun zu Papstrede in Regensburg über bzw. gegen Muslime:
Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun reagiert auf den jüngsten Konflikt mit einer Maßregelung des Islam. Dieser müsse als Dialogpartner „noch lernen, ruhig und sachlich zu reagieren und genau hinzuhören“, so Laun im Interview mit der Zeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe). Die Reaktionen aus der islamischen Welt nach den Äußerungen des Papstes sind für Laun „unangemessen“. Er verstehe nicht, warum „der Islam mit Aggression auf einen interessanten Vortrag antwortet“. „In Kenntnis der Geschichte“ seien die nunmehrigen „Behauptungen“ der Muslime „merkwürdig“. Man müsse auch über manche Stellen im Koran diskutieren dürfen, so Laun. Und weiter: „Den Kreuzzügen vorausgegangen ist eine gewaltige militärische Expansion des Islam auf Kosten der Christenheit. In diesem Sinne waren die Kreuzzüge eine Reaktion und nicht ein Willkürakt.“ Quelle ORF .

Der Skandal ist: Es wird deutlich und freigelegt, welche Männer die römische Kirche prägen. Es ist dieser unkontrollierte Klerikalismus, der die römische Kirche kaputt gemacht hat und kaputt macht. Es gab Proteste gegen Bischof Laun, aber es waren mutige Laien, auf die der Klerus selbstverständlich nicht hört. Das ist der Zustand der römischen Kirchen 2018! Ein Skandal folgt dem nächsten. Aber der Klerikalismus (also auch die Abwehr von Demokratie in dieser Kirche) ist und bleibt oberste, unverzichtbare Herrschaftsform.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin



Was tun? Ein philosophischer Salon über den Mut, diese schwierige Tugend.

16. August 2017 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 15. September 2017 um 19 Uhr in der Galerie Fantom in der Hektorstr. 9 in Berlin-Wimersdorf statt.

Angesichts der allgemein erfahrenen Hilflosigkeit gerade auf dem politischem Feld stellt sich die Frage: Was können wir (noch) tun? Diese Frage wird zu einer Reflexion über die schwierige (politische) Tugend, den MUT. Wir werden uns austauschen und dabei u.a. die Bücher „Was tun ?“ des französischen Philosophen Jean Luc Nancy im Hintergrund  mit bedenken (das Buch erschien im Diaphanes Verlag) und der deutschen Philosophin Hilal Sezgim „Nichtstun ist keine Lösung“ (Dumont Verlag). Es geht also um mehr Klarheit zu dem Thema: Was tun wir notgedrungen immer schon? Was können wir in unserem gemeinsamen Tun so verändern, dass noch (politische) Verbesserungen in der allgemeinen Misere möglich sind. Aber was wären die Maßstäbe für ein neues, besseres gemeinsames Tun? Und warum tun wir in der Hinsicht so wenig gemeinsam? Fehlt uns der Mut? Es ist so gar ein Zeichen für die gelebte Tugend Mut, in dem Zusammenhang auch über (eigene, gemeinsame) Faulheit, Trägheit, Ausreden, Resignation nachzudenken?  Lassen wir es zu, dass uns die „miesen Verhältnisse“ unsere Lebendigkeit abtöten?

Herzliche Einladung. Für die Raummiete bitte ich um einen Beitrag von 5 Euro.

Anmeldundungen sind erwünscht an: christian.modehn@berlin.de



Wer ist mit-schuldig am Tod des Menschenrechtlers und Erzbischofs Oscar Romero, El Salvador?

10. August 2017 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Termine

HINWEISE ZUM 100. Geburtstag von Erzbischof Romero am 15. August.

Der Religionsphilosophische Salon Berlin unterstützt die Menschenrechte, sie sind ein Resultat der Aufklärung. Diese Unterstützung ist nicht nur theoretisch, sondern wir haben praktisches Interesse an allen, die für Menschenrechte eintreten, gerade dort, wo es lebensgefährlich ist. Der katholische Bischof Oscar Romero aus dem zentralamerikanischen Staat El Salvador ist ein vorbildlicher Kämpfer für die politische (und kirchliche !) Geltung der Menschenrechte in seiner Heimat und darüber hinaus in Lateinamerika. Warum ist er vorbildlich? Weil er sich, eigentlich konservativ von Herkunft und Ausbildung in der klassischen, abstrakten Theologie, im Alter dann doch durch das erschreckende Leiden der (von den Reichen im Land selbst und in den USA)  arm gemachten Menschen, vor allem der Indigenas, verändern ließ: Hin zur Identifizierung mit diesen Menschen. Oscar Arnulfo Romero wurde am 24. März 1980 in der Hauptstadt San Salvador im Auftrag von sich katholisch nennenden reaktionären Politikern erschossen, am Altar erschossen, während einer Messe. Am 15. August 1917, vor 100 Jahren wurde er geboren. Gegen alle Widerstände reaktionärer Machthaber im Vatikan hatte sich Papst Franziskus durchgesetzt und Romero (endlich sagen Lateinamerikaner) selig gesprochen. Also ist er nun offiziell „ein zu Verehrender“, ein heiliges Vorbild. Nun könnten eigentlich katholische Kirchen nach Oscar Romero benannt werden! Kennt jemand in Europa eine katholische Oscar Romero Kirche? Sie gibt es wohl nicht, weil Romero eben de facto ein linker Theologe war. Solche Zusammenhänge werden in Deutschland verschwiegen, etwa in den offiziellen katholischen Erinnerungsnotizen zum 15. August, Romeros Geburtstag. Genauso wird wohl verschwiegen, wer denn alles unter den machtvollen Prälaten und Kardinälen und Opus Dei Mitgliedern Interesse daran hatte, dass Erzbischof Romero nicht mehr allzu lebhaft und lebendig politische Kritik übt, um es einmal moderat zu formulieren. Es gibt also durchaus die These, dass es katholische und einflußreiche Mitschuldige gibt an der Ermordung Oscar Romeros. Das alles wird kaum untersucht in einer Theologie, die von den Kirchenoberen abhängig ist. Ich habe darauf schon im Mai 2015 , anläßlich der Seligsprechung, auf diese direkte oder indirekte Mittäterschaft hingewiesen, diese Hinweise fanden keinen Widerspruch, so dass meine These wohl stimmt. Und so publiziere ich diese Hinweise erneut und hoffe auf ein breites Interesse und auf ein kritisches „Eingedenken“, wie Walter Benjamin sagen würde.

copyright: Christian Modehn



„Die Katholische Kirche ist gespalten“: Aktuelle Analysen aus dem Vatikan und den USA

21. Juli 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Hinweise von Christian Modehn am 21. 7. 2017

Heutige Religionsphilosophie bezieht sich als Nachdenken über Religionen und weltanschauliche Ideologien, also auch auf den „atheistischen Glauben“, immer auch, als ein Thema neben anderen !,  auf die faktisch bestehenden Religionen und beobachtet kritisch deren Entwicklung. Ein Hinweis zur Kirchenspaltung in der römischen Kirche.

Die neusten Studien zu der de facto bestehenden Spaltung der römischen Kirche heute kommen Continue reading “„Die Katholische Kirche ist gespalten“: Aktuelle Analysen aus dem Vatikan und den USA” »



Neues zur Erbsünde: Muss der christliche Glaube Angst machen?

20. Juli 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben, Theologische Bücher

Einige weiter führende Thesen von Christian Modehn am 20.7. 2017

Meinen zuerst veröffentlichten Beitrag, in der empfehlenswerten Zeitschrift Publik Forum, Heft 11/2017, lesen Sie hier mit einem weiteren Thesenpapier, das aus einer Diskussion hervor gegangen ist. Dass selbst Mitglieder des Augustinerordens heute wenigstens leise, aber deutliche Kritik an Augustins Erbsündenlehre äußern, lesen Sie bitte am Ende dieses Beitrags! Und sogar der treu-katholische Theologe und Historiker der frühen Kirche und der so genannten Kirchenväter, Pater Joseph Barbel, kritisiert den „kaum begreiflichen Eifer Augustins zur Widerlegung seines theologischen, die Freiheit verteidigenden Gegners, des Bischofs Julian von Eclanum“. Auch dazu mehr, siehe am Ende dieses Beitrags.

Die Diskussion über Sinn und Unsinn der christlichen Erbsünden-Lehre geht weiter, das zeigen die vielen Continue reading “Neues zur Erbsünde: Muss der christliche Glaube Angst machen?” »



Kardinal Meisner gestorben: Ein Kirchenfürst ist tot!

5. Juli 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben

Einige wenige Hinweise von Christian Modehn am 5. Juli 2017

Zum Tod eines Kirchenfürsten passt sehr gut ein lateinisches Zitat: „De mortuis nil nisi bene“ (Über Verstorbene darf nur gut gesprochen werden).

Aber bei diesem verstorbenen Kardinal Joachim Meisner kann dieser Grundsatz nicht gelten, wenn denn auch nur im Ansatz historische Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit eine Geltung haben sollen in einer demokratischen Öffentlichkeit.

Meisner war – milde gesagt – ein Kirchenfürst, der Continue reading “Kardinal Meisner gestorben: Ein Kirchenfürst ist tot!” »



Gegen die Erbsünde. Der Beitrag von Christian Modehn in PUBLIK FORUM

24. Juni 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Theologische Bücher

Ohne Erbsünde glauben! Warum sich das Christentum von dieser verhängnisvollen Lehre befreien sollte.

Von Christian Modehn Juni 2017, PUBLIK FORUM.

Papst Benedikt XVI. nahm seinen ganzen Mut zusammen, als er am 20. April 2007 die Lehre vom »Limbus puerorum« abschaffte. Diese Lehre, die ein heutiger Christ kaum kennt, geschweige denn nachvollziehen kann, reicht zurück bis in die Anfänge Continue reading “Gegen die Erbsünde. Der Beitrag von Christian Modehn in PUBLIK FORUM” »



Krzysztof Charamsa, Theologe und Kaplan seiner Heiligkeit, legt das schwule Leben im Vatikan etwas frei

3. Mai 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Termine, Theologische Bücher

Krzysztof Charamsa, Priester und führender Mitarbeiter in der vatikanischen Glaubenskongregation, über Leben, Lieben und Lust der Glaubenswächter.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 3. 5. 2017

Der italienische Untertitel des jetzt auch auf Deutsch erschienenen Buches von Krzysztof Charamsa „Der erste Stein“ ist noch treffender: „Ich, ein schwuler Priester, und meine Rebellion gegen die Scheinheiligkeit (Heuchelei) der Kirche“. Das Buch ist tatsächlich Ausdruck einer Rebellion, des Aufstandes, der Erhebung, der Revolte. Ob diese tatsächlich ausgelöst wird, hängt auch davon ab, wie viele Theologen, Priester, Ordensleute und Bischöfe dieses Buch lesen und daraus Konsequen ziehen. Vielleicht sollten die Verlage dieses Buch jedem Bischof als Geschenk zu Pfingsten zusenden…

Auf Deutsch ist der Untertitel eher zurückhaltend „Der erste Stein“. Mit dem Untertitel „Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche“. Das Buch ist Ende April 2017 bei C. Bertelmann erschienen.

Es ist auch für die Interessenten des Religionsphilosophischen Salons wichtig, weil Religionskritik ein ständiges Thema bleibt. Das Buch ist keineswegs eine bloß aufgeregte, Neugier weckende „Skandalstory“. Es bietet vielmehr die Möglichkeit, durch die Erkenntnisse eines Insiders hinter die (tatsächlich auch im materiellen Sinne vorhandenen) Festungsmauern des Vatikans zu blicken.

Dieses Buch ist ein Dokument, das diese Mauern zwar nicht einreißen wird, aber doch etwas ins Wanken bringen könnte. Es ist wichtig für alle, die die innere Verfasstheit der klerikalen Mitarbeiter an der Spitze der römischen Kirche, also in der Glaubensbehörde, verstehen wollen. Mindestens jeder zweite Priester ist homosexuell, so betont das Buch, aber kaum einer lebt das offen, verzichtet also auf seine persönliche Identität. Das gilt auch für die Kirchenzentrale. Sie wird von Männern geführt, die „scheinheilig“ sind, wie der Buchtitel sagt. Das gerade im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 freizulegen, als seit 1517 durch den Mönch Martin Luther die Welt des zölibatären Klerus wenigstens für die evangelischen Kirchen abgeschafft wurde, ist von besonderem Reiz. Das Buch zeigt einmal mehr die jetzt auch wieder allgemeine Erkenntnis, wie wenig sich das System und die Lehren der römischen Kirche tatsächlich durch Luther, auch nur entfernt, „berühren“ oder gar verändern lassen. Alles katholische Rede von ökumenischen Fortschritten heute ist angesichts dieser Dokumente doch sehr marginal

In jedem Fall: Das Buch von Krzysztof Charamsa ist ein durchaus historisch zu nennendes Dokument. Wer einen Vergleich will: Es ist so, als würde eines der führenden Mitglieder an der Spitze einer Parteizentrale das innere Leben, etwa die Korruption und die Verlogenheit dieser Parteizentrale freilegen. Das passiert weltweit selten, weil die Karriere wichtiger ist als das Zeugnis der Wahrheit.

Krzysztof Charamsa jedenfalls hat auf seine glänzende Karriere in der römischen Glaubensbehörde verzichtet. Immerhin hatte er den Ehrentitel Monsignore erhalten und durfte sich als „Kaplan seiner Heiligkeit“ ansprechen lassen.

Das Buch zeigt, dass im Reich des Papstes Scheinheiligkeit stärker ist als die nach außen hin gezeigte Heiligkeit.

Charamsas im engeren Sinne historisch-theologischen Publikationen in italienischer Sprache von 2002 bis 2014 sind eher von einem traditionellen theologischen Konzept, etwa den Interpretationen des mittelalterlichen Thomas von Aquin, geprägt. Er ist als Konservativer, vom Katholizismus Begeisterter, zum Rebellen geworden. Es gab den Bruch, das Nicht mehr Aushalten können der ständigen Verlogenheit, das ihn zum radikalen Abstandnehmen vom System führte: Krzysztof Charamsa hat sich in aller Öffentlichkeit am 3. Oktober 2015 in Rom als schwuler Priester, als Monsignore, als Theologiedozent und führender Mitarbeiter in der Glaubensbehörde, deren Chef der Deutsche Kardinal Müller ist, geoutet und sich zu seinem Partner bekannt. Selbstverständlich wurde er danach von dem zuständigen polnischen Bischof aller seiner Ämter entbunden und als Priester suspendiert, d.h. er darf in der Sicht Roms keine priesterlichen Funktionen mehr ausüben.

Das Buch bietet viele Erkenntnisse zum Zustand der katholischen Kirche, diese Erekenntnisse können hier natürlich nicht in der gebotenen Ausführlichkeit besprochen werden. chließlich soll eine Buchkritik nicht die Lektüre ersetzen, dass die Lektüre empfohlen wird, ist klar.

Es bietet eine Biographie des aus Polen stammenden Autors.

Es berichtet über den Zustand der katholischen Kirche in Polen nach der Wende, über die maßlose hysterische Verehrung des polnischen Papstes, den Kult um seine Denkmäler usw. „Der polnische Klerus besteht aus ideologischen Manipulatoren“ (Seite 53).

Interessant und kaum zu glauben ist der Zustand der offenbar miserable Zustand der Priesterseminare in Polen, nicht nur das schlechte Essen, vor allem das schlimme Niveau der dort gelehrten bzw. eingepaukten Theologie. “Die theologischen Hochschulen, Priesterseminare also, sind große Kasernen , „in denen die Rekruten eines Heeres gedrillt wurden, das im Dienst einer restriktiven Ideologie stand“ (S. 72). Nebenbei: Diese Priester werden nach ganz Europa geschickt, um den im Westen aussterbenden Klerus zu ersetzen…

Überhaupt die Theologie, das wäre ein eigenes Thema: Man erlebt einmal mehr, dass diese dort in den Seminaren Kirchen- Lehre offenbar nur mit Mühe noch Wissenschaft zu nennen ist.

Das Buch zeigt, wie die vielen homosexuellen Priester im Vatikan sich permanent selbst verleugnen und sogar zu expliziten Feinden der Schwulen werden, bloß um nicht aufzufallen und korrekt zu erscheinen. Diese Freilegung des Lügen-Systems, in das der einzelne homosexuelle Priester und Theologe gezwungen wird, ist wohl psychologisch und religionsphilosophisch am bedenklichsten. Theologen, die sich selbst ständig belügen und keine (sexuelle) Identität haben dürfen, kontrollieren als Mitarbeiter der Glaubensbehörde jene Theologen, denen man vorwirft, gegenüber dem Lehramt zu lügen, Irrlehren zu verbreiten. Lügner kontrollieren also so genannte Lügner. Denn die angeblichen „Ketzer“ sind ja nur solche, die kreativ die Theologie etwas voranbringen wollen. Und dann verfolgt werden.

In dem Buch nennt der Autor seine Behörde, die Glaubenskongregation oft „Inquisitionsbehörde“.

Über Papst Franziskus wird oft voller Zustimmung gesprochen. Nur glaubt der Autor nicht, dass der Papst sich gegen die Macht des vatikanischen Apparates durchsetzen kann. Er berichtet, dass bei einem Kongress über die Ehe (gemeint war der Kamf gegen die Homoehe) der Papst sogar eine Rede abgelesen hat, die die konservativen Veranstalter ihm „aufgesetzt hatten“ (S. 175).

Insgesamt zeigt das Buch lang und breit, dass die Mitarbeiter der Glaubenskongregation permanent und ständig vom Thema Homosexualität wie getrieben sind, als gäbe es nichts anderes in dieser Kirche und dieser Welt. In dieser Fixiertheit zeigt sich einmal das narzisstische Verhalten dieser Kleriker. Sie kennen nur sich und die Verleugnung ihrer Identität, um Karriere zu machen, vielleicht einmal Bischof zu werden etc…

Bitter böse ist etwa ein Text, wie ein Gebet, von Krzysztof Charamsa formuliert auf Seite 177: „Gott, segne den Papst und seine Kirche. Aber Gott, halte sie fern von uns. Seine Leute (also der Klerus) können der Menschheit nicht länger den rechten Weg weisen….

An anderer Stelle ein ähnlicher Gedanke: „Das starre System der Kirche muss zerstört werden, damit sie wieder zu einer Kirche der Menschen werden kann, wie ich einer bin“ (S. 280).

Mein Coming out habe ich „der Kirche mit aller Macht ins Gesicht geschrieen“ (280). Mit diesem Buch will Krzysztof Charamsa „nur einen ersten Stein legen, einen Grundstein zu einem Leben in Freiheit“ (259). Zusammenfassend: Charamsa hat „ das Reich der Lüge hinter sich gelassen“ (Seite 281)

Fragen zum Buch:

Bei einer weiteren Auflage des Buches würde ich mir wünschen, dass Krzysztof Charamsa erklärt, warum er das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. das „schwulste Pontifikat der Neuzeit“ (S. 165) nennt, sicher weil der deutsche Papst die alten hübschen Gewänder und roten Schuhchen wieder aus der Mottenkiste hervorholte und den Pomp liebte. Sicher auch, dass seine Texte gegen Homosexuelle vor Menschenrechts-Gerichten hätten verhandelt werden müssen. Aber warum mag Charamsa diesen Papst? Warum sagt er kein Wort zu den nun einmal überall kursierenden Erzählungen, von Zeugen belegt, Ratzinger sei selbst „betroffen“, also schwul. Das ist überhaupt nicht schlimm. Schlimm ist die Verleugnung dieser Identität, die zur Verfolgung derer führt, die eben nicht so verklemmt sind wie man selbst!

Bei einer weiteren Auflage des Buches würde ich mir wünschen, dass ausführlicher auf seine Tätigkeit als Dozent in der Universität des Ordens Legionäre Christi in Rom eingeht. Eine Seite zu dem Thema ist zu wenig über diesen immer noch einflussreichen Orden, der jetzt überlebt, ohne seinen Gründer auch nur nennen zu dürfen, nämlich den pädophilen Verbrecher Pater Marcial Maciel. Ein Orden, der förmlich vor Geld stinkt, wie mexikanische Journalisten dokumentieren. Es ist für die Unabhängkeit der Wissenschaft eigentlich ein Skandal, wenn Leute aus der Glaubensbehörde auch noch als Theologiedozenten in der Uni der genannten Legionäre Christi wie auch der Jesuiten-Universität Gregoriana tätig sind. was ist das für ein Niveau? Offenbar findet man diesen Niedergang freier wissenschaftlicher Forschung in Rom normal. Wie wäre es also, dem vatikanischen Vorbild folgend, wenn Beamte des BND Vorlesungen zur Sicherheitspolitik an der Uni halten? Oder der Innenminister als Professor einer Uni die innere Ordnung Deutschlands lehren würde…

Interessant wäre es, wenn man erfahren könnte, wie viel der so gefragte Theologe und Prälat Charamsa als ein hoher Funktionär in der Glaubensbehörde monatlich verdient hat. Woher kommt das Geld für alle diese klerikalen Diener des Systems? Denn die privaten Reisen, von denen die Rede ist, sind ja selbst mit Billigfliegern nicht ganz gratis. Und wie und wo wohnte er als Kaplan seiner Heiligkeit? Vielleicht Seite an Seite mit Kardinal Müller? Da kann man doch Klartext reden!

Dass der Autor keine Namen der offenbar scharenweise homosexuellen Priester in der Glaubenskongregation ist ein bisschen verständlich, man will sich kostspielige Prozesse ersparen. Aber einige Namen betroffener Prälaten usw. sind ja auf anderem Wege doch schon in die Öffentlichkeit gelangt. Warum diese enorme Angst?

Merkwürdig kurz fällt auch der Hinweis auf das reaktionäre polnisch-katholische Rundfunk/Fernsehimperium MARYJA aus. Mich würde interessieren, warum scheitern alle Versuche, den Gründer dieser Propaganda-Maschine, Pater Rydzyk vom Redemptoristenorden, aus dem Verkehr zu ziehen?

Auch über die theologische Fakultät in Lugano (Schweiz) hätte man gern mehr erfahren, an der Krzysztof Charamsa einige Jahre studierte. Diese Fakultät gilt als Zentrum sehr konservativer religiöser Gemeinschaften, wie dem Neokatechumenat. Auch Professoren dieser Lehranstalt, wie Manfred Hauke, er war Assistent bei dem Traditionalisten Prof. Ziegenaus in Augsburg, gehören dem sehr konservativen Flügel an.

Trotz dieser offenen und natürlich vom Autor gewünschten kritischen Fragen (das ist ja demokratische Kultur) ist das Buch durchaus ein historisches Dokument. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte gibt es ein „coming out“ eines prominenten „Kaplans seiner Heiligkeit“. Die traurige Geschichte der Homosexuellen, über die wir so wenig wissen, weil alle Zeugnisse immer vernichtet wurden, bekommt durch das Buch eine neue, durchaus befreiende Bedeutung.

Wird der Apparat der Kirche so dumm sein, und dieses Buch übersehen? Ignorieren? Polemisch belächeln? Schon möglich. Die Macht des Apparates ist leider immer noch gewaltig und gewalttätig. Wie viele Menschen, wie viele Homosexuelle, sind durch die perversen Verurteilungen aus Rom in ihrem Leben irritiert und zerstört worden? Wer spricht von den vielen Opfern? Wann finden Bußgottesdienste der (selbst schwulen) Kardinäle in Rom statt, in denen sie sich heftig entschuldigen, für alles Leid, das sie und ihre Vorgänger homosexuellen Menschen angetan haben und antun. Die Festpredigt sollte dann der Priester Krzysztof Charamsa halten. All das wird in diesem Jahrhundert nicht mehr passieren. Die Mauern des Vatikans sind „ewig“, und die Insassen dieses geistigen (leiblichen) Gefängnisses sind noch stolz auf diese „Ewigkeit“…

Copyright: Christian Modehn . Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 



Benedikt der Sechszehnte wird neunzig: Der konservative „EX-Papst“ im Hintergrund.

4. April 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Termine, Theologische Bücher

Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., wird am 16. April 2017 90 Jahre alt

Hinweise von Christian Modehn

Der Chefredakteur der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ (München), der Jesuiten Theologe Andreas Batlogg, hat nach dem Erscheinen des Interviewbuches mit Joseph Ratzinger (Ex-Papst Benedikt XVI.) recht mutig im Deutschlandfunk (9.9.2016) gesagt: Das neue gemeinsame Buch mit Peter Seewald „Letzte Gespräche“ (erschienen im September 2016) „dürfte es eigentlich nicht geben“. Es sei stillos, wenn Ratzinger den gegenwärtigen wirklichen und wirkenden Papst Franziskus „in diesem Buch kommentiere“. So werde der Eindruck geweckt, Joseph Ratzinger sei doch noch irgendwie als Papst tätig… Dabei hatte er versprochen, nach seiner Abdankung (am 28.2.2013) zu schweigen. Aber wer einige Meter vom tatsächlichen Papst entfernt wohnt und nicht etwa im bayerischen „Gnaden“-Ort Altötting, der beobachtet alles, hört alles und redet auch mal wieder, um seine bekannten, mindestens sehr konservativ zu nennenden theologischen Meinungen zu verbreiten.

Pater Batlogg sagte in der Radiosendung: „Ich denke Benedikt ist sich treu geblieben. Er ist sich treu geblieben, ich bin da (in dem Buch, CM) Feindbildern und Klischees begegnet, die ich aus den 70er Jahren kenne… Ich merke, da hat er Feindbilder, die er über Jahrzehnte behalten hat, und jetzt, wo er wieder viel fitter ist als bei seinem Rücktritt im Februar 2013, da kommen diese Dinge wieder. Ich denke er schadet sich damit selbst“.

Wohl wahr… Aber diese Worte des EX – Papstes helfen auch all den vielen Prälaten, Kardinälen und reaktionären „neuen“ geistlichen Gemeinschaften usw., die ihm, dem Benedikt, verbunden sind und förmlich darauf warten, dass der „alte Geist, der Ratzinger- Geist“, wieder herrscht. Solches freut doch den munteren Ex-Papst. Noch nie wurde wohl von Konservativen bzw. reaktionären Katholiken das Verschwinden eines Papstes so ersehnt wie das Ende von Papst Franziskus. Es gibt bekanntlich Bücher katholischer Journalisten, die den Hass auf Papst Franziskus dokumentieren, wie etwa „Les ennemis du Pape“ (Bayard Presse, Paris, 2016. „Die Feinde des Papstes“. Mit dem tatsächlichen Untertitel: „Über jene, die seinen Tod wollen“; Autor ist der sehr katholische Journalist Nello Scavo. Es werden bald Studien erscheinen, warum wohl Papst Franziskus bei Begegnungen mit ihm Wohlgesinnten immer wieder diese förmlich anflehte: “Betet für mich“. Diese permanente Häufung von Gebets-Wünschen lässt auch Böses ahnen…

Nun wird Joseph Ratzinger am 16. April 2017 90 Jahre alt. Uns interessiert nicht so sehr, ob irgendwelche lieben Domspatzen oder Altöttinger Liebfrauen-Brüder ihn beehren werden und bayerische Schweine-Schmankerl mitbringen.

Wir entsprechen nur den Nachfragen einiger LeserInnen dieser Website: Sie baten darum, noch einmal einige zentrale Texte aus unseren Forschungen zu Ratzinger zugänglich zu machen. Dabei ist für mich keine Vollständigkeit erreichbar. Etwa die Themen „Unterdrückung der Kenntnis und der Bestrafung sexueller Täter in der Zeit von Ratzingers Tätigkeit als oberster Glaubenschef in Rom“ werden nicht erwähnt, das haben andere schon getan. Im Rahmen unserer Forschungen zu dem entsprechend belasteten Orden der „Legionäre Christi“ wurde hingegen oft von Ratzinger/Benedikt XVI. gesprochen.

Tatsache ist und die ist wichtig für die Geschichte der katholischen Religion: Unter Benedikt XVI. wurde die traditionelle Kirche, ganz auf den zölibatären Klerus fixiert, weiter gestärkt. Mit all den katastrophalen Folgen durch Priestermangel in den europäischen und nordamerikanischen Gemeinden. Tatsache ist weiter, dass dieser Papst die evangelischen Kirchen nie als Kirchen anerkannt hat. Hingegen schwadronierte Benedikt XVI. von einer Versöhnung mit den, Verzeihung, theologisch weithin verkalkten und oft korrupten orthodoxen Staatskirchen. Wer will mit Putin-Patriarchen und Bischöfen schon „eins“ werden und im uralten, dort üblichen Kirchenslawisch Gesänge schmettern?

Es werden hier also nur einige Beispiele, seit 1968, und einige Grundhaltungen des Theologen Ratzinger aufgezeigt, die er als Papst nicht aufgeben wollte und konnte. Ratzinger hatte ja bekanntlich seine private Theologie als DIE Theologie des Katholizismus vertreten und mit Gewalt verteidigt und durchgesetzt. Ihn inspirierte völlig der Kirchenvater Augustinus (gestorben 430) und eben nicht Karl Rahner oder Hans Küng.

Zu einem längeren biographischen Hinweis zur politischen Rechtslastigkeit Ratzingers seit 1968 klicken Sie hier.

Zum Widerspruch Benedikts gegen Formen des so genannten Relativismus klicken Sie hier.

Zu seiner Ehelehre und der Zurückweisung jeglicher Homo-Ehe klicken Sie hier.

Zu dem merkwürdigen Phänomen der ins Idolatrie abgleitenden Papsthymnen bei seinem Besuch in Mexiko klicken Sie hier.

Die Versöhnung mit den reaktionären Pius-Brüdern (gegründet von Erzbischof Marcel Lefèbvre) ist sicher eine der schwer wiegendsten Entscheidungen Benedikt XVI., sie zeigt wohl auch seine versteckten und unausgesprochenen Sympathien für diese angeblich so treu ergebenen katholischen Kreise… Über die so gütigen, verständnisvollen Bemühungen Ratzingers/Benedikt XVI., mit diesen auch politisch reaktionären, oft dem FN nahe stehenden traditionalistischen Kreisen (in Frankreich) zu einer Versöhnung zu kommen, wird in dem Bericht zur politischen Rechtslastigkeit Ratzingers gesprochen. Besonders die Affäre um den FN –Freund Abt Calvet von Le Barroux ist unvergessen: Dieses traditionalistische Benediktinerkloster versöhnte sich mit dem Papst, durfte aber die eigene reaktionäre Theologie und Politik ungebrochen fortsetzen. Calvet war ein Freund des Pétain Anhängers und Nazis Paul Touvier….Der Abt zeigte sich verständnisvoll für die Brandstifter, die das Kino „St. Michel“ in Paris 1988 anzündeten, als dort der Scorsese Film „La dernière tentation de Jésus“ gezeigt wurde. Die Brandstifter machten übrigens ihre Exerzitien in seinem Kloster. Diese Versöhnung mit Le Barroux und weiteren reaktionären Klöstern ist eine der ganz dunklen Seiten in der Theologie und Kirchenpolitik Ratzingers. Über sie wird kaum noch gesprochen. Die Versöhnung mit dem Papst wurde im Kloster „Le Barroux“ übrigens groß gefeiert, Kardinal Mayer OSB reiste aus Rom eigens an und feierte die Messe mit vielen rechtsextremen Frommen, wie etwa Bernard Anthony vom FN und dem Chefredakteur der FN Zeitung „Présent“ Jean Madiran. Ratzinger jedenfalls meinte unschuldig und nach außen naiv: „Die traditionalistische Messe auf Latein (d.h. der Priester spricht still seine Texte vor sich hin, mit dem Rücken zum schweigenden, bzw. den Rosenkranz betenden Volk,CM) ist ein Bollwerk für den Glauben“ (Viele Details sind nachzulesen in der wichtigen Studie „Des Intégristes très intégrés“ in: Les Dossiers du Canard, „Les Cathocrates“, Paris 1990, Seite 20 f.).

Zu Abt Dom Gérard einige Hinweise sogar auf Englisch vom Kloster selbst: https://www.barroux.org/en/nos-fondateurs-articles/dom-gerard-en.html

Ein eigenes Thema wäre: Wie betreibt Papst Franziskus die weitere Versöhnung mit den Pius-Brüdern? Manche kundigen Beobachter sagen: Die Versöhnung steht bevor. Warum wohl? Weil diese Piusbrüder eben viele junge Priester haben. Die sind ja absoluter Mittelpunkt im katholischen Denken! „Der Klerus muss herrschen“. Das ist die selten besprochene, aber tatsächlich wichtigste Botschaft des Vatikans im Reformationsgedenken 2017.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.