Der nächste Salon



Was tun? Ein philosophischer Salon über den Mut, diese schwierige Tugend.

13. September 2017 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 15. September 2017 um 19 Uhr in der Galerie Fantom in der Hektorstr. 9 in Berlin-Wimersdorf statt.

Angesichts der allgemein erfahrenen Hilflosigkeit gerade auf dem politischem Feld stellt sich die Frage: Was können wir (noch) tun? Diese Frage wird zu einer Reflexion über die schwierige (politische) Tugend, den MUT. Wir werden uns austauschen und dabei u.a. die Bücher „Was tun ?“ des französischen Philosophen Jean Luc Nancy im Hintergrund  mit bedenken (das Buch erschien im Diaphanes Verlag) und der deutschen Philosophin Hilal Sezgim „Nichtstun ist keine Lösung“ (Dumont Verlag). Es geht also um mehr Klarheit zu dem Thema: Was tun wir notgedrungen immer schon? Was können wir in unserem gemeinsamen Tun so verändern, dass noch (politische) Verbesserungen in der allgemeinen Misere möglich sind. Aber was wären die Maßstäbe für ein neues, besseres gemeinsames Tun? Und warum tun wir in der Hinsicht so wenig gemeinsam? Fehlt uns der Mut? Es ist so gar ein Zeichen für die gelebte Tugend Mut, in dem Zusammenhang auch über (eigene, gemeinsame) Faulheit, Trägheit, Ausreden, Resignation nachzudenken?  Lassen wir es zu, dass uns die „miesen Verhältnisse“ unsere Lebendigkeit abtöten?

Herzliche Einladung. Für die Raummiete bitte ich um einen Beitrag von 5 Euro.

Anmeldundungen sind erwünscht an: christian.modehn@berlin.de



An welchen Gott können wir, sollten wir, heute glauben? Ein religionsphilosophischer Salon anlässlich des „Thesenanschlags“ vor 500 Jahren.

12. September 2017 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Der nächste Salon, Termine

Der Thesenanschlag Martin Luthers vor 500 Jahren kann naturgemäß vom Religionsphilosophischen Salon Berlin nicht einfach übersehen werden. Das weiß nun jede(r): Am 31.10.1517 wurde eine Wende in der Geschichte nicht nur der Religionen eingeleitet… Wir stellen uns also in unserer Sitzung am Freitag, den 20. Oktober 2017, um 19 Uhr, dieser aktuellen (!) Reformations – Frage, die ein heutiger Luther stellen müsste:

An welchen Gott (Göttin) können wir, sollten wir, wollen wir heute glauben und … diesen Gott (be)denken.

Dabei stellen wir uns auch philosophisch die Frage: Selbst wer sagt, an keinen Gott zu glauben, der also das Glaubens – Bekenntnis des Atheisten ausspricht, hat doch irgendeinen anderen Gott, verstanden als absoluten Mittelpunkt in seinem Leben? Der Salon am 20. Oktober könnte auch zu einem mehr persönlich „gefärbten“ Gespräch werden, um einmal den üblichen, richtigen „Abstand“ vom eigenen Meinen und Fühlen im philosophischen Reden ein wenig abzuschwächen.

Herzliche Einladung also zu einem Gespräch, das auch der Reformation eigenen Denkens und Handelns dienen kann.

Wir treffen uns in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Wilmersdorf. Zur Einstimmung gibt es viele Bücher und Texte. Eine Möglichkeit ist etwa: Die „neun komma fünf Thesen“ (anstelle der 95 von Luther), die ich hoffentlich als  Provokation auf diese website vor längerer Zeit schon gestellt habe.

Anmeldung also wegen der begrenzten Anzahl der Plätze erbeten an: christian.modehn@berlin.de



Salon am Freitag, den 23. September 2016: „Erfindet euch neu!“

3. September 2016 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Philosophische Bücher, Termine

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am FREITAG, den 23. September 2016, um 19 Uhr in der Kunst-Galerie Fantom in der Hektorstr. 9 in Wilmersdorf statt. Das Thema wird sich auf das Buch des französischen Philosophen Michel Serres beziehen: „Erfindet euch neu!“ (bei Suhrkamp erschienen, 77 Seiten, 8,30 €).

Dr. Hans Blersch, Mathematiker und praktischer Philosoph und etlichen Teilnehmern unseres Salons bereits bekannt, wird uns in das Thema einführen. Die These von Michel Serres, wie sie auf dem Buch Cover „Erfindet euch neu“ mitgeteilt wird, heißt: „In der kurzen Zeitspanne, die uns von den siebziger Jahren (1970 ff.) trennt, ist ein neuer Mensch geboren worden. Er oder sie … kommuniziert nicht mehr auf die gleiche Weise, nimmt mehr dieselbe Welt wahr, lebt nicht mehr in derselben Natur“ (wie etwa Michel Serres, Jahrgang 1930!). Ist also (schon wieder ?) ein Bruch der Generationen entstanden? Ist die junge Generation (in Europa oder weltweit ?) der alten überlegen? Hat die ältere Generation die Chance, sich neu zu erfinden? Dies sind nur einige Fragen, die sich spontan stellen.

In jedem Fall: Herzliche Einladung. Und – wegen der begrenzten Plätze – bitte Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de   Teilnahmegebühr für die Raummiete: 5 Euro. Studenten bezahlen nichts… Es wird ein interessanter Gesprächs-Abend zur Möglichkeit, „sich neu zu erfinden“…



Das „goldene Zeitalter“: Realität und Utopie. Ein philosophischer Salon.

4. Juni 2016 | Von | Kategorie: Denkbar, Der nächste Salon, Termine

Einen ausführlichen Beitrag vom 16.7.2016 über das „siglo de oro“, das „Goldene Zeitalter in Spanien“ mit dem Titel „Das goldene Jahrhundert:Es war gar nicht so golden“ können Sie nachlesen, klicken Sie hier.

Dies ist die Einaldung zum salon am 15.7.2016:

Der Religionsphilosophische Salon im JULI findet am Freitag, den 15. Juli 2016 in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf statt. Anläßlich der großen Ausstellung „El siglo de Oro“ (Spanien im 17. Jahrhundert und die spanischen Künstler) in der Gemäldegalerie (ab 1.7. 2016) wollen wir die Hintergründe (künstlerisch, philosophisch, religiös) näher verstehen, vor allem, was denn wirklich das „Goldene Jahrhundert“ bedeutet. Denn „golden“ waren vor allem die Arbeiten der großen Maler, die sich allerdings sehr zurückhielten, wenn es um die Darstellung der elenden Lebensverhältnisse der Bevölkerung ging. Der Hof, vor allem der von Philipp IV., lebte am Rande des Bankrotts. Die Gesellschaft war gespalten in stolze „Altchristen“ und in Konvertiten aus dem Judentum, denen die „Altchristen“ nicht trauten, weil sie in antisemitischem Wahn eben Juden unter diesen Katholiken vermuteten. Das „goldene Jahrhundert Spaniens“ ist also ein ideologisches Konstrukt, wenn man auch die verheerenden Zustände (Verletzung der Menschenwürde der „Indianer“ usw.) in den südamerikanischen Kolonien betrachtet und an den aussichtslosen Kampf einiger Dominikanermönche, wie Bartholomé de la Casas, berücksichtigt.

Warum haben Menschen immer Sehnsucht nach dem goldenen Jahrhundert, em Goldenen Zeitalter, was war golden in den goldenen Zwanziger Jahren in Berlin? Für wen waren sie goldig, für wen waren sie bleierne Zeiten?

Darüber hinaus sprechen wir über die Sehnsucht (unsere Sehnsucht ?) nach dem Goldenen Zeitalter als Mythos und Utopie.

Ein Abend, voller Perspektiven, die dann um so intensiver wahrgenommen werden, wenn die TeilnehmerInnen  zuvor die Ausstellung besuchen oder sich mit den Künstlern (Velázquez u.a.) und Theologen (z. B. den umstrittenen Jesuiten Balthasar Gracian) in dieser Zeit in Spanien intensiver beschäftigen. Der ungarische Philosoph Béla Hamvas nannte etwa die Zwerge des Velázquez Philosophen…

Herzliche Einladung! Für die Raummiete: 5 Euro. StudentInnen haben freien Eintritt.

Eine weitere inhaltliche Ergänzung am 7.7.2016:

Die große Ausstellung „El siglo de oro“, „Das goldene Jahrhundert“, zur Zeit in der Gemäldegalerie, ist der Anlass unseres Themas: Was ist das goldene Zeitalter? Unter welchen Bedingungen wird von wem eine bestimmte Epoche „golden“ genannt bzw. als golden verklärt?

Haben wir in unserem Leben auch die Tendenz, bestimmte eigene Lebenszeiten oder die erlebte politische Geschichte als golden oder gar goldig zu (v)erklären?

Über diese Fragen werden wir uns unterhalten. In jedem Fall geht es also um Ideologiekritik:

Die Werke des „Siglo de Oro“, Velazquez, Zurbaran und die vielen hierzulande noch unbekannten Meister im 17. Jahrh henswert, sehr individuell, berührend, zum Teil mit ganz sanfter Herrschaftskritik.

Aber in unserem Salon wird deutlich: Alle diese Gemälde waren bestellte Arbeiten, bestellt von den Königen und inhaltlich dirigiert von der allmächtigen katholischen Kirche. Gerade sie sorgte für die unendliche Wiederkehr immer desselben Themas: der gekreuzigte Christus… Als gäbe es nichts anderes in dieser (schönen, furchtbaren) Welt. Wird da die Gewöhnung ans Leiden versteckt sprituell propagiert?

Wir werden uns mit einem außergewöhnlichen Philosophen dieser Zeit befassen, mit Baltasar Gracián aus dem Jesuitenorden, besonders mit seinem viel gelesenen Werk „Handorakel und die Kunst der Weltklugheit“ (bei Fischer auf deutsch erschienen, übersetzt von Artur Schopenhauer (sic!). Gracián vertritt eine Weisheitslehre, die ganz auf das erfolgreiche Überleben des einzelnen in einer feindlichen Umgebung setzt. Aus Angst vor der allmächtigen Inquisition in diesem angeblich goldenen Zeitalter empfiehlt er u.a. die Kunst, sich richtig zu verstellen…Gracian wurde dann von seinem Orden bestraft…

Hilfreich ist auch für Spanien-Freunde die Lektüre des kritischen Buches des spanischen Philosophen Juan Goytisolo „Spanien und die Spanier“ bei Suhrkamp erschienen, auf den ersten Seiten wird die ganze machtvolle Tristesse Spaniens erläutert nach der Vertreibung der Muslime aus dem Land der erzwungenen Konversion der spanischen Juden. Nicht golden, sondern eisern war dieses 17. Jahrhundert. Und man fragt sich, warum ausgerechnet jetzt, mitten in der tiefen europäischen Krise, auch der politischen Krise Spaniens, der Flüchtlingsabwehr in ganz Europa usw., eine Ausstellung „Goldenes Zeitalter“ gemacht wird. Soll Kunst noch etwas Glanz in trübe Zeiten bringen?

Bitte vormerken: Am Freitag, den 26. August 2016, machen wir wieder -am Ende der Berliner Schulferien- unseren kleinen „Ausflug im Sommer“. Diesmal fahren wir in den vielen sicher noch unbekannten schönen Stadtteil Karlshorst und treffen dort um 10 Uhr den Pfarrer der Gemeinde, Edgar Dusdal. Er spricht mit uns über die vielfältigen Formen des persönlichen und politischen Erinnerns. Zudem werden wir die ungewöhnlich wertvolle Orgel der Karlshorster Kirche kennen lernen, die Amalien-Orgel, die bedeutendste Barockorgel Berlins, geschaffen 1755 und original erhalten. Auch dies ein besonderes Ereignis.

Danach besuchen wir das „Deutsch-Russische Museum“ in Karlshorst, das sicher viele noch nicht kennengelernt haben. Das passt gut zum Thema: Was heißt politische Erinnerungheute? Selbstverständlich gibt es danach genug Zeit für ein gemeinsames Essen und weiteres Debattieren.

In den vergangenen Jahren haben wir als Sommer Ausflug Jüterbog und Kloster Chorin besucht.

 

 

 



Satt und übersättigt. 48 Stunden Neukölln. Ein philosophischer Salon in der „Sinnesfreude“

12. Mai 2016 | Von | Kategorie: Denkbar, Der nächste Salon, Termine

SATT ist das Thema des bekannten Kunst-Festivals „48 Stunden Neukölln 2016“. Der religionsphilosophische Salon Berlin ist am FREITAG, den 24. JUNI 2016, ab 19 Uhr wieder einmal von der Weinhandlung Sinnesfreude (Leitung: Wolfgang Baumeister) eingeladen, mit ihm und einigen seiner Gäste zusammen einen philosophischen Abend zu gestalten… und den dort immer wertvollen Wein zu probieren.

Natürlich geht auch unser Gespräch um das Thema SATTsein und Übersättigung und Hunger. Das Motto hat natürlich auch im materiellen (auch medizinischen) und politischen Sinne  seine Bedeutung. Aber es hat auch eine philosophische Dimension: Sind wir (in Europa) von Informationen bereits übersättigt? Können wir noch die Informationen auswählen, die ein selbstbestimmtes Leben und den Aufbau einer gerechteren Welt fördern? Sind wir wie so viele Hungrige im gastronomischen Bereich nur noch an die üblichen fast-food-Speisen gewöhnt? Also Talkshows, Schlagzeilen, Propaganda-Sprüche und versteckte Werbung? Wissen wir eigentlich noch, was gut – auch im geistigen Sinne – schmeckt, guttut, bekömmlich und schön ist? Was heißt eigentlich Diät im Sinne einer Philosophie der Lebenskunst? Was wäre Fasten im philosophischen Sinne?

Zur Fülle des Wissens, mit der die Menschen heute ihren intellektuellen Hunger befriedigen können: „Die Informationsexplosion hält unvermindert an (was nicht unbedingt heißt, dass auch das Wissen explodiert). Digitale Daten werden heute in Gigabytes, Terabytes,  Petabytes und Exabytes (Trillion Bytes) gemessen… Kein Wunder, dass Rufe nach einem `Wissensmanagement`laut werden“, so Peter Burke, in „Die Explosion des Wissens“ , Berlin 2014, Seite 316. Peter Burke spricht von einer „Mcdonaldisierung des Wissens“ oder kurz „McKnowledge“, gekennzeichnet durch Massenprodktion, Effizienzsteigerung durch Messung, Standardisierung, Ersetzung der Menschen durch Maschinen…

Ein philosophischer Salon im Weinladen könnte – nun schon zum 3. Mal – wieder spannend werden, und bei maßvollem Genuss des guten Weines dort sowieso inspirierend sein. Zumal noch die Arbeiten der Malerin Hannah Bischof in der „Sinnesfreude“ zu sehen sind!

Weinhandlung Sinnesfreude in Neukölln, Jonasstr.32, Tel. 030 629 00 323 . Dicht am U Bahnhof Leinestraße. Beginn 19 Uhr. Teilnahmegebühr incl. eines Gläschens Wein: 5 EURO.

Bitte um Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

Informationen zum Kunstfestival: http://www.48-stunden-neukoelln.de/

 

 



„Der Skeptiker ist ein verfehlter Mystiker“ . Über Emil Cioran. Salonabend am 20.5.2016

1. Mai 2016 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

„Der Skeptiker ist ein verfehlter Mystiker“.

Ein Zugang zum Denken des ungewöhnlichen Philosophen Emile Cioran.

Ein Salonabend am Freitag, den 20. Mai 2016 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9.

Mit dem Berliner Philosophen und Autor Jürgen Große.

Wegen der begrenzten Anzahl der Plätze: Anmeldung bitte an: christian.modehn@berlin.de



Für eine Philosophie der Auferstehung. Ein Salonabend. Fr., 18. März 2016

24. Februar 2016 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Der Salon am Freitag, den 18. März 2016 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, Berlin-Wilmersdorf,

hat angesichts des bevorstehenden Osterfestes das hoffentlich provozierende Thema:

Für eine Philosophie der Auferstehung.

Es gibt vieles zu verstehen, was die Auferstehung Jesu von den Toten angeht; man darf das Thema nicht den exklusiv frommen (wortwörtlichen) Deutungen überlassen. Es gibt eine kritische Betrachtung der Auferstehung Jesu, die gerade nicht zum Skeptizismus oder Atheismus führt, sondern ? Das kann jeder selbst entscheiden…

Darum erinnern wir u.a. an Hegels Lehre zu „Ist Gott tot??“, erinnern an Künstler wie van Gogh und Ernst Barlach, lesen ein Gedicht von Kurt Marti … schauen in das Markus-Evangelium und entdecken: Auch philosophisch Interessierten hat Ostern viel zu sagen…

Anmeldung -wegen der begrenzten Anzahl der Plätze – erwünscht: christian.modehn@berlin.de

 



„Das Privat-Eigentum und das Gemeinwohl“. Eine kritische Philosophie des Habens und Besitzens. Ein Salonabend…

27. Januar 2016 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Der nächste Salon, Termine

„Das Privat-Eigentum und das Gemeinwohl“. Eine kritische Philosophie des Habens und Besitzens…

Ein Salonabend am 26. 2. 2016 in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf. Beginn um 19 Uhr. Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

Wichtige Hinweise von Elisabeth Hoffmann u.a. zu den „Commons“: Siehe weiter unten.

Zur Einstimmung für unseren Salon empfehle ich eine ARD Dokumentation (2016) z. B. über die zunehmende Verarmung der so genannten Mittelschicht in Deutschland;  dies ist ein Film zugleich über die Tatsache, dass sich diese Kreise nicht wehren gegen die zunehmende, von Politikern (Schröder SPD und NachfolgerInnen) gemachte Verarmung:Man könnte doch etwa eine gerechte Steuer-Politik auch gegenüber den Reichen und Ultra-Reichen  dringend verlangen! Macht aber kaum jemand…  Schauen Sie sich diesen Film an:

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/wie-solidarisch-ist-deutschland-116.html

Dass jeder Mensch, um zu überleben, Besitz und Eigentum braucht, etwas, das ihm gehört, um das eigene Leben zu gestalten, ist keine Frage. Heute entsteht weltweit immer dringender die Frage: Wie riesig groß kann und darf um der Menschlichkeit der Menschen willen der Abstand zwischen (Ultra-) Reichen und Armen (also arm Gemachten) sein? Die Frage nach dem Eigentum hat die Philosophen spätestens seit John Locke befasst. Wir wollen auch nach dem Begriff des „Gemeinwohls“ fragen, als kritischem Korrektiv eines überdehnten Eigentum-Begriffes. Hintergrund ist die niemals verstummende Forderung nach einer gerechten Ordnung für alle, die auch den Armen Gleichberechtigung bietet. Die Idee (als reale Forderung)  einer gerechten Welt ist zentrale Lehre des Christentums. Man sollte in einem modernen Verständnis des Christentums sagen: Der christliche Glaube ist der Glaube an die stets weiter zu entwickelnden Menschenrechte! Das gilt, trotz aller faktischen Verirrungen in der Christentumsgeschichte. Auch auf den Philosophen und Psychotherapeuten Erich Fromm wollen wir in unserem Salon erinnern.

Nur einige FAKTEN zur Einstimmung:Die NGO OXFAM berichtet jetzt, Januar 2016: Das oberste eine Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr Vermögen als der gesamte „Rest“ der Menschheit, also 99 Prozent. Oft wurde auch die Zahl verbreitet: 62 der reichsten Menschen besitzen so viel wie die arme Hälfte der Menschheit. 

Zu Deutschland im Jahr 2013: 52 Prozent des gesamten Nettovermögens in Deutschland besitzen 10 Prozent der Haushalte… 

Elisabeth Hofffmann,  mit unserem philosophischen Salon seit Jahren verbunden, schreibt zu unserem Gespräch am 26.  Februar: „Das Thema des nächsten Salons finde ich auch sehr interessant und wichtig. Als Gegenüberstellung zum Eigentumsbegriff wäre der Begriff der „Commons“ auch wichtig, die Gemeingüter oder auch früher die Allmende….was wohl alles unter dem Begriff des Gemeinwohls subsumiert werden könnte. Hier gibt’s sogar ein blog dazu. https://commonsblog.wordpress.com/was-sind-commons/. Dann gibt’s die Initiative der Gemeinwohlökonomie, die eine Gemeinwohlbilanz (ähnlich wie die Steuererklärung) den beteiligten Unternehmen abverlangt. https://www.ecogood.org/ . Gern würde ich auch über den Satz, daß Eigentum verpflichtet, philosophisch reden. Steht wohl in unserer Verfassung. Und darüber, daß das soziale Ansehen immer noch steigt, wenn man viel besitzt. Woher kommt das? Calvin? Was könnte man dem heute entgegensetzen. Jemand der Milliarden hat, sollte doch eigentlich als einer, der andere übervorteilt hat, gebrandmarkt werden. Viel besitzen ist doch schon lange nicht mehr ein Zeichen, daß man viel gearbeitet hat. Verleiht Reichtum jemanden eine Art Königswürde? Respekt? Macht? Aus einem kollektiven Gefühl heraus? Aus einer Abhängigkeit heraus? Wie schaffen wir es, das Miteinander und das Gemeinwohl als die Voraussetzung von Reichtum zu erkennen? Niemand wird allein reich. Reichtum ist immer Gemeinschaftswerk. Eine Ökonomin, Elinor Ostrom, hat vor vielen Jahren dazu geforscht und den Nobelpreis dafür erhalten, in dem sie nachwies, wie gemeinschaftliches Eigentum erfolgreich organisiert werden kann und dabei die Ressourcen geschützt werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Elinor_Ostrom

Auch dieser Link ist wichtig: https://commons-institut.org/files/Commoning_Zur_Kon-Struktion_einer_konvivialen_Gesellschaft.pdf

Es ist das Manifest für eine konviviale Gesellschaft. Ich glaube, daß das gute Organisieren der Flüchtlingskrise durch sehr viele Freiwille und Ehrenamtliche zeigt, wie eine Gesellschaft der Selbstorganisation klappen könnte, wie sie im Manifest konzipiert wird. Und hier ist noch ein guter Film von Scobel zu den Gemeingütern: https://www.youtube.com/watch?v=rQkbImeVHr8

 



Ist Sicherheit wichtiger als Freiheit? Gespräche über eine heute wieder propagierte Alternative.

12. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Bitte die Terminveränderung beachten: Nicht am 29., sondern schon am 22. 1. 2016 findet der nächste Salon statt.

Am Freitag, den 22. Januar 2016 findet der nächste Religionsphilosophische Salon statt, um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, in Wilmersdorf. Dazu herzliche Einladung.

Das Thema: Ist Sicherheit wichtiger als Freiheit? Gespräche über eine heute wieder propagierte Alternative.

Es geht nicht nur um die Frage der Vorrangstellung von Freiheit oder Sicherheit im aktuellen politischen Zusammenleben. Es geht auch um die philosophische Frage: Welchen Stellenwert sollten Sicherheit und Freiheit im eigenen Leben haben? Sind wir „Sicherheitsttypen“? Kann Sicherheit die eigene Angst überwinden? Wo zeigt sich Sicherheit als Grundwert in religiösen Institutionen. Gibt es Religionen, die vor allem Sicherheit predigen und solche, die individuelle Freiheit über alles stellen? Könnte eine umfassende Ordnung von Freiheit für alle das Sicherheitsbedürfnis hinfällig machen?

Dazu philosophische und theologische Texte.

Anmeldungen wegen der begrenzten Anzahl vom Plätzen bitte an: christian.modehn@berlin.de

Unkosten für die Raummiete: 5 Euro.

 

 

 



Sommerausflug nach Jüterbog am Donnerstag, 20. August 2015

12. Juli 2015 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine, Warum Salon-Gespräche wichtig sind?

Am Donnerstag, den 20. August 2015, machen wir wieder unseren „philosophischen Sommerausflug“: Im vergangenen Jahr waren wir in Chorin. Diesmal geht `s in die mittelalterlich geprägte (und oft noch unbekannte) kleine Stadt Jüterbog. Start ist im Hauptbahnhof Berlin– „Tief“ um 9.14, eine Stunde später sind wir in Jüterbog. Dort Spaziergänge, Besichtigungen von sehr sehenswerten historischen Kirchen, die für die Reformation wichtig wurden, dazu fachkundige Erläuterungen, auch zum „Revolutions“-Reformator Thomas Müntzer und dem Ablass Prediger Tetzel. Gemeinsames Essen, Erholung und dort Gespräche, etwa über „Gewalt und Religionen“, „Kann man Gott kaufen?“, „Wie lassen sich Religionen reformieren?“

Rückfahrt gegen 19 Uhr. Feste Anmeldungen sind notwendig, weil Gruppenfahrkarten besorgt werden. Feste schriftliche Anmeldungen bis 15. August an: christian.modehn@berlin.de

Die Gruppe soll wegen der Gesprächsmöglichkeiten nicht mehr als 15 Personen zählen. 6 Personen haben sich schon angemeldet.

 



„Glücklich leben“ contra „sinnvoll leben“? Modelle der Lebensgestaltung. Ein Salonabend am Fr., 26.Juni um 19 Uhr

27. Mai 2015 | Von | Kategorie: Denkbar, Der nächste Salon, Termine

„Glücklich leben“ contra „sinnvoll leben“? Modelle der Lebensgestaltung

Der Religionsphilosophische Salon im JUNI 2015 findet am Freitag, den 26. Juni, wieder um 19 Uhr in der schönen Galerie FANTOM in der Hektorstr. 9 statt. Der Beitrag wegen der Raummiete beträgt 5 Euro. Für StudentInnen gratis. Dazu herzliche Einladung. Mit der Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Wir wollen uns dem offenbar so alltäglichen, tatsächlich aber anspruchsvollen philosophischen Thema Glück nähern. Und fragen: Kann mein individuelles Glück mein Lebensziel sein? Oder hat die Idee des sinnvollen Lebens eine viel tiefere Bedeutung? Texte zum Thema Glück, auch in populärer „Propaganda“ gibt es in großer Fülle. Philosophisch relevant sind hingegen im Rahmen seiner „Philosophie der Lebenskunst“ die leicht zugänglichen Überlegungen von Wilhelm Schmid im Insel Verlag „Glück“. Alles was Sie darüber wissen müssen…“

Sehr tiefschürfend ist der Versuch einer  „rationalen Religionsphilosophie“ durch Prof. Volker Gerhardt in seinem Buch „Der Sinn des Sinns“ (2015, C.H.Beck Verlag, 358 Seiten).  Anregend ist auch das Buch des  Philosophen Michael Hampe, Zürich: „Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück“. Auch die Lektüre dieses Buches ist inspirierend, es ist bei DTV erschienen, (3. Auflage 2004), es kostet nur 9, 90 Euro: „Virtuos komponiert. Glasklar geschrieben“, schreibt die Neue Züricher Zeitung. „Das Glück wird in der Vielstimmigkeit gefunden“, schreibt die Frankfurter Rundschau.

Ist das Streben nach „meinem Glück“ zu individualistisch, gar egoistisch? Ist die Suche nach dem Lebenssinn von größerer ethischer Relevanz, weil im Lebensinn das Göttliche sichtbar werden kann (so Volker Gerhardt). Das ist nur eine Frage, die wir gesprächsweise etwas erhellen wollen. „Glück oder/und/contra Lebenssinn ?“ wird so zur Frage nach meinem eigenen Lebensentwurf.

Einige weitere philosophische Hinweise von Christian Modehn wurden am 27.6.2015 publiziert, klicken Sie bitte hier.



Für eine Philosophie des Weins: Der religionsphilosophische Salon am 29. Mai 2015

25. April 2015 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Der Religionsphilosophische Salon im Mai 2015:

Wir treffen uns am Freitag, den 29. Mai, um 19 Uhr, ausnahmsweise nicht in der uns vertrauten, angenehmen Galerie Fantom, sondern in der schönen, geräumigen Weinhandlung (speziell auch Weine aus Katalonien) in Neukölln, in der Jonasstr. 32, nahe U- Bhf. Leinestr.

Die Weinhandlung von Wolfgang Baumeister heißt „Sinnesfreude“. Bei dem Namen bieten sich philosophische Fragen von selbst an. Und wir wollen die Herausforderung annehmen: Hat Philosophieren etwas mit Sinnesfreude zu tun? Selbstverständlich, aber wie? Braucht das Denken den (sanften) Rausch? Es geht also um eine kleine Philosophie des Weins – bei einem Glas Wein. Und sicher geht es auch auch um Verbindungen zu religiösen Traditionen. Darum werden wir uns an Platon, Dionysos, Hölderlin erinnern, und vielleicht auch an biblische Motive … sowie persönliche Einsichten beim Wein; darüber wird uns auch Wolfgang Baumeister berichten.

Nebenbei: Kein anderes Getränk hat so schöne philosophische, literarische, künstlerische und religiöse Ideen hervorgebracht wie der Wein. Wir wollen uns also in dem Salonabend der einmaligen Qualität des Weins nähern, auch im Philosophieren: „Der Wein ist Symbol des Festes“. „Der Wein lässt die Herrlichkeit der Welt, der Schöpfung, schmecken“.

Christian Modehn bietet einige Hinweise zu einer Wein-Philosophie. Besonders die Vorschläge des Dichters Friedrich Hölderlin finden Beachtung, ohne dabei Dionysos oder den Weinliebhaber Jesus von Nazareth zu vergessen.

Weitere Hinweise zu diesem etwas ungewöhnlichen Thema folgen. Nebenbei: Die „Sinnesfreude“ ist – für alle Neukölln-Fernen – z.B. mit der U Bahn bestens erreichbar.

Als kleinen Eintrittsobulus denken wir an 5 EURO.

Anmeldungen werden erbeten, weil dann auch inspirierende Informationen vorweg zugesandt werden. christian.modehn@berlin.de



Ein etwas anderer philosophischer Salon: Eine Begegnung von Niederländern und Deutschen am Freitag, 17. April 2015

28. März 2015 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Ein „etwas anderer“ philosophischer Salon…

…am Freitag, den 17. April 2015 ab 18. 30 Uhr im Kulturzentrum Afrikahaus, Bochumerstr. 25, Stadtteil Tiergarten.

An dem Tag kommen 10 Mitglieder eines philosophischen Salons aus Amsterdam nach Berlin. Er findet statt in der philosophisch interessierten protestantischen, liberal-theologischen Kirche der Remonstranten. (Siehe:   http://www.vrijburg.nl/ )

Wir wollen gemeinsam Vegetarisches essen, nach afrikanischem Rezept, und ein Gläschen Wein trinken und uns danach weiter austauschen. Der Leiter der Amsterdamer Gruppe, der Philosoph Pieter Jan André, wird auf die Aktualität des „Sokratischen Gespräches“ hinweisen. Und Christian Modehn wird einige Fragen stellen über die Bedeutung des NEINSagens und des Widerstands in der Philosophie. Aber abgesehen davon: Es gibt genügend Zeit sich auszutauschen und persönlich kennen zu lernen. „Gezelligheid“ ist das entsprechende holländische Wort.

Wegen der Vorbereitung des afrikanischen vegetarischen Essens durch den Leiter des Afrika Hauses, Herrn Diallo, bitte ich bis zum 13. 4. um eine definitive Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Der Eintritt ist frei. Das Essen kostet 4,50 Euro., auch die div. Getränke sind „bezahlbar“.

Start um 18.30 Uhr. Das Afrika Haus in der Bochumer Str. 25 befindet sich dicht am U Bhf Turmstr., Ausgang Alt –Moabit.



Von der Wunderkraft des Spielens. Drei Fragen an Wilhelm Gräb

22. Juni 2014 | Von | Kategorie: Der nächste Salon

Von der Wunderkraft des Spielens

Drei Fragen an Wilhelm Gräb (veröffentlicht am 2. Juni 2014)

Bei den Fußballweltmeisterschaften, wie nun in Brasilien, ist von Spiel und Spielen nur dann die Rede, wenn das Aufeinandertreffen zweier Mannschaften im Stadion gemeint ist. Ansonsten dominieren bei der WM Begriffe wie Stars und Geld, reibungsloses Funktionieren und Kampf, Stärke und Nationen. Warum macht es angesichts dieser offensichtlichen „Eindimensionalität“ dennoch Sinn, unbedingt den Begriff Spiel in seiner ganzen Breite zu bedenken und das Spielen zu pflegen? Handelt es sich beim Spielen, im ursprünglichen Verständnis, doch um mehr als um eine nette Kinderei?

Wenn Kinder spielen ist das ja keine Kinderei. Wenn Kinder spielen, entdecken sie sich selbst als die Subjekte ihres Handelns. Ja, mehr noch, sie erleben, dass sie selbst entscheidend an der Errichtung ihrer Welt beteiligt sind, dass es auf sie selbst ankommt und auf das, was sie aus den ihnen ebenso vorgegebenen wie zugleich von ihnen selbst gesetzten Möglichkeiten machen. Das Spiel ist im Grunde die reine Form des Erlebens des Lebens. Spielregeln und Spielfiguren sind vorgeben, doch gerade nicht uns unzugänglich vorgegeben. Die Spieler kennen die Regeln und können sie je nach Vereinbarung auch selbst verändern. Die Spielregeln schaffen die Bedingungen, unter denen das Spiel überhaupt gespielt werden kann. Das Spiel zu spielen heißt dann, sich frei in ihrem Rahmen zu bewegen und, auf Sieg setzend, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen, die die Spielregeln eröffnen. Wenn wir spielen, tun wir im Grunde nichts anders als uns unter selbst gesetzten wiewohl nicht beliebig veränderbaren Bedingungen im Raum der Freiheit zu bewegen.

Das Spiel ist der Erprobungsraum der Freiheit, auch das Fußballspiel. Davon hat es seine Faszinationskraft. Die Spielregeln müssen eingehalten werden. Aber welche vielfältigen Möglichkeiten, das Spiel aufzuziehen, setzen sie in Gang!  Für den Erfolg ist die kluge Strategie ebenso entscheidend wie der persönliche Einsatz und das Können jedes Spielers. Bringt wiederum der einzelne seinen Ehrgeiz und sein Talent nicht auf mannschaftsdienliche Weise ein, wird keiner gewinnen, der einzelne ebenso wenig wie das gesamte Team.

So ist es auch im wirklichen Leben. Nur dass wir im wirklichen Leben das Spiel des Lebens nie um seiner selbst willen spielen können. Im wirklichen Leben können wir die Möglichkeiten unserer Freiheit nicht erproben, weil die Folgen unseres Handelns nicht auf den Rahmen beschränkt bleiben, die dem Spiel mit seinen Spielregeln gesetzt sind. „Das Runde muss ins Eckige.“ „Das Spiel dauert 90 Minuten.“ Diese Fußballweisheiten halten auch die Folgen der Freiheit in den Grenzen des Spiels. Das wirkliche Leben hingegen ist kein Spiel. Wir überschauen die Bedingungen, unter denen wir es zu führen haben, nie vollständig. Genauso wenig können wir seine Folgen letztlich verantworten, eben weil wir das „Insgesamt“ der Bedingungen unseres Handelns nicht kennen.

Im Spiel erleben wir das Leben wie es sein könnte, wenn es nach den Regeln gespielt würde, die wir kennen, die wir akzeptieren, auf die wir uns verständigt haben. Weil wir solche Spiele bei der bevorstehen Fußballweltmeisterschaft wieder erleben werden, wird der Funke erneut überspringen. Wir werden unser Leben gesteigert erleben. Wir werden mit unser Mannschaft mit fiebern, aber nicht nur das, uns überhaupt an schönen Fußballspielen erfreuen, an gelungenen Spielzügen, dann, wenn der Kampf ins Spiel führt, er aber dennoch den Sieg nicht zu garantieren vermag. Die WM wird das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzen, auch wenn wir alle wissen, dass es zugleich um Geld und Profit, um Macht und nationale Überheblichkeiten geht. Es sind eben Spiele mitten im wirklichen Leben.

Beim Spielen der Erwachsenen, etwa den „Gesellschaftsspielen“, entstehen auch Welten jenseits der Wirklichkeit. Und Utopien werden für einige Stunden spielerisch Realität. Wenn aber inmitten des Spiels Neues entdeckt und Unbekanntes respektiert wird, kann man dann nicht meinen: Im Spielen werden wir in die Transzendenz, vielleicht sogar ins Religiöse, gewiesen?

Man kann das Spiel durchaus mit heiligen Liturgien vergleichen. Denn in den Ritualen der Religion wird ebenso nach selbst gesetzten Regeln eine dem wirklichen Leben enthobene Vorstellungs- und Glaubenswelt errichtet. Die kirchlichen Gottesdienste haben heute jedoch das Problem bei sich, dass sie nicht mehr als ein gesteigertes Erleben des Lebens empfunden werden. Es kommt zumeist nicht zur leibhaften Erfahrung, dass es die uns Menschen verheißenen Möglichkeiten eines gelingenden Lebens sind, in die einzutreten die Religion uns in Aussicht stellt. In Wahrheit ist der religiöse Vollzug jedoch ein Akt der Selbsttranszendierung, der uns aber auf unsere alltägliche Wirklichkeit zurückkommen lässt – mit einem veränderten Blick auf die Dinge des Lebens.

Die Veränderung des Blicks auf die Wirklichkeit geschieht dadurch, dass die Religion uns nicht in die Bewältigung des Lebens einbindet, sondern unseren Sinn öffnet für den Sinn, dem es insgesamt folgt und von dem es sich mit jedem Atemzug getragen wissen kann. Und das ist es, was im gesteigerten Erleben des Lebens geschieht. Wir bekommen ein Gespür dafür, was es heißt, zu leben. Wir merken, wie sich das Leben, das wir haben und, ja, zielorientiert führen müssen, anfühlt. Wir bekommen einen Geschmack für das Leben. Der ist immer ambivalent, schwankend zwischen Lust und Unlust, Freude und Schmerz, Liebe und Hass, Sieg und Niederlage. All diese Ambivalenzen versuchen wir z.B. im Gebet, dem exemplarischen Akt religiöser Selbsttranszendierung, zum Ausdruck zu bringen. In all diese Ambivalenzen werden wir aber auch fühlbar, uns emotional emphatisch ergreifend, durch das Spielen hineingezogen – wenn wir selbst mitspielen, aber auch wenn wir bei der Weltmeisterschaft wieder mit unserer Mannschaft mit fiebern.

Wie in der Religion verfolgen wir im Spiel nicht die Zwecke und Notwendigkeiten des wirklichen Lebens. Und doch ist es uns ganz ernst mit ihm. „Es geht nicht um Leben und Tod, es ist viel schlimmer…“ soll Bill Shankly vom FC Liverpool einst gesagt haben. Recht hat er. Denn im Spiel erleben wir in einer Unmittelbarkeit und Direktheit die Geschicke des Lebens wie dies im wirklichen Leben nie der Fall ist, eben weil das Leben dort in seiner Ganzheit gar nicht vor uns kommt, weder sein Anfang noch sein Ende von uns bewusst erlebt werden. Nur dort, wo das Leben aus seinen Daseinsnotwendigkeiten heraustritt und zwecklos mit sich selbst ins Spiel kommt, kommt uns in unserem Gefühlsbewusstsein auf ergreifende Weise zur Präsenz, was es heißt zu leben.

So sehr auch das Spielen Kreativität und Phantasie freisetzt, so gelten doch immer – auch beim Fußball und den Spielen der WM – feste Spiel-Regeln. Die werden im Stadion von den Mannschaften oft streng respektiert. Es ist aber paradox, dass dieser Respekt vor diesen Spielregeln nicht zu einem umfassenden Fair Play im Alltag, in der Gesellschaft, führt. Macht dieser Bruch zwischen Fair Play im Stadion und unfaires, ungerechtes Handeln im Alltag, diese Form der hochgepushten WM Spiele nicht doch letztlich bedeutungslos für die Gesellschaft?

Wir wissen alle, dass die FIFA korrupt ist, das Bestechungsgelder bei der Vergabe der Spiele in Strömen fließen, dass jetzt in Brasilien die Leute auf die Straße gehen, weil – wie schon vor 4 Jahren in Südafrika – Unsummen für den Bau der Stadien ausgegeben werden, an Orten, an denen die Spielstätten nachher überhaupt nicht mehr gebraucht werden, Geld, das für infrastrukturelle Maßnahmen gerade in den schwach entwickelten Gebieten des Landes dringend gebraucht würde. Dennoch werden in Brasilien wohl alle die Spiele mit größter Spannung verfolgen. Bei uns werden sich auf der Fan-Meile vor dem Brandenburger Tor wieder Hundertausende versammeln. Die anderen werden vor dem Fernseher sitzen und ihre Freunde zur Grillparty einladen. Ich bin mir ziemlich sicher, es wird wieder ein Fußballfest werden, vielleicht kein Sommermärchen wie vor 8 Jahren, als die WM in Deutschland stattfand, aber dennoch werden wir alle – wenn nur unsere Mannschaft weit genug kommt – in eine erhöhte Form des Daseins gelangen.

Das schaffen die Spiele aus der dem Spiel eigenen Kraft – trotz unseres Wissens um die völlig überzogenen Gehälter, die die Spieler kassieren, das finanzielle Fiaskos, in das die WM die gastgebenden Länder schickt, die ausschließlich kommerziellen Interessen, die seine Veranstalter verfolgen. Gerade weil im Spiel das Leben in seiner ganzen Ambivalenz als ein Geschehen erfahren wird, in das wir selbst auf subjekthafte Weise einbezogen sind, dessen Regeln wir aus freier Einsicht zustimmen können und das in seinem Ausgang dennoch auf spannungsvolle Weise offen bleibt, bringt es uns tiefer in Kontakt mit uns selbst. Wir erleben unser Leben und werden dabei dessen gewahr, dass wir aller eigenen Anstrengung und auch allem Fair Play zum Trotz sein Gelingen nicht in der eigenen Hand haben. Dessen aber bewusst zu sein, genau das ist Religion.

Die Fragen stellte Christian Modehn. Wilhelm Gräb ist protestantischer Theologe und Professor an der Humboldt Universität zu Berlin. Sein besonderes Interesse gilt einer aktuellen „liberalen Theologie“

Copyright: Wilhelm Gräb und „Religionsphilosophischer Salon Berlin“



Philosophisches Wandern… nach Chorin am 8. August 2014

11. Juni 2014 | Von | Kategorie: Der nächste Salon, Termine

Meditatives Wandern .. nach Chorin am 8. August 2014.

Der Religionsphilosophische Salon veranstaltet einmal im Jahr eine Art „Ausflug“: Diesmal hat sich Frau Dr. Angelika B. Hirsch, Autorin und Religionswissenschaftlerin, bereit erklärt, mit einer kleineren Gruppe eine meditative Wanderung im Umfeld des ehem. Klosters CHORIN mit uns zu gestalten. Dafür sind wir sehr dankbar, zumal Frau Hirsch viele Erfahrungen im meditativen Wandern hat und dazu auch etliche Publikationen vorgelegt hat.

Wir machen eine moderate, nicht beschwerliche Wanderung, mit Erfahrungen der Stille, des Vortrags, des Gesprächs, der Besichtigung im Kloster Chorin,  des gemeinsamen Essens etc.

Wir starten am Freitag, den 8. August 2014, um 9. 33 Uhr am Hauptbahnhof, fahren mit dem Zug bis ins nahegelegene Britz, wandern in aller Ruhe nach Chorin… Wir würden dann die Gruppenkarten der DB nützen.

Es kann eine intensive Erfahrung eines „anderen“ Ausflugs werden, ein Weg ins Freie, der den eigenen Geist neu öffnet für das Überraschende und „Zu-fällige“.

Wir bitten um feste Anmeldung bis zum 3. August 2014 per email mit der festen Zusage der Teilnahme, weil wir doch eine überschaubare, d.h. gesprächsfähige Gruppe bleiben wollen. Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

Frau Hirsch bietet ihr Engagement an diesem Tag uns als ihr Geschenk an! Das nur nebenbei.

Bitte beachten Sie auch die website von Angelika B. Hirsch mit weiteren Vorhaben und Publikationen, zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

Zu Chorin:  Da gibt es eine interessante website, klicken Sie hier.